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Dumm ist, wer an den IQ glaubt! Schau, was die Wirtschaft jetzt von deinem Hirn will

bild: sharingcrumbs

Vom IQ-Professor über den Emo-Manage zur adaptiven Elasticwoman – die Geschichte der Intelligenztests und welche Schläue uns die Industrie zukünftig einbläuen will. 



Trump meint, seiner wäre riesengross. Der von Andy Warhol war hingegen tatsächlich sehr klein. Und Madonna hat überraschenderweise einen wirklich grossen.

Die Rede ist vom Intelligenzquotienten. Dem kognitiven Schwanzvergleich, von dem wir eigentlich alle wissen, dass er so gut wie gar nichts über uns aussagt. Trotzdem können wir aber nicht weghören, wenn behauptet wird, dass dieser oder jene einen besonders kleinen hat.

«Leute, die mit ihrem hohen IQ prahlen, sind Verlierer.»

Physiker Steven W. Hawking soll einen IQ-Wert von 160 haben

Der IQ bekleidet noch immer niederschwellig das Amt eines Erfolgsindikators. Wer einen grossen hat, kann sich glücklich schätzen, wer mit einem niedrigem Resultat den Test verlässt, hat Pech gehabt. 

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bild: quickmeme

Finde das richtige Dreieck und du wirst Investment-Banker!

Schon seit gut 100 Jahren tun Menschen so, als könnte man Intelligenz allgemein messen. Im Auftrag der französischen Regierung kreierten der Psychologe Alfred Binet und der Arzt Théodore Simon den ersten Intelligenztest. Dieser hatte zum Ziel, das «Intelligenzalter» von Kindern zu ermitteln, sodass der Staat genau weiss, in welche Sprösslinge es zu investieren gilt und welche man getrost sich selbst überlassen kann.

Der Test entwickelte sich über die Jahre hinweg weiter, wurde in Relation mit dem biologischen Alter gesetzt und mutierte schliesslich zu dem Zahlen-, Form und Worträtsel, wie wir es heute kennen.

ACHTUNG! Beim Klicken auf das Bild erscheint die Lösung. Und nochmals Achtung: Bei der ersten Frage ist uns leider ein Fehler unterlaufen. Die richtige Lösung... ... lautet d.

IQ-Tests

Wer es jetzt nicht lassen kann, doch seinen Intelligenzquotienten zu ermitteln, sei nochmals gewarnt. Jeder Test spuckt ein anderes Resultat aus. Ein akkurates Ergebnis erhält man nur, wenn das richtige Testformat persönlich von einem ausgebildeten Psychologen für eine Testperson ausgesucht wird. Standardisiert werden die IQ-Test vom Verein «Mensa» durchgeführt. Das ist die internationale Vereinigung der hyperintelligenten Nerds. Zutritt erhält nur, wer in einem «Mensa»-Test über 130 Punkte erzielt.

>> Probe-Test von «Mensa»
>> Umfassender IQ-Test auf «Spiegel-Online»

Nach aktueller Rechnung gilt, dass der Durchschnitts-IQ jeweils bei 100 Punkten liegen muss. Zwischen 85 und 115 Punkten tummeln sich demnach also die Normalos, während sich die Hochbegabten bei der 130er-Marke sammeln. Von letzteren gibt es zwei Prozent. 

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bild: quickmeme

25 Millionen Mal Willkür

25 Millionen Resultate spuckt Google aus, wenn man im Suchfeld «iq test» eintippt. Ein paar davon fokussieren auf Zahlen- und Buchstabenfolgen, andere testen das geometrische Vorstellungsvermögen und wieder andere überprüfen die Sprachkompetenzen der Getesteten. Eins haben sie alle gemeinsam: Sie beanspruchen willkürlich die Deutungshoheit darüber, was Intelligenz ist und suggerieren, dass dies ein statisches Mass ist. Eine Charaktereigenschaft, die man hat oder eben nicht.

«Intelligenz ist, was Intelligenztests testen.»

US-Psychologe Edwin Boring, 1923

Dabei streitet sich die akademische Welt schon seit der Entwicklung der ersten IQ-Tests über die philosophische Frage, was denn genau Intelligenz sei. Der berühmte Denker Theodor Adorno schrieb 1947, dass Intelligenz nur eine angepasste Verhaltensweise sei. Dass es bei ihr ums Problemelösen und nicht ums autonome Denken geht. Der französische Soziologe Bordieu formulierte es noch etwas drastischer. Er sagt, Intelligenz sei eine «durch die Schule legitimierte und wissenschaftlich ausgewiesene soziale Diskriminierung». Was wir also kulturell unter Intelligenz verstehen, bestimmen die elitären Leute, die diese Tests anfertigen.

Wie wir alle wissen und wie die 25 Millionen Google-Suchergebnisse illustrieren, kamen diese kritischen Stimmen in der Gesellschaft nie so ganz an. Viele Grosskonzerne führen als Teil interner Bewerbungsverfahren noch immer klassische IQ-Tests durch. Und sogar Universitäten erlassen Studierenden mit einem Intelligenzquotienten über 130 teilweise die Studiengebühren. Stellt sich die Frage: Wie verhilft das korrekte Einordnen von Dreiecksformen einer Investment-Bankerin zum Erfolg?

Revolution der Emotion

Es hilft ihr kaum – würde Daniel Goleman sagen. Er schrieb in den 1990er-Jahren das Buch «EQ – Emotionale Intelligenz» und überzeugte damit namhafte Unternehmen, sich vom IQ-Dogma zu verabschieden und im Zuge dessen mehr auf die emotionale Intelligenz ihrer Mitarbeiter zu achten. Will heissen: Die Wirtschaft interessierte sich von da an für Menschen mit der Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle korrekt zu identifizieren, zu verstehen und zu beeinflussen.

Psychoszenen statt Dreiecksrätsel:
Wie hoch ist dein EQ?

Sie haben Ihren Freunden aus dem Sportverein versprochen, auf deren Kinder aufzupassen. Nun stehen Sie mit zehn Fünfjährigen auf dem Spielplatz und der kleine Felix heult herzzerreissend, weil die anderen nicht mit ihm spielen wollen. Was tun Sie?

EQ-Tests – verwirrend und schludrig

Was ist richtig, was ist falsch? Wie schneide ich am besten ab? Die Ermittlung des eigenen EQ-Werts ist ein nervenzerrendes Unterfangen. Gerade in der Hinsicht, dass ein hoher EQ mittlerweile sehr gefragt ist in der Arbeitswelt.

Einen EQ-Test durchzuführen, ist nochmals eine heiklere Angelegenheit als die Konzeption eines IQ-Tests. Denn Emotionen kennen im Gegensatz zu Logik wenig Systematik. Doch gerade dies – eine Art von systematischem Umgang mit Gefühlen – ist die Voraussetzung für einen hohen EQ-Wert.

>> Ein halbwegs akkurater EQ-Test im Umfang von 100 Fragen findet sich bei der «Süddeutschen Zeitung». 

Eine Investmentbankerin braucht, so Goleman, einen hohen EQ, weil nur wenn ihre Kunden sie mögen, vertrauen sie ihr auch ihr Vermögen an. Gleiches gilt für Teamleader, die mit ihrem hohen EQ ein Team zur maximalen Produktivität führen können. Der Fokuswechsel vom IQ zum EQ ist die Transformation von intelligent zu smart; die Thronfolge vom Wissenschaftler zum CEO.

Ab damit in die Geldpresse! Über die Innovation von Emotion

Emotional starke Menschen sind also die neusten Topseller auf dem Arbeitsmarkt. Besonders gut zeigt sich das am Beispiel des IT-Unternehmens «IBM».

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Nur diese 60 Firmen zählten sowohl 1955 als auch 2016 zu den erfolgreichsten Unternehmen der Welt. bild: markjperry

Es gehört zu den weltweit wenigen Konzernen, die sowohl 1955 als auch 2016 zu den rentabelsten Firmen der Welt gehören. Die Finanz-Bloggerin Natalie Fratto meint, das liege daran, dass IBM schon seit langem nicht nur den IQ, sondern eben auch den EQ ihrer Mitarbeiter unter die Lupe nimmt. So habe sich das Unternehmen über Jahrzehnte lang nachhaltige Entwicklung gesichert und sei immer aktuell und innovativ gewesen: In den 1880ern mit den ersten elektronischen Tabelliermaschinen, in den 1960ern mit den ersten Grossrechnern und aktuell mit extrem fortschrittlicher Software zur Managementberatung. Für die Bloggerin und ehemalige «IBM»-Angestellte Fratto steht klar: Das hat mit der Rekrutierung des Personals zu tun. In einem Blogpost auf «Medium» schreibt sie:

«Mein Ex-Mitarbeiter bei IBM war 2014 noch Experte für maschinelle Lehrverfahren. Jetzt steht ‹Fachmann für Bitcoin- und Kryptowährungssysteme› in seinem Linked-in-Profil.»

Schaut man sich als Gegenbeispiel die etwa gleich alte Firma Kodak an, zeigt sich der Unterschied sehr deutlich. Kodak hatte im Lauf seiner Unternehmensgeschichte viele schlaue Köpfe eingestellt. Mit hohem IQ. Ihr gelang es, fortschrittlichste Technologien für die analoge Fotografie zu entwickeln. Jeder, der vor dem Jahr 2000 zur Welt kam, kennt die zylinder-förmigen Dosen, auf denen damals noch die Fotos vom Strandurlaub «gespeichert» waren. 2012 rutschte Kodak knapp am Konkurs vorbei. Ihre Mitarbeiter waren zwar intelligent genug, die tollsten Fotografie-Gadgets zu kreieren, aber nicht smart genug, um die Digitalisierung zu überleben.

Sag mal, wie hoch ist denn dein AQ?

Nicht nur Firmen, sondern der arbeitende Mensch an sich muss sich zunehmend die Fragen stellen: Wozu braucht's mich denn noch? Was macht mich wertvoll? Was bring ich der Welt?

Und die Welt sagt im Gegenzug: Kommt drauf an, wie flexibel du bist! Kommt drauf an, wie hoch dein AQ, dein Adaptability Quotient ist. Denn darauf soll's in Zukunft ankommen, schaut man sich die Prognosen namhafter Wirtschaftsethnologen an. Die Intelligenz von morgen, heisst es, ist deine Flexibilität. Die Fähigkeit, sein Können an die Entwicklung anzupassen. Gefragt sind nicht mehr Einsteins, die im stillen Kämmerchen das Denken von Raum und Zeit auf den Kopf stellen, sondern Flipflops tragende Kreativköpfe, die an einem Tag als Social-Media-Manager ein Meme viral gehen lassen und am anderen eine Weiterbildung in Roboter-Programmierung besuchen. 

Was könnte bei einem AQ-Test gefragt werden?

Um die Geschichte der Intelligenz-Tests kurz zusammenzufassen: Wir starteten beim IQ-Forscher, gingen über zum Emo-Manager, um jetzt bei der adaptiven Elasticwoman anzukommen.

Die Begrifflichkeiten des AQs sind derzeit aber noch recht unbekannt. Googelt man den neuen Intelligenzindikator, ist es, als rufe man in einen dunklen, leeren Stollen des World Wide Web.  

Wie lange es wohl geht, bis dieser Stollen gefüllt ist? Bis wir online unseren AQ in drölf Millionen Variation testen und mit dem guten Ergebnis auf Facebook hausieren können? Let me know, wenn's soweit ist!

Diese Promis haben einen sehr hohen IQ

Was diese Geräte wohl für einen AQ-Wert haben?

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