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Die Jungen lieben ihn: Bernie Sanders bei einem Auftritt in New Hampshire.<br data-editable="remove">
Die Jungen lieben ihn: Bernie Sanders bei einem Auftritt in New Hampshire.
Bild: John Minchillo/AP/KEYSTONE

Junge Frauen verschmähen Hillary Clinton – weil «die Jungs bei Bernie sind»?

Hillary Clinton will erste US-Präsidentin werden, doch junge Frauen ziehen ihren Rivalen Bernie Sanders vor. Feministinnen nerven sich darüber und schaden ihr mit deplatzierten Sprüchen.
09.02.2016, 16:5909.02.2016, 17:19

Hillary Clinton durchlebt schwierige Zeiten. Bis vor kurzem schien ihre Nomination als Kandidatin der Demokraten für die US-Präsidentschaft nur Formsache zu sein. Nun aber mausert sich ihr letzter Rivale Bernie Sanders zur ernsthaften Bedrohung. Die erste Vorwahl vor einer Woche im Bundesstaat Iowa verlor er nur hauchdünn. In New Hampshire in der Nacht auf Mittwoch ist der Senator aus dem Nachbarstaat Vermont gar der klare Favorit.

Besonders schockierend für Clinton: Obwohl Sanders bereits 74 Jahre alt ist und keinen Tag jünger aussieht, laufen ihm vor allem die jungen Leute scharenweise zu. In Iowa stimmten laut Nachwahlbefragungen 84 Prozent der 17- bis 29-Jährigen und 58 Prozent der 30- bis 44-Jährigen für Sanders. Für die jungen Amerikaner, die nach dem Studium wegen der exorbitanten Kosten häufig tief verschuldet sind, ist der «demokratische Sozialist» ein Garant für einen echten Wandel, im Gegensatz zur ehemaligen First Lady, Senatorin und Aussenministerin.

Gloria Steinems kontroverse Aussage.

Die Tatsache, dass junge Wählerinnen einen zerknitterten alten «Knacker» der Aussicht auf die erste Frau im Weissen Haus vorziehen, sorgt bei altgedienten Kämpferinnen für die Frauenrechte für mächtigen Ärger. Die 81-jährige Autorin und Feminismus-Ikone Gloria Steinem meinte letzte Woche in einer Talkshow, Frauen würden häufig erst im Alter radikaler: «Wenn man jünger ist, fragt man sich: Wo sind die Jungs? Die Jungs sind bei Bernie», erklärte Steinem.

Die Kandidaten für die US-Präsidentschaftswahl

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Die Kandidaten für die US-Präsidentschaftswahl
quelle: x00157 / kevin lamarque
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Was Steinem indirekt andeutete: Junge Frauen mischen sich unter die Sanders-Fans, weil sie Typen aufreissen wollen. Die Reaktion blieb nicht aus. Eine junge New Yorkerin meinte gegenüber dem Guardian, Steinems Aussage sei «die schlimmste Form von Verallgemeinerung über Frauen meines Alters, die ich seit Jahren gehört habe». Eine Kolumnistin der «Los Angeles Times» schrieb, junge Frauen würden Sanders als idealistischen, authentischen Politiker betrachten und sicherlich bei ihm kein Date suchen: «Dafür haben sie Tinder.»

Am Sonntag entschuldigte sich Gloria Steinem auf Facebook halbherzig. Sie habe sich «versprochen». Da war längst eine weitere Kontroverse entbrannt. Tags zuvor hatte die 78-jährige Madeleine Albright, US-Aussenministerin unter Hillarys Ehemann Bill Clinton, bei einem Wahlkampfauftritt in New Hampshire nicht nur ein feuriges Plädoyer für die Kandidatin gehalten. Sie nahm auch den fehlenden weiblichen Support für Clinton aufs Korn: «Es gibt einen besonderen Platz in der Hölle für Frauen, die einander nicht helfen.»

Madeleine Albright droht mit der Hölle.

Der Aufschrei blieb auch dieses Mal nicht aus. Albright allerdings entschuldigte sich nicht. Sie verwies in einem Interview mit dem Magazin Time darauf, dass sie diesen Satz schon mehrfach verwendet habe. Tatsächlich wurde er sogar auf einem Starbucks-Kaffeebecher verewigt. Eigentlich habe er auf ältere Frauen gezielt, die jüngere nicht beim beruflichen Aufstieg unterstützen, wie sie das selber erlebt habe. «Heute ist vieles besser, dank Menschen wie Hillary und mir», meinte Albright. Dies würden die jungen Frauen zu wenig wahrhaben.

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Clinton selbst äusserte sich am Sonntag ziemlich genervt über die Feminismus-Kontroverse: «Man kann heutzutage nichts mehr sagen, ohne jemanden zu beleidigen.» An ihrem Grundproblem ändert das nichts: Obwohl sie auf die Unterstützung von Promis wie Lena Dunham und Popsternchen Katy Perry zählen kann, findet sie keinen Draht zu den jüngeren Frauen. Ihnen ist Clinton aus diversen Gründen suspekt. So wettert sie zwar wie Sanders gegen die Wall Street, lässt sich aber von Banken üppige Honorare für Reden bezahlen.

Im Clinton-Lager gibt es erste Anzeichen von Panik. Laut der Website Politico sollen Hillary und Bill mit dem Wahlkampf dermassen unzufrieden sein, dass sie nach der praktisch sicheren Niederlage in New Hampshire einen grösseren Wechsel bei Personal und Strategie planen. Tatsächlich fehlt ihrer Kampagne eine klare Linie, während Bernie Sanders unaufhörlich auf einem Thema herumreitet: Der wachsenden Ungleichheit in den USA. Damit überzeugt er die Jungen.

US-Wahlen 2016

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