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Bild: Shutterstock/Netflix

Welch Ironie! Netflix bringt jetzt eigene Filme ins Kino

06.11.2018, 19:46

Jahrelang hat Netflix die Millennials dazu erzogen, Filme nicht mehr im Kino zu schauen – nun stellt sich heraus, dass ausgerechnet der Streaming-Primus einige seiner neuen Filme ins Kino bringt. Warum Netflix das tut? Weil sie endlich einen Oscar gewinnen wollen. Denn eine der Voraussetzungen, dass ein Film überhaupt für das Nominationsverfahren der Oscars zugelassen wird, ist, dass er im Kino zu sehen war.

Obwohl Netflix nun lange dafür gekämpft hat, dass diese Regelung aufgehoben wird, hat sich die Academy nicht erweichen lassen. Für Netflix natürlich äusserst ärgerlich, zumal man beim Streaming-Giganten aktuell drei Filme in Vorbereitung hat, die in dessen Augen ganz klar Oscar-Material wären.

Um sich endlich die erste Goldstatuette zu holen, hat Netflix nun angekündigt, dass man alle drei Filme zuerst ins Kino bringen werde, bevor sie dann kurze Zeit später auf der eigenen Plattform verfügbar sind. Damit werden Netflix-Filme erstmals exklusiv auf der grossen Leinwand zu sehen sein. Allerdings wartet hier bereits das nächste Problem auf Netflix, denn viele Kinoketten sind auf den Streaming-Dienst sauer und weigern sich, dessen Filme zu zeigen.

Auch am Filmfestival in Cannes hatte Netflix im Frühjahr 2018 Ärger mit den Organisatoren.
Auch am Filmfestival in Cannes hatte Netflix im Frühjahr 2018 Ärger mit den Organisatoren.bild: zvg

Theoretisch wäre das für Netflix kein Problem, denn eigentlich könnten sie den Film einfach in einem einzigen Kino in Los Angeles für mindestens eine Woche im regulären Kinoprogramm zeigen, um die Formalität zu erfüllen. Doch so funktioniert Hollywood nun einmal nicht. Viele alteingesessene Branchengrössen fordern noch immer, dass Streaming-Filme auf keinen Fall für die Oscars zugelassen werden. Auch hat Netflix in der Vergangenheit einige vielversprechende Projekte nicht an Land ziehen können, weil deren Regisseure keine Lust hatten, dass ihre Filme nicht im Kino zu sehen sein würden.

Mit der neuen Strategie will man dem wohl entgegenwirken. Inwiefern sich das auf zukünftige Netflix-Produktionen auswirkt, ist noch völlig unklar. Im Moment wurden die folgenden drei Filme für ein Kino-Release angekündigt:

«Roma»

Der Schwarzweissfilm «Roma» ist das neuste Werk des mexikanischen Regisseurs Alfonso Cuarón. Der Oscar-Preisträger wurde weltweit vor allem durch den Film «Gravity» aus dem Jahr 2013 bekannt. «Roma» lief bereits an mehreren Festivals und hat an den Filmfestspielen in Venedig den Goldenen Löwen gewonnen. Das Filmdrama zeigt das Leben einer mittelständischen mexikanischen Familie in Mexiko City der 70er-Jahre.​

Kinostart: 21. November 2018
Streaming-Start: 14. Dezember 2018​

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«The Ballad of Buster Scruggs»

Der Film der Coen-Brüder («Fargo», «The Big Lebowski») erzählt sechs völlig unterschiedliche Geschichten von sechs Siedlern und Gesetzeslosen im Wilden Westen. Im Film spielen unter anderem James Franco, Liam Neeson und Zoe Kazan mit.

Kinostart: 8. November 2018
Streaming-Start: 16. November 2018​

Trailer:

«Bird Box»

In «Bird Box» versucht Sandra Bullock, in einer postapokalyptischen Welt ihren Nachwuchs zu beschützen. Um einen sicheren Zufluchtsort zu erreichen, muss sie mit ihren Kindern in einem Boot einen reissenden Fluss hinunter rudern. Das alles mit verbundenen Augen, denn eine mysteriöse Macht treibt ihr Unwesen. Erblickt man sie, wächst in einem das Verlangen, sich umzubringen.

Kinostart: 13. Dezember 2018
Streaming-Start: 21. Dezember 2018​

Trailer:

Alle drei Filme werden zuerst in New York City, Los Angeles und Chicago zu sehen sein. Nach dem jeweiligen Streaming-Start sollen noch weitere Kinos aus nordamerikanischen Städten sowie «ganz Europa» hinzukommen.

Der Verband der US-Kinobetreiber zeigt sich durch das Einlenken von Netflix nicht beeindruckt. Gegenüber «Variety» sagte ein Sprecher: 

«Diese halbherzige Geste wird Kinobesucher, Filmemacher und Netflix-Abonnenten gleichermassen enttäuschen. Netflix muss noch immer lernen, dass es nicht Kino vs. Streaming heisst, sondern Kino und Streaming, sorgfältig aufeinander abgestimmt.»

(pls)

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