Schweiz
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Fast 300 Tote durch resistente Bakterien in der Schweiz



3D-Rendering von einem Parasiten. (Mikroben, Bakterien)

Bild: Shutterstock

In der Schweiz sterben jährlich fast 300 Menschen wegen antibiotikaresistenter Bakterien, europaweit sind es 33'000. Schuld ist der unsachgemässe Antibiotika-Einsatz. Die Bemühungen von Behörden und Fachleuten sind bisher nur bedingt erfolgreich.

«Der Kampf gegen Antibiotikaresistenzen ist noch lange nicht gewonnen», sagte Pascal Strupler, Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG), am Freitag vor den Bundeshausmedien. Zusammen mit anderen Bundesämtern hatte das BAG gleichentags den Resistenz-Bericht 2018 veröffentlicht.

Weniger Antibiotika verschrieben

Die gute Nachricht ist, dass der Antibiotika-Verbrauch in der Schweiz abnimmt. Bei ambulanten Behandlungen wurden fünf Prozent weniger eingesetzt als vor zwei Jahren. Im Spital nahm der Verbrauch sogar um zehn Prozent ab. Hausärztinnen und Hausärzte verschrieben 2017 auf 1000 Konsultationen in 29 Fällen Antibiotika. Einige Jahre zuvor waren noch in bis zu 40 Fällen Antibiotika verordnet worden.

Markant ist der Rückgang auch in der Tiermedizin. Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Menge der verkauften Antibiotika halbiert. Gemäss dem Bericht hat das vor allem damit zu tun, dass weniger Tierfutter verkauft wurde, dem bereits Antibiotika beigemischt waren.

Der Verbrauch von kritischen Antibiotika, die in der Humanmedizin eine letzte Möglichkeit darstellen, ging in der Tiermedizin innerhalb von zwei Jahren um 20 Prozent zurück. Viele der resistenten Bakterien stammen aus der Massentierhaltung.

Bakterien auf dem Vormarsch

Die schlechte Nachricht ist, dass Antibiotikaresistenzen trotzdem weiter zunehmen. Die Resistenzentwicklung verlaufe nicht im Gleichschritt mit dem sinkenden Antibiotikaverbrauch, sagte Hans Wyss, Direktor des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Darauf müsse man wohl noch einige Jahre warten.

Laut BAG hat in der Humanmedizin auch die Zahl der Infektionen durch antibiotikaresistente Bakterien zugenommen. Für fast ein Drittel ist das Darmbakterium Escherichia coli verantwortlich. Laut BAG sind heute 20 Prozent dieser Bakterien gegen Fluorchinolone resistent. Das sind doppelt so viele wie 2004.

Auch Vancomycin-resistente Enterokokken breiten sich aus. In den letzten Monaten sind im Berner Inselspital zahlreiche Fälle aufgetreten. Auf dem Vormarsch sind zudem Bakterien, die gegen Carbapeneme resistent sind. Diese Antibiotika werden dann eingesetzt, wenn kein anderes Medikament mehr hilft.

Fast 300 Tote

Erstmals stehen nun auch Zahlen zu den Todesopfern zur Verfügung. Das Schweizerische Zentrum für Antibiotikaresistenzen (Anresis) hat errechnet, dass 2015 in der Schweiz 276 Menschen an Infektionen durch antibiotikaresistente Bakterien starben. Die Zahl der Infektionen belief sich auf 7156.

Anresis hat dafür die gleiche Methode angewendet wie das europäische Netzwerk zur Beobachtung antimikrobieller Resistenzen (EARS-Net). Dieses hatte Anfang Woche eine Studie publiziert, die von 33‘000 Toten in 30 europäischen Ländern ausgeht. Die OECD warnt, dass bis 2050 in Europa, Nordamerika und Australien 2,4 Millionen Menschen durch multiresistente Bakterien sterben könnten.

«Es ist wichtig»

Der Bundesrat hat vor drei Jahren die nationale Strategie Antibiotikaresistenzen (Star) verabschiedet. In diesem Rahmen laufen inzwischen zahlreiche Massnahmen in Human- und in Tiermedizin. Um die Wirksamkeit von Antibiotika zu erhalten, brauche es aber nicht nur das Engagement der Fachleute, schreibt das BAG in einer Mitteilung. Auch Patienten und Tierhalter müssten verantwortungsvoll mit den Medikamenten umgehen.

Der Bund lanciert daher eine Kampagne, um Wissenslücken bei der Bevölkerung zu stopfen. Der Slogan lautet: «Antibiotika: Nutze sie richtig, es ist wichtig.» Die Kampagne wird mit TV-Spots, Plakaten, Online-Werbung und einer Website geführt. Sie ist auf vier Jahre angelegt, pro Jahr stehen 1,1 Millionen Franken zur Verfügung.

Globales Problem

Doch auch der sorgsame Umgang der Schweizer Bevölkerung mit Antibiotika wird das Problem der Resistenzen nicht lösen. Bakterien halten sich nämlich nicht an Landesgrenzen. In Griechenland zum Beispiel werden gut dreimal mehr Antibiotika verschrieben als in der Schweiz.

Die Resistenzrate gegen das Bakterium Klebsiella pneumoniae, das Lungen- und Harnwegsinfektionen verursacht, liegt in der Schweiz bei 0,3 Prozent. In Italien, Griechenland und Rumänien sind über 25 Prozent der Bakterien resistent. Laut OECD werden in China, Indien und Russland mehr als 40 Prozent der Infektionen durch antibiotikaresistente Bakterien verursacht. (aeg/sda)

700'000 Patienten infizieren sich jährlich im Spital

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Video: srf

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16
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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • manhunt 10.11.2018 12:05
    Highlight Highlight und in der nutztierzucht wird weiterhin im grossen stil „vorbeugend“ antibiotoka verabreicht. staatlich verordnet, mit fetten gewinnen für die pharmaindustrie.
    4 0 Melden
  • Roman Loosli 10.11.2018 09:34
    Highlight Highlight Chloroxyd. Killt alles...
    0 0 Melden
  • Cher Nobil 83 09.11.2018 22:00
    Highlight Highlight Holland und Dänemark vermeiden 80-90% dieser Todesfälle durch ein einfaches Mittel : Die Spitäler werden für Spitalinfekte nicht bezahlt. Hygiene lohnt sich. Der Operateur besucht keine Patienten und der Arzt auf Station geht nicht in den OP, ebenfalls werden Patienten auch mal in Quarantäne genommen. Ja, die Schweiz verliert mehr Leute mit resistenten Keimen als im Strassenverkehr, der letzte Anlauf die medizinische Qualität zu erhöhen wurde vom Ständerat gebodigt.
    Lernen wir doch von den pragmatischen Holländern und Dänen
    5 1 Melden
  • Butschina 09.11.2018 21:23
    Highlight Highlight Gerade dem Ressistenten E. Coli Bakterium könnte man mit einfachen Mitteln entgegen wirken. Händedesinfektion beim betreten einer Gesundheitseinrichtung und beim Verlassen. Auf den öffentlichen Toiletten sollte es generell Flächendesinfektionsmöglichkeiten haben. In vieken Spitälern gubt es das nicht. Nach dem Toilettengang wieder die Häbde desinfizieren. Ich denke so könnten Neuansteckungen vermieden werden. Zumindest in den Patientenwcs gibt es meist Desinfektionsmittel. Aber selbst die Pflege nimmt die Desinfektion leider oft nicht wahr.
    6 1 Melden
  • der5913 09.11.2018 20:59
    Highlight Highlight Das wundert mich nicht, wenn ich sehe, für welchen Mist sich Leute Antibiotika reinschmeissen.

    Eine Arbeitskollegin hat jeweils nichtmal einen merkbaren Schnuppen, wenn sie sich das nächste Antibiotika verschreiben lässt - und sie ist damit bestimmt nicht alleine.

    Dass das sehr gefährlich werden kann, scheint leider nur sehr selten klar zu sein.
    8 0 Melden
  • Roxy_red 09.11.2018 19:12
    Highlight Highlight Was soll das auf dem Symbolbild sein? Bakterien sind es jedenfalls nicht...
    5 2 Melden
  • Lord_Mort 09.11.2018 18:27
    Highlight Highlight Ich finde es gibt drei wesentliche Dinge zu beachten.
    1. Antibiotika wird heute von vielen Menschen gefordert, wenn sie zum Arzt gehen. Oder man nimmt halt die Reste vom letzten Mal.
    2. Wenn man Antibiotika verschrieben bekommt, sollte man diese genau nach den Angaben des Arztes einnehmen. Die verschriebene Menge soll genau dem Problem von Resistenzen vorbeugen.
    3. Man kann den Arzt auch auffordern vor der Antibiotikaverschreibung im Labor eine Artbestimmung zu machen. Anstatt irgend ein Breitbandantibiotika kann dann ein Spezifischeres eingesetzt werden.
    9 0 Melden
  • zwätschgechopf 09.11.2018 16:34
    Highlight Highlight berichtet doch mal über Phagen und deren Enzyme, so von wegen Wissenslücke...
    7 2 Melden
  • chorax 09.11.2018 13:47
    Highlight Highlight Prävention tut Not. Verbietet die Bakterien!
    7 13 Melden
  • legis 09.11.2018 13:30
    Highlight Highlight Esst mehr Fleisch--> helft die Menschheit auszurotten!
    4 34 Melden
    • andrew1 09.11.2018 13:41
      Highlight Highlight Ne menschenfleisch zu essen wäre abartig. Ich meine diesen angeblich süsslichen geruch hält man ja nicht aus.
      Gut leute die ananas auf pizza tun oder honig auf fleisch können sich vielleicht mit dem geschmack arrangieren. 😉
      34 4 Melden
    • Xonco 09.11.2018 15:19
      Highlight Highlight andrew,

      Wenn die Pizza sonst gut ist, Sauce / Teig / Käse, und das Fleisch entsprechend gewürzt...

      Bring mich nicht in versuchung
      6 1 Melden
  • Trasher2 09.11.2018 13:08
    Highlight Highlight ...aber es ist halt einfacher und populärer vor dem islamistischen Terror zu warnen statt das Problem der resistenten Bakterien zu bekämpfen.

    47 13 Melden
    • andrew1 09.11.2018 15:56
      Highlight Highlight Naja würde die todesfälle nicht gerade gleichsetzten: antibiotika rettet millionen von menschenleben jährlich verursacht in deutlich kleinerem ausmass todesfälle. Quasi ein unerwünschter nebeneffekt. Aber terror tötet absichtlich und rettet wohl keine leben. Ist nicht ganz das selbe.
      14 1 Melden
  • Deleted93 09.11.2018 12:01
    Highlight Highlight Mehr Antibiotika für Schweizer Fleisch :-)
    9 36 Melden

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