DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Die US-Behörden sorgen sich vor einer ansteckenden Hirnkrankheit bei Rentieren und anderem Wild.
Die US-Behörden sorgen sich vor einer ansteckenden Hirnkrankheit bei Rentieren und anderem Wild. Bild: AP/NJ Advance Media

Übertragung auf Menschen nicht ausgeschlossen – Forscher warnt vor «Zombie-Krankheit»

03.03.2019, 11:4203.03.2019, 11:47

Es gilt laut Studien als unwahrscheinlich, dass sich die Krankheit CWD von Elchen oder Rentieren auf den Menschen übertragen kann. Trotzdem schlägt ein Experte für Infektionskrankheiten nun Alarm – und nimmt bei einem Vergleich drei böse Buchstaben in den Mund: BSE.

Die US-Behörden sorgen sich vor einer ansteckenden Hirnkrankheit bei Elchen und anderem Wild. Die sogenannte Chronic Wasting Disease (CWD), oft «Zombie-Krankheit» genannt, hat nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC mittlerweile in 24 US-Staaten sowie in zwei kanadischen Provinzen Hirsche oder Elche befallen. Der hochrangige Forscher Michael Osterholm warnte, dass eine Übertragung auf den Menschen nicht ausgeschlossen werden könne. Während Norwegen mit verschiedenen Massnahmen gegen CWD vorgeht, geraten deutsche Experten derzeit nicht aus der Ruhe.

CWD ist eine ansteckende Prionenerkrankung, ähnlich wie Rinderwahn (BSE) und Scrapie bei Schafen. Sie greift das zentrale Nervensystem an und sorgt dafür, dass infizierte Tiere immer ausgezehrter und schlapper werden – deshalb der Beiname Zombie-Krankheit. Fälle, in denen CWD auf Menschen oder Haustiere übertragen wurden, sind bislang nicht bekannt.

Im April 2016 wurde CWD erstmals ausserhalb Nordamerikas und Südkoreas bei einem Rentier in Norwegen festgestellt. Später folgten weitere positive Befunde. In Finnland sind seit Januar 2018, als die Erkrankung bei einem toten Elch und damit erstmals innerhalb der EU festgestellt worden war, keine neuen Fälle hinzukommen.

Forscher sieht Risiko für Menschen

Nun hat Forscher Osterholm die Diskussion über eine Übertragung auf den Menschen ins Rollen gebracht. Diese wurde bisher als unwahrscheinlich betrachtet. Auch die US-Behörde CDC schreibt weiterhin:

«Bislang hat es keine Fälle einer CWD-Infektion bei Menschen gegeben.»

Allerdings deuteten Studien darauf hin, dass ein Risiko für manche nicht-menschlichen Primatenarten bestehe.

Osterholms Warnung fiel dennoch drastisch aus. «Es ist wahrscheinlich, dass Fälle von CWD beim Menschen in den kommenden Jahren dokumentiert werden, die mit dem Verzehr von kontaminiertem Fleisch in Verbindung stehen», sagte er in diesem Monat im Parlament des US-Staates Minnesota. Es sei möglich, dass sich menschliche Fälle häuften und keine isolierten Ereignisse darstellten, ergänzte der Direktor des Zentrums für Infektionskrankheiten an der Universität von Minnesota.

«Sollten wir infiziertes Wild essen? Was ist das Risiko? Wir haben keine Beweise für menschliche Fälle. Aber das Problem damit ist das verzögerte Auftreten.»
Michael Osterholm

Ob sich jemand infiziert habe, könne man erst später feststellen. «Wir können nicht auf die ersten Fälle warten.»

Ist das Panikmache oder berechtigte Sorge? Das Friedrich-Loeffler-Institut teilt mit, dass laut Studien eine erhebliche Speziesbarriere bei der Übertragung von CWD auf den Menschen zu bestehen scheine. Es gebe auch keine Hinweise auf CWD-Übertragungen auf den Menschen. «Nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand kann eine Übertragung von CWD auf den Menschen zwar nicht mit allerletzter Sicherheit ausgeschlossen werden, das Risiko dafür kann aber als äusserst gering angenommen werden», so das Institut.

1400 Rentiere in Norwegen erschossen

In Norwegen beobachtet man die Erkrankung ganz genau. Vor einem Jahr wurden dort in der Region Nordfjella mehr als 1400 wildlebende Rentiere erschossen, nachdem bei 17 der Tiere CWD festgestellt worden war. Bis heute wurden mehr als 70'000 Tiere untersucht.

«Norwegen hat grosse Anstrengungen unternommen, um CWD auszumerzen, aber wir wissen nicht, ob wir es schon geschafft haben.»
Norwegisches Landwirtschaftsministerium

Auch Karen Lone von der norwegischen Umweltbehörde sagt: «Wir kämpfen gegen diese Krankheit.» Jahrelang müsse konkret gegen die Krankheit angegangen und zu ihr geforscht werden. Die Erkrankung sei bis heute bei 19 Rentieren, vier Elchen und einem Rothirsch festgestellt worden. Der Typ von CWD bei den Elchen und dem Hirsch sei jedoch nicht derselbe gewesen wie der klassische bei den Rentieren. «Das ist eine wichtige Unterscheidung. Es gibt keine Verbindung zwischen den Rentieren und den anderen Tieren.»

Und der Mensch? «Ein Expertengremium hat das Risiko für Menschen geprüft. Das Risiko ist sehr gering, kann aber nicht ausgeschlossen werden», sagt Lone. Norwegen wisse, dass die Zombie-Krankheit in der Umwelt sei. «Wir wissen aber nicht, wie sehr. Es wird Jahre dauern, bis wir sicher wissen, ob wir die Krankheit losgeworden sind.»

(sda/dpa)

Vom Ende der Ewigkeit – eine Reise durch bedrohte Polarwelten

1 / 20
Vom Ende der Ewigkeit – eine Reise durch bedrohte Polarwelten
quelle: dukas/catersnews / camille seaman
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Gesundheit und Ernährung

Alle Storys anzeigen

Und falls doch: Die Schweiz ist auf die Zombie-Apokalypse gut vorbereitet

Video: watson/Emily Engkent
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Wann nimmt das Bibeli-Vergasen ein Ende? Bio Suisse fällt heute einen Entscheid
Trotz Kritik werden noch immer jährlich Millionen von Küken getötet – weil sie männlich sind. Heute möchte Bio Suisse einen Entscheid über das Kükensterben treffen. Drei Alternativen stehen zur Auswahl.

Jedes Jahr werden Millionen von männlichen Bibeli getötet. Sie legen keine Eier und das Mästen zahlt sich wirtschaftlich nicht aus – sie sind «unbrauchbar». Aus diesem Grund werden in der Schweiz jährlich 3.5 Millionen männliche Küken direkt nach dem Schlupf mit CO2 vergast. Eine Praxis, die Tierschützerinnen und Tierschützern schon lange ein Dorn im Auge ist.

Zur Story