Schweiz
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ARCHIVBILD ZUR MELDUNG UEBER DEN RUECKGANG DES BLUTVERBRAUCHS UND DER SPENDEMOEGLICHKEIT FUER HOMOSEXUELLE. -- A male voluntary blood donator kneads a plastic ball to stimulate the blood flow in the blood transfusion center of the Swiss Red Cross in Berne, Switzerland, and donates blood, pictured on April 30, 2008. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Arm eines Blutspenders mit dem typischen Knetball waehrend der Blutentnahme, aufgenommen am 30. April 2008 im Blutspendedienst des Rotes Kreuzes in Bern, Schweiz. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Ab Juli 2017 dürfen auch schwule Männer Blut spenden. Bild: KEYSTONE

«Keiner verzichtet auf Sex wegen einer Blutspende»

Ab Juli dürfen homosexuelle Männer Blut spenden. Warum sie trotzdem nicht ganz zufrieden sind.

31.01.17, 20:29 01.02.17, 07:08

Alexandra Fitz / Nordwestschweiz



Was schon länger thematisiert wird, ist nun Realität: Die Swissmedic (Schweizer Arzneimittelzulassungsbehörde) hat ein Gesuch von Blutspende SRK Schweiz genehmigt. Ab Juli dürfen auch schwule Männer Blut spenden. Doch es gibt eine Einschränkung: Sie dürfen nur spenden, wenn sie in den letzten zwölf Monaten vor der Spende keinen Sex mit Männern gehabt haben. Mit dieser Karenzzeit könne das Risiko einer Krankheitsübertragung weiterhin sehr tief gehalten werden, schreibt die Blutspendeorganisation im Newsletter. Bisher kamen Männer, die Sex mit Männern haben, gar nicht infrage. So gesehen ist es eine Lockerung.

Doch das SRK und die Schwulen-Organisation Pink Cross sind dennoch nicht zufrieden. SRK-Direktor Rudolf Schwab findet die Lösung nicht perfekt, er betont wiederholt, es sei lediglich ein Zwischenschritt. Entscheidend müsse das persönliche Risikoverhalten aller sein, nicht die sexuelle Neigung. Dass es nun vermehrt zu Blutspenden kommt, glaubt selbst Schwab nicht.

Doch das SRK wie auch die Swissmedic selbst geben auf Nachfrage an, dass zum jetzigen Zeitpunkt nur diese eingeschränkte Variante eine Chance hatte, von Swissmedic bewilligt zu werden. Also nimmt man halt erst einmal das. Auch Bastian Baumann von Pink Cross sieht die Neuerung als ersten guten Schritt. Doch es sei eher ein symbolischer Akt und ziemlich realitätsfremd: «Keiner verzichtet auf Sex wegen einer Blutspende», sagt Baumann. Er ist mit dem SRK einer Meinung, das Angebot werden nur ganz wenige Homosexuelle nutzen. Pink Cross strebt gleiche Zugangskriterien für alle an.

«Keiner verzichtet auf Sex wegen einer Blutspende.»

Bastian Baumann, Pink Cross

Baumann stört sich daran, dass «die heterosexuelle Sexualwelt stets als monogam und ideal angesehen wird». Auch dort gebe es One-Night-Stands und Seitensprünge. Übrigens werden auch Heterosexuelle abgewiesen, wenn sie in den letzten 12 Monaten mit wechselnden Partnern Sex hatten. Doch Homosexuelle dürfen gar nicht sexuell aktiv sein. Lukas Jaggi von Swissmedic verteidigt die Zurückhaltung mit der Datenlage: Jede zweite Neuinfektion von HIV betreffe Männer, die mit Männern Sex haben. Die Verteilung sei in dieser Gruppe höher. «Deshalb sind wir sehr vorsichtig bei Änderungen an den Spenderkriterien», sagt Jaggi. Man wolle das Restrisiko so klein wie möglich halten und wäge Risiko und Nutzen ab. Dabei könne man nicht allen gerecht werden.

Dass es nicht darum geht, die Versorgung zu optimieren, darüber sind sich alle einig. Vielmehr sei es ein Signal gegen Diskriminierung. Gerade jetzt vermeldet das SRK eine «ernsthafte Blut-Knappheit». Schuld sei die heftige Grippewelle. In solchen Zeiten wäre das SRK auf mehr Spenden angewiesen.

Blutverbrauch sinkt

Seit 2013 nimmt der Blutverbrauch in Spitälern kontinuierlich ab. Auch 2016 gingen die Ärzte zurückhaltend mit dem Rohstoff Blut um: Der Rückgang betrug 3 Prozent, wie Blutspende SRK Schweiz am Dienstag in ihrem Newsletter schrieb.

Zuvor lag der Rückgang noch bei 5 bis 6 Prozent pro Jahr. Kumuliert sind es seit 2013 aber bereits rund 20 Prozent. 2016 kam es in der Schweiz auch zu keiner Übertragung einer gefährlichen Krankheit via Bluttransfusion. Der letzte Fall – eine HIV-Ansteckung – geht gemäss der Organisation auf das Jahr 2001 zurück.

Zu den rechtzeitig entdeckten, infizierten Blutspenden veröffentlichte Blutspende SRK Schweiz vorläufige Zahlen: So fand sie vier HIV-positive, zwölf Hepatitis-C-infizierte und 44 Hepatitis-B-infizierte Spenden. Dies entspreche dem Durchschnitt. (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Waedliman 01.02.2017 12:30
    Highlight Eine absolute Frechheit, dass nur zölibatäre Schwule Blut spenden dürfen, während Heteromänner drei Mal die Woche ungeschützten Sex mit Huren haben und fleissig spenden dürfen. Tönt wie die Idee der katholischen Kirche. Wer als Schwuler unbedingt Blut spenden will, kann also einfach sagen: "Ich, Sex? Was ist das?" und dann ist alles gut? Wie naiv und unpraktikabel. Aber das Ergebnis irgendeiner Behörde, offensichtlich.
    8 3 Melden
  • thompson 01.02.2017 09:50
    Highlight Fakt ist: Geht einfach alle Blutspenden.
    Die Moral zu gehen, ist momentan richtig mies.
    1 2 Melden
  • Genital Motors 01.02.2017 06:17
    Highlight Als Homosexueller 12 Monate kein Sex wegen Blutspenden?...das ist für'n Arsch! ;-)
    20 1 Melden
    • http://bit.ly/2mQDTjX 01.02.2017 07:17
      Highlight Dieses besondere Blut von unbefleckten Schwulen wird wohl ein heiliges Mysterium bleiben.
      16 2 Melden
  • Chnebeler 01.02.2017 06:10
    Highlight Ich hoffe nur, das sich nie jemand nach einer Bluttransfusion mit HIV ansteckt, nur damit sich eine Minderheit nicht mehr diskriminiert fühlt. Es geht dabei schliesslich um die Gesundheit von Personen welche in der Not nicht die Wahl haben. Allerdings glaube ich dass man bei Personen, welche keine wechselnden Partner haben (12 Monate) die einschränkungen lockern kann, da dass Risiko dann kaum grösser ist als bei Heteros.
    5 29 Melden
    • Fabio74 01.02.2017 07:01
      Highlight Dein Kommentar ist dumm. Wie viele Heten treibens mit verschiedensten Frauen ohne Gummi weil sie ja die Pille nimmt.. .
      Wenn man ehrlich wäre müsste man jeden ausschliessen der Sex hat
      20 4 Melden
    • Chnebeler 01.02.2017 12:39
      Highlight @ fabio74
      Ich hoffe ja sehr, dass von diesen "Heten" keiner spendet.

      Falls du auch schon Blutspenden warst, und du deine Verantwortung als Spender ernst nahmst, hast du die Frage nach wechselnden Sexualpartnern sicher auch wahrheitsgetreu beantwortet.

      Dies ist nämlich bei allen Personen ein Risiko, nich nur bei Homos oder Heten.

      Deshalb sagte ich bei langen Beziehungen ohne wechselnde Partner ist das Risiko bei allen gleich klein. Daher alle gleich handhaben. Zudem sind viel mehr Menschen ausgeschlossen, als nur Homosexuelle Männer. Besser mal selbst informieren, sonst bleibt man dumm. http://
      1 0 Melden
    • andrew1 02.02.2017 10:00
      Highlight Nur ist das ansteckungsrisiko wenn man ungeschützt mit einem x-beliebigen Mann schläft ein vielfaches grösser als mit einer x-beliebigen frau. 1. Ist das ansteckungsrisiko aufgrund von mikrorissen grosser. 2. Haben homosexuelle häufiger hiv als heterosexuelle. Das ist nun mal statistisch, somit wissenschaftlich bewiesen und ist tatsache. Ob es einem nun gefällt oder nicht.
      2 0 Melden
  • Kugelblitz 01.02.2017 01:28
    Highlight Bitte vergesst nicht...Blutspende empfangen ist eine "kleine Organtransplantation". Damit will ich keinesfalls Spender davon abhalten dies zu tun, eher diejenigen die die Zeit haben zu entscheiden ob sie sich eine Bluttransfusion gönnen oder nicht. http://www.srf.ch/sendungen/puls/koerper/bluttransfusion-das-blut-aus-dem-beutel-belastet-den-koerper
    4 9 Melden
  • Tschedai 31.01.2017 21:58
    Highlight Es ist Fakt, dass HIV unter Homosexuellen massiv mehr verbreitet ist (zirka 2700% höheres Risiko, https://www.cdc.gov/hiv/group/msm/) als unter nicht Homosexuellen. Dass man diese Leute Blut spenden lässt ist völlig unverantwortlich. Aber "politische korrektheit" geht vor.
    23 77 Melden
    • smarties 31.01.2017 22:27
      Highlight JEDE Blutspende wird im Anschluss auf HIV, Hepatits uvm getested. Dein Argument zählt nicht. Auch dass ja der Test nicht von Anfang an positiv ist, kann man damit entkräftigen, dass jeder (auch der Heterosexuelle) jedes Mal einen Fragebogen ausfüllen muss, in dem ua nach Grippesymptomen gefragt wird. Diese Fälle werden so rausgefiltert.
      Das "Problem" liegt im Vorurteil, dass Homosexuelle ihren Partner ständig wechseln würden, und so alles einfangen würden und so mehr Proben rausgeschmissen werden müssten. Kann man mit einer Frage im Bogen beantworten
      58 10 Melden
    • Tschedai 01.02.2017 00:01
      Highlight Nein, darin liegt das Problem eben nicht. Siehe Originalkommentar.
      6 23 Melden
    • fcsg 01.02.2017 07:27
      Highlight @smarties
      HIV und andere Geschlechtskrankheiten können erst nach einer gewissen Inkubationszeit nachgewiesen werden. Trotzdem kann in dieser Zeit bereits eine Ansteckung erfolgen. Diese Fragebögen gibt es nicht zum Spass.
      3 4 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • elco 31.01.2017 21:38
    Highlight Ich lebe seit 28 Jahren mit meinem Partner zusammen, eingetragene Partnerschaft und seit vielen vielen Jahren monogam. Also wenn wir jetzt 12 Monate keinen Sex mehr miteinander haben dürfen wir dann Blutspenden?

    Das ist wirklich ganz toll.
    98 9 Melden
  • Scaros_2 31.01.2017 21:13
    Highlight Vielleicht kann mir das jemand erklären und sorry gäll wenn das bischen piätotslos ist. Aber was genau ist der Unterschied zwischen geschütztem Sex zweier Männer und ungeschütztem Sex zwischen Mir und meiner Frau? Richtig ich darf Blutspenden und er (sie zwei) nicht. Dennoch,. ich könnte mich doch genau so irgendwie anstecken oder was genau macht diese Beschränkung?

    Ich blicke hier nicht hinter den Sinn denn so wie man das liest könnte man meinen Schwule vögeln wie wild durch die Gegend während Heteros 1 Partner haben. Come on die 90iger haben angerufen, sie wollen ihre Argumente wieder haben
    75 7 Melden
    • kaderschaufel 31.01.2017 23:07
      Highlight Ich glaube es ist schon so, dass Schwule tendenziell promiskuöser sind als Heteros, was nach meiner Theorie nicht daran liegt, dass sie perverser sind, sondern einfach weil die Heteros das "Pech" haben, dass Frauen sich nicht gerne austauschen lassen.

      Und bei Analsex ist das Risiko der Übertragung deutlich grösser, als bei Vaginalsex. Obwohl natürlich keinem heterosexuellen Paar Analsex verboten ist, ist er statistisch gesehen bei schwulen doch deutlich häufiger.
      13 24 Melden
    • WEBOLA 31.01.2017 23:12
      Highlight Das Frage ich mich auch schon die ganze Zeit. Zudem erzählen meine Freunde/-innen ganz offen, dass sie alle lieber ungeschützten Sex haben. Und die haben GANZ GANZ VIELE SEXPARTNER!!! Just saying...
      8 4 Melden
    • lilie 01.02.2017 07:42
      Highlight Das Problem ist, dass die HIV-Rate bei Homosexuellen höher liegt als bei Heterosexuellen. Leider reicht ein einziger sexueller Kontakt mit einem Infizierten aus, um sich anzustecken (kenne solche Fälle).
      3 1 Melden
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