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Federer lässt sich vom Publikum feiern. Damit es soweit kommt muss er aber auf einiges Verzichten. Bild: AP/AP

Grosse Opfer: Worauf Roger Federer für den Traum vom 20. Grand-Slam-Titel verzichtet

Ein weiteres Mal steht Roger Federer in den Halbfinals der Australian Open. Nur noch das Spiel von Freitag gegen Hyeon Chung trennt ihn vom Final. Doch welche Opfer muss der 36-jährige Superstar bringen, um seinen 20. Grand-Slam-Titel zu gewinnen?

25.01.18, 14:03 25.01.18, 17:42

Simon Häring / Nordwestschweiz

Wer Roger Federer in den Viertelfinals der Australian Open beim 7:6, 6:3, 6:4 gegen den Tschechen Tomas Berdych (32, ATP 20) gesehen hat, muss sich zuweilen gefühlt haben, als schaue er Pablo Picasso beim Malen über die Schulter.

Statt eines Pinsels führte der Baselbieter sein Racket und kreierte damit Momente, welche die Zuschauer von den Sitzen rissen. Leichtfüssig und schnell bewegte er sich über den Platz – von links nach rechts, nach vorne ans Netz und zurück – immer in Balance.

«Der Arbeiter Federer wird immer noch unterschätzt.»

Pierre Paganini, Federers Fitnesstrainer

Talent ist nicht alles

Mit 36 Jahren und 173 Tagen ist er der älteste Spieler seit Jimmy Connors bei den US Open 1991, der einen Grand-Slam-Halbfinal erreicht. Wer Federer sieht, wie er sich derzeit über den Platz bewegt, vergisst schnell, mit wie viel harter Arbeit das alles verbunden ist; selbst bei einem wie ihm, der mit derart viel Talent gesegnet ist.

Pierre Paganini (links) ist der Mann, der hinter Federers Fitness steht. Bild: KEYSTONE

«Der Arbeiter Federer wird total unterschätzt, noch immer», sagte Pierre Paganini, seit fast zwei Jahrzehnten Federers Fitnesstrainer und Vertrauter, vor dem Turnier im Gespräch mit der «NZZ».

Feines Sensorium entwickelt

In seiner Essenz ist Tennis ein Spiel, und an der Weltspitze doch viel mehr. «Es ist ein Spiel für Athleten geworden, darum lege ich grossen Wert darauf. Darum verdient die Arbeit von Pierre Paganini Anerkennung», sagt Federer. Nur wer perfekt austrainiert sei, könne im modernen Tennis Erfolg haben.

«Früher spielte ich an meinen freien Tagen auch einmal Squash oder mit Freunden stundenlang Fussball im Garten.»

Roger Federer

Abseits des Schwenkbereichs der Kameras arbeitet Federer weitaus härter, als manch einer vermuten mag. Dass mit Nadal, Djokovic und Wawrinka jene an Grenzen stossen, die als Prototypen der Tennis-Moderne gelten, mag Zufall sein. Und es ist zweifellos auch mit Glück verbunden, dass Federer bis im Alter von 34 Jahren von gravierenden Verletzungen verschont geblieben ist.

Verzicht auf Sport

Andererseits ist es nicht nur Zufall und die Folge seriöser Arbeit. Sondern auch der Bereitschaft geschuldet, Opfer zu bringen, die von aussen gesehen vielleicht als Banalitäten betrachtet werden könnten, aber auch zeigen, welch feines Sensorium Federer für seinen Körper, der sein Instrument ist, entwickelt hat. Der Auslöser liegt zehn Jahre zurück. Damals litt er während der Australian Open am Pfeifferschen Drüsenfieber. Das hat alles verändert.

«Seither verzichte ich neben dem Tennis auf Sport», sagte Federer im letzten Herbst. «Es ist anders als vor 15 Jahren. Damals spielte ich an meinen freien Tagen auch einmal Squash oder mit Freunden stundenlang Fussball im Garten.»

Federers Chalet in Valbella. Bild: KEYSTONE

Ist er einmal in der Schweiz, zieht sich der Baselbieter gerne in die Berge zurück; nach Valbella, wo er ein Chalet besitzt. Zwischen Rothorn und Stätzerhorn, in Sichtweite zur Skipiste. Doch aus Angst vor einer Verletzung verzichtet Federer seit der Operation am linken Knie auch aufs Skifahren, wie er im letzten Jahr im Gespräch mit der «Schweiz am Wochenende» sagte.

Verzicht auf Turniere

Auch in Melbourne übt sich Federer im Verzicht. «Ich spüre, dass ich in meinem Alter die Beine mehr hochlagern, mich mehr erholen und entspannen sollte. Dafür bin ich ja hier – um Tennis zu spielen», sagte er nach der ersten Turnierwoche in Melbourne.

«Wenn das Ende kommt, kommt es schnell.»

Andre Agassi

Auch darum verzichtet Federer auf Turniere, die ihm am Herzen liegen – wie im Vorjahr auf die French Open, die er ausliess, um sich auf Wimbledon vorzubereiten. «Ich wünschte, ich wäre noch einmal 24 Jahre alt. Aber leider kann ich nicht mehr alles machen und muss Prioritäten setzen. Für mich als Spieler und für meine Familie», sagte er damals, und es schwang auch ein bisschen Wehmut mit.

Federer auf dem Sand von Paris – kriegen die Fans dieses Bild wieder einmal zu sehen? Bild: EPA

«Roger hat offensichtlich viele kluge Entscheidungen getroffen, damit sein Körper das leisten kann, was er tut», sagte Andre Agassi letzte Woche zum TV-Sender «ESPN». Es würde ihn nicht überraschen, wenn Federer auch noch mit 40 spielen würde. Doch er sagte auch: «Wenn das Ende kommt, kommt es schnell.»

«Ich sehe das Ziel vor Augen»

Auch Federer weiss das. Vor einem Jahr sagte er in Melbourne: «Meine Karriere geht nicht unendlich weiter. Und sollte ich mich wieder verletzen, weiss ich nicht, was geschieht.»

Doch noch ist seine Geschichte nicht zu Ende geschrieben. Noch immer spielt Federer um die grössten Titel. Deshalb fällt ihm der Verzicht leicht, auch wenn er ihn zuweilen langweilt. «Ich spüre, dass hier etwas möglich ist. Darum muss ich halt leider auf ein paar Dinge verzichten.» Nun steht er «körperlich topfit» in den Halbfinals. «Es ist das beste Gefühl, das du haben kannst. Ich sehe das Ziel schon vor Augen und habe noch Reserven.» Auch, weil er bereit ist, Opfer zu bringen. (aargauerzeitung.ch)

Das etwas andere Interview in Australien:

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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15
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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • joe 25.01.2018 17:07
    Highlight Der Ausdruck GOAT wird in den letzten Jahren zu oft missbräuchlich verwendet. Bei Roger trifft dies aber zu!
    57 5 Melden
  • Blutgrätscher 25.01.2018 15:52
    Highlight Etwas anderes auf das er verzichtet: Er könnte sich seit 5 jahren locker zurücklehnen, hunderte von Millionen verprassen und seinen Status als Nationalheld geniessen.

    Stattdessen schafft er es irgendwie sich aufzurappeln und weiterhin hart genug zu trainieren, um in einer der kompetetivsten Sportarten der Welt an der Spitze zu bleiben.
    Statt sich darauf auszuruhen, alles was vorstellbar war erreicht zu haben, definiert er neu was erreichbar ist.

    Höchsten Respekt vor einem Mann mit so viel Biss.
    158 6 Melden
    • Bene883 25.01.2018 16:16
      Highlight Kompetitivste Sportart? Haha wtf, dann wären nicht so viele "unfitte" Spielerinnen in der Top30 anzutreffen... Vergleiche mal die Athletik von Tennis-Spielern mit jener von Langläufern, Radfahrern oder Leichtathleten.
      19 96 Melden
    • Blutgrätscher 25.01.2018 17:19
      Highlight Ok.
      Dir muss wohl jemand den Unterschied zwischen körperlicher Fitness und sonstigem sportlichen Wettbewerb erklären.

      Schach ist bei weitem nicht so anstrengend wie Radfahren, aber viel Glück, wenn du da die nummer 1 sein willst.
      Es gibt ganze Länder, die versuchen mit gigantischer kollektiver Anstrengung einen Schachweltmeister hervorzubringen und es trotzdem nicht schaffen. Und das trotz ~50 jahren Studium.
      Tennis ist da ähnlich.
      43 4 Melden
    • jackster 25.01.2018 17:39
      Highlight @bene883: chchchch.. no nie tennis gspielt hmmm...
      29 3 Melden
    • who cares? 25.01.2018 18:28
      Highlight "Unfitte" Spielerinnen? Wen meinst du damit? Würde mich noch interessieren.
      20 1 Melden
  • Sheldon 25.01.2018 15:44
    Highlight Dieses Jahr muss er aber Roland Garros spielen und gewinnen, wie darauf dann auch Wimbledon und New York. Dann ist er definitiv und uneinholbar der Grösste. Chumm jetzt.
    20 63 Melden
    • Luca Brasi 25.01.2018 16:30
      Highlight Und dann noch 2020 in Tokio Olympia-Gold im Einzel gewinnen. Dann ist er der Grösste, und nur dann. 😜

      Achtung: Kommentar ist ironisch gemeint.
      78 4 Melden
    • Sheldon 25.01.2018 17:00
      Highlight Danke Luca Brasi hab gelernt. Ironie muss man dazuschreiben, sonst merken sie es nicht und drucken auf den Blitz.
      36 2 Melden
    • Luca Brasi 25.01.2018 17:47
      Highlight Ist leider so. 😉
      20 1 Melden
  • ErklärBart 25.01.2018 15:04
    Highlight Ist schon erstaunlich wieviel Disziplin er an den Tag legt. Also können wir von aussen zwar nicht beurteilen - aber solche Beiträge geben einen kleinen Einblick.

    Was ich persönlich aber auch immer wieder sage: Mirka. Die muss eine absolute Traumfrau sein. In jeder Hinsicht. Die hält ihm den Rücken frei und das nicht erst seit 2-3 Tagen. Das ist auch sehr beachtenswert und sollte auch mal gewürdigt werden. Ob er ohne sie auch so erfolgreich wäre?

    Hoffe jedenfalls dass er noch ein paar Jahre spielt und dann Zeit hat für seine Familie. Und diese auch geniessen kann.
    195 11 Melden
    • bokl 25.01.2018 15:39
      Highlight @ErklärBart
      "Die hält ihm den Rücken frei und das nicht erst seit 2-3 Tagen."

      Du hast aber nicht das Gefühl, sie kümmert sich alleine um die vier Kinder oder?
      13 72 Melden
    • ErklärBart 25.01.2018 15:59
      Highlight Habe ich das irgendwo geschrieben? Finde sie leistet einfach sehr viel, damit er sich voll auf Tennis (und vermutlich auch Sponsorentermine) fokussieren kann.

      Klar haben sie Nannys und alles.

      Aber ich behaupte mal dass längst nicht jede Partnerin/Partner das alles mitmachen würde.
      75 9 Melden
    • Waldorf 25.01.2018 16:37
      Highlight Nicht nur das bokl! Sie steht auch noch den ganzen Tag am Herd und macht den Haushalt. Imfall.
      *sarkasmusoff
      30 27 Melden
    • AJACIED 25.01.2018 17:12
      Highlight 😂😂😂😂✌️
      12 2 Melden

Lieber Roger … Ein Brief an meinen guten Freund

Marco Chiudinelli ist Ex-Tennisprofi und Freund von Roger Federer seit Kindheitstagen. Zu seinem neusten Erfolg an den Australian Open schreibt er ihm einen Brief.

20: Seit gestern steht diese Zahl im Herren-Tennis für eine neue Bestmarke an gewonnenen Grand-Slam-Titeln und einmal mehr warst es Du, lieber Roger, welcher dieses neue Kapitel in die Tennis-Geschichtsbücher schrieb. Bezeichnenderweise schafftest Du diesen gewaltigen Meilenstein genau an demselben Ort, wo Du vor 14 Jahren dank Deinem ersten Australian-Open-Titel zum ersten Mal den Weltranglistenthron erklommen hattest.

In den vier Stunden, die Du gestern zwischen dem Betreten der Rod Laver Arena …

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