Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Switzerland's Roger Federer celebrates after defeating Tomas Berdych of the Czech Republic in their quarterfinal at the Australian Open tennis championships in Melbourne, Australia, Wednesday, Jan. 24, 2018. (AP Photo/Vincent Thian)

Federer lässt sich vom Publikum feiern. Damit es soweit kommt muss er aber auf einiges Verzichten. Bild: AP/AP

Grosse Opfer: Worauf Roger Federer für den Traum vom 20. Grand-Slam-Titel verzichtet

Ein weiteres Mal steht Roger Federer in den Halbfinals der Australian Open. Nur noch das Spiel von Freitag gegen Hyeon Chung trennt ihn vom Final. Doch welche Opfer muss der 36-jährige Superstar bringen, um seinen 20. Grand-Slam-Titel zu gewinnen?

Simon Häring / Nordwestschweiz



Wer Roger Federer in den Viertelfinals der Australian Open beim 7:6, 6:3, 6:4 gegen den Tschechen Tomas Berdych (32, ATP 20) gesehen hat, muss sich zuweilen gefühlt haben, als schaue er Pablo Picasso beim Malen über die Schulter.

Statt eines Pinsels führte der Baselbieter sein Racket und kreierte damit Momente, welche die Zuschauer von den Sitzen rissen. Leichtfüssig und schnell bewegte er sich über den Platz – von links nach rechts, nach vorne ans Netz und zurück – immer in Balance.

«Der Arbeiter Federer wird immer noch unterschätzt.»

Pierre Paganini, Federers Fitnesstrainer

Talent ist nicht alles

Mit 36 Jahren und 173 Tagen ist er der älteste Spieler seit Jimmy Connors bei den US Open 1991, der einen Grand-Slam-Halbfinal erreicht. Wer Federer sieht, wie er sich derzeit über den Platz bewegt, vergisst schnell, mit wie viel harter Arbeit das alles verbunden ist; selbst bei einem wie ihm, der mit derart viel Talent gesegnet ist.

Roger Federer feilt am Freitag, 18. April 2003, zusammen mit seinem Konditionstrainer Pierre Paganini, links, in Allschwil an seiner Kondition. (KEYSTONE/Markus Stuecklin)

Pierre Paganini (links) ist der Mann, der hinter Federers Fitness steht. Bild: KEYSTONE

«Der Arbeiter Federer wird total unterschätzt, noch immer», sagte Pierre Paganini, seit fast zwei Jahrzehnten Federers Fitnesstrainer und Vertrauter, vor dem Turnier im Gespräch mit der «NZZ».

Feines Sensorium entwickelt

In seiner Essenz ist Tennis ein Spiel, und an der Weltspitze doch viel mehr. «Es ist ein Spiel für Athleten geworden, darum lege ich grossen Wert darauf. Darum verdient die Arbeit von Pierre Paganini Anerkennung», sagt Federer. Nur wer perfekt austrainiert sei, könne im modernen Tennis Erfolg haben.

«Früher spielte ich an meinen freien Tagen auch einmal Squash oder mit Freunden stundenlang Fussball im Garten.»

Roger Federer

Abseits des Schwenkbereichs der Kameras arbeitet Federer weitaus härter, als manch einer vermuten mag. Dass mit Nadal, Djokovic und Wawrinka jene an Grenzen stossen, die als Prototypen der Tennis-Moderne gelten, mag Zufall sein. Und es ist zweifellos auch mit Glück verbunden, dass Federer bis im Alter von 34 Jahren von gravierenden Verletzungen verschont geblieben ist.

Verzicht auf Sport

Andererseits ist es nicht nur Zufall und die Folge seriöser Arbeit. Sondern auch der Bereitschaft geschuldet, Opfer zu bringen, die von aussen gesehen vielleicht als Banalitäten betrachtet werden könnten, aber auch zeigen, welch feines Sensorium Federer für seinen Körper, der sein Instrument ist, entwickelt hat. Der Auslöser liegt zehn Jahre zurück. Damals litt er während der Australian Open am Pfeifferschen Drüsenfieber. Das hat alles verändert.

«Seither verzichte ich neben dem Tennis auf Sport», sagte Federer im letzten Herbst. «Es ist anders als vor 15 Jahren. Damals spielte ich an meinen freien Tagen auch einmal Squash oder mit Freunden stundenlang Fussball im Garten.»

Die im Rohbau fertiggestellte Doppelvilla

Federers Chalet in Valbella. Bild: KEYSTONE

Ist er einmal in der Schweiz, zieht sich der Baselbieter gerne in die Berge zurück; nach Valbella, wo er ein Chalet besitzt. Zwischen Rothorn und Stätzerhorn, in Sichtweite zur Skipiste. Doch aus Angst vor einer Verletzung verzichtet Federer seit der Operation am linken Knie auch aufs Skifahren, wie er im letzten Jahr im Gespräch mit der «Schweiz am Wochenende» sagte.

Verzicht auf Turniere

Auch in Melbourne übt sich Federer im Verzicht. «Ich spüre, dass ich in meinem Alter die Beine mehr hochlagern, mich mehr erholen und entspannen sollte. Dafür bin ich ja hier – um Tennis zu spielen», sagte er nach der ersten Turnierwoche in Melbourne.

«Wenn das Ende kommt, kommt es schnell.»

Andre Agassi

Auch darum verzichtet Federer auf Turniere, die ihm am Herzen liegen – wie im Vorjahr auf die French Open, die er ausliess, um sich auf Wimbledon vorzubereiten. «Ich wünschte, ich wäre noch einmal 24 Jahre alt. Aber leider kann ich nicht mehr alles machen und muss Prioritäten setzen. Für mich als Spieler und für meine Familie», sagte er damals, und es schwang auch ein bisschen Wehmut mit.

FILE - Roger Federer of Switzerland in action against Damir Dzumhur of Bosnia-Herzegovina during their third round match for the French Open tennis tournament at Roland Garros in Paris, France, 29 May 2015. Swiss star Roger Federer has pulled out of the French Open because of concerns over the risk of injury. (KEYSTONE/EPA/YOAN VALAT)

Federer auf dem Sand von Paris – kriegen die Fans dieses Bild wieder einmal zu sehen? Bild: EPA

«Roger hat offensichtlich viele kluge Entscheidungen getroffen, damit sein Körper das leisten kann, was er tut», sagte Andre Agassi letzte Woche zum TV-Sender «ESPN». Es würde ihn nicht überraschen, wenn Federer auch noch mit 40 spielen würde. Doch er sagte auch: «Wenn das Ende kommt, kommt es schnell.»

«Ich sehe das Ziel vor Augen»

Auch Federer weiss das. Vor einem Jahr sagte er in Melbourne: «Meine Karriere geht nicht unendlich weiter. Und sollte ich mich wieder verletzen, weiss ich nicht, was geschieht.»

Doch noch ist seine Geschichte nicht zu Ende geschrieben. Noch immer spielt Federer um die grössten Titel. Deshalb fällt ihm der Verzicht leicht, auch wenn er ihn zuweilen langweilt. «Ich spüre, dass hier etwas möglich ist. Darum muss ich halt leider auf ein paar Dinge verzichten.» Nun steht er «körperlich topfit» in den Halbfinals. «Es ist das beste Gefühl, das du haben kannst. Ich sehe das Ziel schon vor Augen und habe noch Reserven.» Auch, weil er bereit ist, Opfer zu bringen. (aargauerzeitung.ch)

Das etwas andere Interview in Australien:

Play Icon

Video: watson

Die besten Bilder des Australian Open 2018

Tennis-Quiz

Hast du das Hawk-Eye? Erkenne die Tennis-Stars an ihrer Jubelfaust!

Link to Article

Der STAN-ley-Cup – wie gut kennst du Wawrinka wirklich?

Link to Article

Roger oder Stan – du weisst immer noch nicht, welchem Schweizer Tennis-Star du die Daumen drücken sollst? Wir helfen dir!

Link to Article

Wie viel Stan Wawrinka steckt in dir?

Link to Article

Sie glauben, Sie wissen schon alles über Roger Federer? Dann ist es für Sie ja ein Leichtes, bei diesem Quiz zu brillieren!

Link to Article
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

10
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • joe 25.01.2018 17:07
    Highlight Highlight Der Ausdruck GOAT wird in den letzten Jahren zu oft missbräuchlich verwendet. Bei Roger trifft dies aber zu!
  • Blutgrätscher 25.01.2018 15:52
    Highlight Highlight Etwas anderes auf das er verzichtet: Er könnte sich seit 5 jahren locker zurücklehnen, hunderte von Millionen verprassen und seinen Status als Nationalheld geniessen.

    Stattdessen schafft er es irgendwie sich aufzurappeln und weiterhin hart genug zu trainieren, um in einer der kompetetivsten Sportarten der Welt an der Spitze zu bleiben.
    Statt sich darauf auszuruhen, alles was vorstellbar war erreicht zu haben, definiert er neu was erreichbar ist.

    Höchsten Respekt vor einem Mann mit so viel Biss.
    • Bene883 25.01.2018 16:16
      Highlight Highlight Kompetitivste Sportart? Haha wtf, dann wären nicht so viele "unfitte" Spielerinnen in der Top30 anzutreffen... Vergleiche mal die Athletik von Tennis-Spielern mit jener von Langläufern, Radfahrern oder Leichtathleten.
    • Blutgrätscher 25.01.2018 17:19
      Highlight Highlight Ok.
      Dir muss wohl jemand den Unterschied zwischen körperlicher Fitness und sonstigem sportlichen Wettbewerb erklären.

      Schach ist bei weitem nicht so anstrengend wie Radfahren, aber viel Glück, wenn du da die nummer 1 sein willst.
      Es gibt ganze Länder, die versuchen mit gigantischer kollektiver Anstrengung einen Schachweltmeister hervorzubringen und es trotzdem nicht schaffen. Und das trotz ~50 jahren Studium.
      Tennis ist da ähnlich.
    • jackster 25.01.2018 17:39
      Highlight Highlight @bene883: chchchch.. no nie tennis gspielt hmmm...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Bert der Geologe 25.01.2018 15:44
    Highlight Highlight Dieses Jahr muss er aber Roland Garros spielen und gewinnen, wie darauf dann auch Wimbledon und New York. Dann ist er definitiv und uneinholbar der Grösste. Chumm jetzt.
    • Luca Brasi 25.01.2018 16:30
      Highlight Highlight Und dann noch 2020 in Tokio Olympia-Gold im Einzel gewinnen. Dann ist er der Grösste, und nur dann. 😜

      Achtung: Kommentar ist ironisch gemeint.
    • Bert der Geologe 25.01.2018 17:00
      Highlight Highlight Danke Luca Brasi hab gelernt. Ironie muss man dazuschreiben, sonst merken sie es nicht und drucken auf den Blitz.
    • Luca Brasi 25.01.2018 17:47
      Highlight Highlight Ist leider so. 😉

«Diese Ekstase macht süchtig» – Federer holt den neunten Titel in Basel

Roger Federer (ATP 3) ist nicht ganz Hundert. An den Swiss Indoors in Basel feierte er seinen 99. Turniersieg, den 9. in Basel und den 4. hintereinander. Den Final gegen Marius Copil (ATP 93) gewann Federer nach Rückstand in beiden Sätzen in 94 Minuten 7:6 (7:5), 6:4.

Die Siegerehrung zog sich in die Länge. Roger Federer dankte allen - in englisch, französisch und schweizerdeutsch. Er verdrückte am Ende Freudentränen und meinte, er sei der glücklichste Mensch der Welt. Federer war bewegt und bewegte die Massen. «Es ist immer sehr emotional hier», so Federer.

In seiner Dankesrede blieb Federer bei den Offiziellen hängen. Bei jenen Leuten, die hinter den Kulissen arbeiten - wie beispielsweise den Verantwortlichen fürs «Hawkeye» - das «Adlerauge», das die …

Artikel lesen
Link to Article