Leben
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Ich war stolz darauf, noch nie «GoT» geguckt zu haben – ich war so dumm 🤦

Alle wollen sie seit nun sieben Staffeln auf diesem Thron sitzen. Bild: HBO



ACHTUNG: SPOILER!

Falls es tatsächlich noch andere Menschen geben sollte, die noch nicht mit «GoT» angefangen haben und dies eventuell doch noch nachholen wollen, dann seid gewarnt: Ich spoilere. Viel! 

Du liest also weiter, nun denn, beginnen wir mit einer Frage:

Wo war ich eigentlich, als Jon Snow starb? Nasenbohren?

«Wo in diesem Internet habe ich eigentlich die letzten sieben Jahre gelebt?», frage ich mich, nachdem ich die erste Staffel «Game of Thrones» mit offenem Mund fertig geschaut und den Sinn meines Lebens mehrfach hinterfragt habe. Wie konnte es sein, dass ich nicht nur die weltbeste Serie verpasst habe, sondern auch die meisten Memes, Trailer und Artikel, die das Internet zu jedem Staffelende fluteten?

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Bild: HBO via Giphy

Wo war ich, als Jon Snow starb? Nasenbohren? Oder, anders gefragt: Warum hat es mich bis Ende 2017 nicht ansatzweise interessiert, wer dieser Charakter überhaupt ist? In meiner geistigen Umnachtung war er für mich der Protagonist «irgendeiner Vikinger-Serie», die ich mir «sicher nicht» nach Feierabend gönnen würde. HOLY FUCK.

Dabei war es nicht einmal so, dass mir niemand von der Serie vorgeschwärmt hatte, nein. Meine Kolleginnen in Hamburg, mein bester Freund, meine Cousine. Alle waren sie begeistert von den mystischen Welten und den beeindruckenden Kampf- und Machtspielchen. Ein bisschen wie «House of Cards», nur mit Schwertern und Drachen. Und genau das war der springende Punkt, analysiere ich im Nachhinein. Es war der Verkauf, der bei mir – einer hochglanzverwöhnten Vertreterin der Generation Instagram – nicht funktionierte. Denn jetzt einmal unter uns: 

Bevor ich anfing, «GoT» zu süchteln, stellte ich mir darunter ungefähr so etwas wie «Harry Potter» vor – nur mit Hagrid in Ritterrüstung und mehr Sex.

Nicht, dass ich etwas gegen «Harry Potter» habe, im Gegenteil. Ich dachte nur nicht, dass es etwas geben könnte, das den Filmen meiner Jugend das Wasser reichen kann.

Ich war zufrieden mit den Fantasy-Serien und Filmen, die ich kannte und an langweiligen Wochenenden immer wieder abspielte – also «Harry Potter» (zu kindisch), «Der Herr der Ringe» (zu viel wandern), «Der Hobbit» (Inhalt?) – und zu sturköpfig und ignorant, um zu erkennen, dass da bereits ganz andere Dimension der Visual Effects aufgefahren wurden. Dass da draussen eine Serie existierte, die Harry und seine kleinen Problemchen verdammt blass aussehen lassen würde: «Game of Thrones» nämlich. Eine Serie, die den Nervenkitzel eines Thrillers mit den Wildlife-Dokus von BBC Nature verband, ohne das grosse Thema Liebe zu vernachlässigen (Team Brienne und Jamie, anyone?!).  

Jaime und Brienne
Game of Thrones

Jaime Lannister und Brienne von Tarth. Bild: HBO

Jedenfalls war die Entdeckung «Game of Thrones» ein biografisch einschneidendes Ereignis, das kurz vor meiner Mandel-OP im Oktober 2017 begann und mein Leben fortan auf den Kopf stellte. Nichts war mehr wie zuvor. Statt mich mit Freunden zu treffen, kaufte ich einen Lagervorrat Lieblingschips und sass jeden Abend ohne dem Hauch eines schlechten Gewissens auf der Couch. Und:

Es war die beste Zeit meines Lebens.

Ich musste mich zusammenreissen, eine ganze Staffel nicht in einer Nacht durchzubingen, um mir das süsse Vergnügen für den nächste Monat aufzusparen. Noch nie war ich so verfallen. Was geschieht mit Ramsey? Wo ist Theon? Lebt Sansa? Fragen, die von nun an mein Leben bestimmten. Ich wohnte in Berlin und hatte seit vier Monaten keinen Club von innen gesehen, so stark war ich von der akuten Game-of-Thronitis betroffen. Meine Vorlieben für die Charaktere wechselten im Staffeltakt.  

Zuerst war ich begeisterte Daenerys-Anhängerin, bewunderte sie für ihre Widerstandskraft und ihren Willen. Gegen Ende der sechsten Staffel entwickelte ich Sympathien für Cersei. Ja, für Cersei! Einer Frau, die wohl die meisten Zuseher und Zuseherinnen Winterfells Schattenwölfe an den Hals wünschten. Für mich war sie die Konsequenz in Person.

Cercei Lannister
Game of Thrones

Cersei Lannister. Bild: HBO

Eine Frau, die sich immer und immer wieder zurückkämpfte, und gar nicht daran dachte, ihren Schmerz und ihre Verbissenheit zu kaschieren, nein – sie stand dazu. Gerade weil sie für eine Frau scheinbar untypische Eigenschaften (Machtgier, Brutalität, Unbarmherzigkeit) aufwies, fand ich sie spannend. Mal ganz davon abgesehen, wie wunderschön Lena «Cercei» Headey ist. Und Kit «Jon» Harington. Und Sophie «Sansa» Turner. Und Peter «Tyrion» Dinklage. Und Sibel «Shae» Kekilli. Hach, diese Kostüme! Dieses altbackene Englisch. Dieser Witz! Nach fünfzehn Episoden entwickelte ich zu den meisten Hauptcharakteren eine gewisse Bindung, ohne unbedingt etwas mit ihnen gemein zu haben.

Ich freute mich für sie, wenn sie lachten und ich schrie, wenn sie starben. Ich wollte sie trösten, wenn sie verzweifelten und sie begleiten, auf Reisen.

Freunde, die mit mir schauten, mussten mir bei brenzligen Szenen die Hand halten und amüsierten sich, wenn ich an den richtigen Stellen «NEIN DAS KANN DOCH WOHL NICHT WAHR SEIN» schrie. Das, worauf sie mehrere Monate, wenn nicht gar ein Jahr warten mussten, konnte ich mir in einer Woche reinziehen. Emotionale Achterbahn vorprogrammiert. Zugegeben: Es war ganz schön verlockend, nach den spannendsten Cliffhangern einfach auf «nächste Folge» zu drücken, statt eine Woche, oder ein Monat zu warten.

Game of Thrones
Episode: Red Wedding
Season 03x09

Definitiv eine Folge mit einem Nein-das-kann-doch-wohl-nicht-wahr-sein-Moment: «Red Wedding» aus Staffel 3.

Ich fragte mich, wie sich andere nach mehrwöchiger Abstinenz überhaupt an den Plot erinnern konnten – schliesslich haben es die Macher von «GoT» geschafft, eine vielschichtige Welt mit mehreren konkurrierenden Häusern zu erschaffen, die sich Mal zu Mal voneinander abwenden. So, wie sich eben auch der Wind dreht.  

Deshalb, liebe «Game of Thrones»-Verweigerer und Verweigerinnen: Glaubt mir, wenn ich euch sage, dass ihr die 67 Folgen vor der Kiste nicht bereuen werdet. Dass ich euch beneide, weil noch etwas unvergleichbar Aufregendes in diesem Serien-Dschungel vor euch liegt, das bis heute seinesgleichen sucht. Und ja:

Auch ich war einmal diese Person, die stolz «Habe noch nie eine Folge ‹GoT› gesehen» auf Facebook schrieb. Diese Zeiten sind vorbei.

Ich, Bianca Xenia Jankovska, First of Her Name, the Queen of Donaustadt, Bixe of the Great Wedding, Breaker of Journalismus and Mother of Groschenphilosophin, bin des Fangirl-Seins schuldig und sage hiermit: I confess.

Ich gestehe, dass ich Unrecht hatte, dass ich es mir in meiner Echokammer bequem gemacht habe wie eine Afd-Wählerin und nicht stark genug war, um mir einzugestehen: Ich habe die letzten sieben Jahre einen grossen Fehler gemacht, indem ich die Existenz von «Game of Thrones» leugnete und die Ansicht vertrat, Netflix wäre genug für dieses eine Leben.  

Spoiler: Ist es nicht. Sorry, ich muss jetzt wieder los.
Finale schauen.

Dudu dudududu dudududu dudududu duuuuuuudüüüüüüüüüü düüüüdüüüüüdüüü, düdüdüdüüüüü.

Video des Tages: «Geht in den Familienpark, es wird lustig», haben sie gesagt

Video: watson

Falls du lieber mal eine etwas unbekannte Serie ausprobieren willst, gibt es hier 25 Tipps für dich:

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99 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Sandro Lightwood
30.01.2018 17:36registriert May 2016
Ist doch toll, liebe es Serien zu „entdecken“ die schon mehrere Staffeln haben und ich merke: wow ist ja wirklich toll! Weil eben: mehrere Staffeln! 🤩
Verpasst hat man ja schlussendlich nix.
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Menel
30.01.2018 17:33registriert February 2015
Na dann, ein ❤liches Willkommen bei den Süchtigen 😁
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Cpt Halibut
30.01.2018 17:41registriert January 2016
Breaking Bad schon gesehen??
9533
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99

Kommentar

Synchronisation sucks – weshalb die Originalfassung immer besser ist

Leute, tut euch einen Gefallen und schaut eure Filme und Serien gefälligst im Originalton.

Bei den Oscars 2020 befand sich das amerikanische Kinopublikum in einer ungewohnten Situation: Der südkoreanische Film «Parasite» hatte eben abgeräumt; unter anderem in der Kategorie «Best Picture» – das erste Mal, dass ein nicht-englischsprachiger Film in dieser Kategorie gewann.

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