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Food-Trends der letzten 10 Jahre: Diese konnten sich durchsetzen

Kommentar

Food-Trends ohne Ende – doch welche sind wirklich eingetroffen? Welche nicht?

Und welche sind (zum Glück) wieder verschwunden? Ein Rückblick über zehn Jahre angekündigter Food-Trends.
10.01.2024, 11:3710.01.2024, 14:35
Oliver Baroni
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Alle Jahre wieder: Anfang Januar ist die Saison der Food-Trend-Ankündigungen. Marktanalysten, Mediensprecher, Blogger und Food-Influencer aller Couleur orakeln einem vor, welche Trends unser Essverhalten revolutionieren werden.

Bloss, deren Erfolgsbilanz ist bestenfalls durchzogen. Rückblickend haben sich einige Vorhersagen tatsächlich zu globalen Trends gemausert. Andere schienen ein wenig aus der Luft gegriffen und haben dementsprechend nicht wirklich stattgefunden. Zudem: Nicht alles findet überall statt – globale Vernetzung hin oder her. Was in Indien ein Food-Trend darstellt, gilt nicht zwangsläufig für Japan. Food-Mekkas wie Los Angeles, London oder Tokio sind traditionell eher offener für Neues als etwa die Schweiz.

Ohnehin gilt: Trends werden in der Schweiz eher langsam aufgenommen und meistens verspätet. Was durchaus von Vorteil sein kann. Wie geht doch so schön der Witz? Steht der Weltuntergang bevor, dann zieh in die Schweiz – dort kommt alles erst fünf Jahre später an. Etwas praktischer ausgedrückt bedeutet das, dass weniger Foodtrend-Gläubige auf die Nase fallen, hat sich ein Trend entgegen den Vorhersagen nicht durchsetzen können. Man muss ja nicht immer alles mitmachen.

Jedenfalls ist dies alles Grund genug, auf die letzten rund zehn Jahre zurückzublicken und sich zu fragen: Welche angekündigten Food-Trends haben sich (hierzulande) bewahrheitet? Und welche nicht? Und welche nur teilweise ... also jein.

(Und dann gibt es die Abteilung Trends, die wieder verschwunden sind. Gottlob.)

Jap. Diese Trends sind gekommen, um zu bleiben:

Tacos sind definitiv angekommen. Und mexikanisches Streetfood allgemein. Ist es so gut wie der Durchschnitt in Mexico City oder Südkalifornien? Mmh ... zum Teil. Garantiert ist es aber x-fach teurer. Aber hey, dafür bezahlen wir fairere Löhne.

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Bild: shutterstock/obi

Ein schöner Nebeneffekt der Vermehrung von mexikanischem Streetfood ist übrigens auch, dass jene unsäglichen Fake-Texmex-Spunten am Verschwinden sind.

Es gab eine Zeit, als man in schicken Zürcher Bars einen Dry Martini bestellte und als Antwort bekam, «Äh, wir haben nur Martini Bianco – meinst du das?» Damit ist Schluss, zum Glück.

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Bild: dishoom.com

Old-School Cocktail-Kultur hat, wie überall in der Welt, auch hierzulande einen Siegeszug sondergleichen hingelegt. Jeder Hinz und Kunz weiss, was ein Negroni ist und einen anständigen Martini bekommt man zunehmend auch. Dafür nennen sich die Barkräfte Mixologists. Aber das lassen wir mal durchgehen.

Fleischersatzprodukte gibt es schon seit Jahrzehnten. Doch was die Auslage beim örtlichen Grossverteiler betrifft, haben sich in den letzten Jahren erhebliche Veränderungen bemerkbar gemacht. Ja, inzwischen gibt's von gefühlt jedem tierischen Produkt eine pflanzliche Alternative.

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Bild: tastelab

Man mag es belächeln so viel man will (und glaubt mir, ich hab's versucht), doch Tatsache ist: TikTok und YouTube bestimmen das Ess- und Kochverhalten einer ganzen Generation. Auf die Zielgruppe unserer Gen-Z-Teenies ist der Einfluss fundamental: Hier wächst eine Generation heran, für die ein koreanisch-japanisch-kalifornisches Fusion-Food nicht mehr Exotik darstellt, sondern Normalität.

Video: watson/Oliver Baroni, Tallulah Baroni, Emily Engkent

Ob's mir passt oder nicht: So haben meine Kids kochen gelernt. Meine inzwischen 15-jährige Tochter, etwa, ist eine hervorragende Köchin. Hat sie für ihren Kimchi Fried Rice oder Lemon Linguine oder für ihre zahllosen Cookie-Rezepte auch nur ein Mal ein Kochbuch konsultiert? Denkste. Doch das Resultat spricht für sich. Fein ist's allemal.

Was waren da noch für Trends? Hawaiianischer Poke – zwar traf kein Restaurant-Boom ein, doch aufgrund der Tatsache, dass es im hinterletzten Supermarkt diverse Pokes als Zmittags-Takeaway-Option gibt, darf man konstatieren: Jap, das ist angekommen. Bubble Tea ebenfalls. Und, oh ja, Ramen-Restis gibt es ein jeder Strassenecke.

Und nun zu den Trends, die ... bestenfalls halbherzig stattfanden. Beziehungsweise andernorts sehr wohl, in der Schweiz aber not so much:

Jein

Ja, Hard Seltzer ist angekommen. White Claw gibt es in jedem Coop. Aber, nein, er hat dem Bier sicherlich nicht den Rang abgelaufen wie in anderen Ländern. Ähnlich verhält es sich mit RTD (ready to drink) Cocktails, ergo Dosencocktails. Ja, es gibt immer mehr davon, indes ist die Auswahl aber längst nicht so gross wie andernorts, wie etwa Grossbritannien.

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Bild: marksandspencer.com

Auch alkoholfreie Spirituosen sind der Kategorie «jein» einzuordnen. Ja, das Segment ist immer noch im Wachstum begriffen. Doch so richtig-richtig durchgesetzt haben sie sich bislang nicht. Aber das kann ja noch werden.

Und war da nicht mal was wegen Peruvian Cuisine? In vielen europäischen und nordamerikanischen Grossstädten gibt es peruanische (oder – fast häufiger – «Peruvian fusion») Restaurants wie Sand am Meer. In der Schweiz gab es vor 10 Jahren einen Ceviche-Mini-Trend, doch das volle Potenzial dieser südamerikanischen Cuisine lässt noch auf sich warten.

Und nun jene Trends, die keine waren. Oder jene, die von kurzer Dauer waren und längst wieder weg sind. Ich nenn’ diese Kategorie ...

Nope

Sous vide und kein Ende – so jedenfalls kam's mir anno 2014 vor, als gefühlt alle nur noch von dieser Niedrigtemperaturgarmethode (was'n Wort!) schwärmten. Jeder, der sein Fleisch in der Pfanne/im Ofen/auf dem Grill zubereitete, wurde belächelt.

sous vide immersion technique kochen essen food fleisch grillen trend http://www.seriouseats.com/2016/01/first-thing-to-cook-with-sous-vide-immersion-circulator-essential-recipes.html
Bild: seriouseats

Klar, dass es für Sous Vide ein extra Gerät brauchte! Das Teil haben sich in der reichen Schweiz auch alle prompt erstanden ... und bald einmal hinten im Kasten verstauben lassen, mit all den anderen Trend-Kochgerätschaften, die einst mal hip waren. Oder anders gefragt: Wer von euch benutzt heute noch jenen ach-so-praktischen Steamer der 00er-Jahre? Eben.

Japanisches Katsu Curry? Auf der halben Welt gibt's das auf jeder Autobahnraststätte und in der Fertigfood-Abteilung jedes noch so kleinen Supermarkts. Bei uns? Naja, kann ja noch werden.

Auch warten wir noch auf die angekündigten Hypes der südindischen Kerala-Cuisine, Hoppers aus Sri Lanka oder Tropical Asian. Zu vieles wird hierzulande unter dem lieblosen Begriff «Asia-Food» verhökert, wo man auf der Menukarte sowohl Butter Chicken als auch Sweet and Sour Pork oder Nasi Goreng findet. Hmm. Da ist noch Luft nach oben.

So. Wer mag sich an Zoodles erinnern? An Zpaghetti?

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Bild: Shutterstock

Dochdoch – es gab mal eine Zeit, als tasty.co und andere Online-Food-Portale uns partout weismachen wollten, dass Zucchini-Julienne die perfekte Pasta-Alternative wären. Spoiler: nein, waren sie nicht. Und was war da schon wieder mit diesem Blumenkohl-Hype? Urplötzlich gab es Blumenkohl-Steaks, Blumenkohl-Chicken-Wings, Blumenkohl-Reis ... und, oh ja, da behaupteten Leute ernsthaft, Pizzaböden aus Blumenkohl wären eine gute Idee.

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Bild: shutterstock

Spoiler: wiederum nein. Vor allem das mit der Pizza – viel Glück damit!

Gemeinsam haben die beiden letztgenannten Hypes, dass sie uns als vermeintlich LOW CARB verhökert wurden – die Einstiegsdroge zur unsäglichen #CleanEating- und Superfood-Bewegung, die vor einigen Jahren angesagt war.

Chia-Samen, Sorghum, Seetang-Pulver – am liebsten in Form von Smoothies und Shakes, alles Insta-Konform von gertenschlanken Yoga-Influencerinnen beworben – sollten die Basis einer Ernährung sein, die unser Körper magisch entschlackt und gesund macht.

Spoiler: Nein – alles pseudowissenschaftlicher Humbug. Es gibt schlicht keinen einzigen wissenschaftlichen Beweis, dass eine Entschlackung bei einem halbwegs gesunden Menschen irgendwas bewirkt.

leber detox beschiss entschlackung new age https://www.facebook.com/photo.php?fbid=1911652602481436&set=a.1392295241083844&type=3&theater
Bild: facebook/destroyedbyscience

Gewiss, in einer spezifischen Szene Wellness-praktizierender, wohlhabender weisser Frauen (setz' dich wieder hin, Gwyneth Paltrow!), lebt dieser Trend noch weiter. Vom Mainstream ist er längst verflogen.

Und ... Insekten! Uff – was wurde da an Aufwand betrieben: Lebensmittelzulassung auf Bundesebene, einen Schweiz-eigenen Vertrieb organisiert, eine Pressekampagne mit allem Pipapo etc. Anno 2017 wollte man uns partout Krabbelviecher schmackhaft machen.

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Bild: essento

Weshalb eigentlich? Aufgeführt wurden «hochwertige Proteine», «nachhaltige Zucht» und «zukunftsgerichtete Lebensmittelherstellung». Und dann alles noch mit «trendiger Innovation» und «neuen Geschmackswelten» aufgelockert. Aber letztlich war und ist das Konzept spannender, als die Insektenprodukte fein sind. Danke, dass dieser Trend nie ankam.

So. Und zum Schluss etwas, das ich immer wieder bringe ...

Das fehlt IMMER NOCH:

Etwas mehr französische Esskultur, s'il vous plaît! Habt ihr euch mal gefragt, wie es die Franzosen schaffen, das viele rote Fleisch und all die gesättigten Fette in Käse und Foie Gras zu konsumieren, danach noch üppige Desserts zu verdrücken, dabei alles mit grosszügigen Portionen Wein runterzuspülen und dabei stets schlank und hübsch zu bleiben und kein erhöhtes Herzinfarktrisiko aufzuweisen? Meine Vermutung lautet: Man nimmt sich Zeit beim Essen.

http://www.shutterstock.com/gallery-225421p1.html?cr=00&pl=edit-00 Botond Horvath paris brasserie cafe frankreich essen food france
Bild: shutterstock

Selbst im noch so stressigen Arbeitstag macht man eine richtige Mittagspause, geht ins Restaurant, bestellt la formule mit zwei oder drei Gängen, trinkt etwas Wein und – wichtig! – schwätzt und lacht mit seinen Freunden. Die Schweizer sind vielleicht fleissige Arbeitsbienchen. Doch wir wären nicht minder effizient, wenn wir uns richtig erholsame Mittagspausen gönnen würden.

Der nächste Januar kommt bestimmt. Die nächsten Food-Trend-Voraussagen ebenfalls. Hoffentlich treffen die guten ein. Ein gutes, ... nein, ein FEINES, LECKERES Jahr wünsche ich euch!

Food! Essen! Yeah!

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Streetfood aus aller Welt – weil man sich sonst nichts gönnt!
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Grillierte Meatballs – Bangkok.
quelle: shutterstock / shutterstock
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129 Kommentare
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Bakunin
10.01.2024 13:47registriert März 2021
Wo die Kinder von heute Kochen lernen, ob Papa, TikTok, oder Schule ist mir völlig gleich, solange sie kochen.

Was ich aber bei den internationalen Plattformen befürchte, ist dass nur Dinge gepusht werden die weltweit ankommen. Dann kann zwar jeder feines koreanisch-japanisch-kalifornisches Fusion-Food aber niemand mehr gute Pizzoccheri und andere lokale Spezialitäten. Das fände ich schade. Vielfalt und Unterschiede sind cool.

Ich brauche auch gar nicht jede Küche der Welt in ZH, ich freue mich, wenn ich im Urlaub neue Dinge entdecken kann. Aber nein jeden Tag Rösti muss auch nicht sein ;-)
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Jack33
10.01.2024 12:05registriert Juli 2020
Ich muss zugeben bei mir hat Sous-vide gerade ein kleines Revival, habe begonnen mein Chashu für meinen Ramen damit zuzubereiten. Das Fleisch wird einfach super zart und der Fleischsaft kann zur frischen Brühe dazugegeben werden.
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karima
10.01.2024 13:42registriert Mai 2017
Alle schmalen Französinnen, welche ich je kennenlernte, rauchen viel, essen wenig und zählen dazu Kalorien. Die bestellen keine 3 Gänge, sondern nur "une petite salade".
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