Leben
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Warum Pilates der einzige Sport ist, der mir (noch) nicht verleidet ist

Bild: unsplash



Ballett, Kunstturnen, Tennis, Fussball und Basketball – als Kind probierte ich allerlei Sportarten aus. Bereits mit vier versuchte ich mein Glück als Ballerina. Doch während die anderen Mädchen eine Pirouette nach der anderen drehten, war ich wie der Elefant im Porzellanladen, der es nicht mal hinkriegte auf einem Bein zu stehen. 

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Das bin nicht ich. Mich konnte man gar nicht filmen, da es nach meinen Sprüngen gleich ein kleines Erdbeben gab. gif: giphy

Eine Fähigkeit beherrschte ich ausserhalb des Ballettunterrichts aber besonders gut: Den Purzelbaum. Also wechselte ich ins Kunstturnen. Dort war ich so erfolgreich, dass ich bei einem Purzelbaumcontest Turnier auf dem ersten Podest stehen durfte. Ich gewann eine Kuhglocke. Die Trophäe machte mehr Lärm als ein startender Kampfjet. Und nein, ich bin nicht auf dem Land aufgewachsen. Die Kuhglocke war einfach ein traditioneller Wanderpokal, den ich nach einem Jahr dann wieder abgeben «musste». Obwohl ich vielleicht Giulia Steingrubers grösste Konkurrentin hätte werden können, hängte ich auch meinen Turnanzug an den Nagel. Die Purzelbäume langweilten mich.

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Good-Quality-Foto von klein Chanti beim Kuhglocken-Wettbewerb. bild: watson

Ich wechselte zum Gruppensport – das langweilte mich aber auch rasch. Im Basketball sass mein Team immer nur rum, war frech zum Trainer und lästerte lieber als irgendwas mit dem Ball zu machen. Ich sass auf dem Boden und dachte mir:

«Ich könnte jetzt auch Zuhause mit meinen Barbies spielen.»

So wirklich der Teamplayer war ich dem Anschein nach auch nicht. Im Fussball versuchte ich Verteidiger, Stürmer und Goalie zu gleich zu sein. Ich hätte die jeweiligen Gegnermannschaft am liebsten alleine bezwungen. Die anderen konnte man ja zu nichts gebrauchen.

Damit ich mich nicht jedes Mal zu Tode ärgern musste, liess ich das also auch sein. Immerhin sorgte noch der Schulsport dafür, dass ich nicht ganz bewegungslos durchs Leben ging.

Dann wurde ich älter. Die Schule war vorbei, ich war jetzt also selbst für meine Bewegung verantwortlich. Bei schönem Wetter konnte ich mich gelegentlich fürs Joggen motivieren. Irgendwas muss man ja machen. Behaupteten damals zumindest die Promis in den Bravo-Magazinen. Also machte ich «irgendwas» und das vermutlich weder richtig und ganz bestimmt nicht regelmässig.

Es geschah, was geschehen musste: Ich wurde stolze Besitzerin von Fettpölsterchen. Diese mit meinem (falschen) Joggen wegzubringen, funktionierte nicht. Also fragte ich Google. Nach etwas Recherche stiess ich auf Pilates. Aus lauter Verzweiflung fand ich sogar an kitschigen Werbesprüchen wie «Der Schlankmacher der ganz anderen Art» gefallen. Ich meldete mich für eine Pilatesprobestunde an.

Und da stand ich dann also in einem sehr grossen Spiegelraum gemeinsam mit Damen mittleren Alters, die versuchten mit ihren Händen ihre Füsse zu greifen. 

Nach der Aufwärmarbeit ging es über zur ersten Übung, die so einfach war wie die Fünferreihe. Wie soll ich mit solchen  Übungen Fett verbrennen? Warum mach ich eigentlich wieder Sport? Ich könnte zu Hause Serien gucken.

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Das bin auch nicht ich, aber etwa so gelangweilt fühlte ich mich beim ersten Training. gif: giphy

Der Fehler lag natürlich an mir und nicht an den Übungen. Wie konnte es auch anders sein. Taktgefühl hab ich keins, Geduld sowieso nicht und Atmen tat ich seit neuestem offensichtlich auch nicht richtig.

Autofahren konnte ich übrigens auch lange nicht.

Das mit dem Atmen, das wäre Übungssache, sagte man mir. Das komme schon noch! Richtig atmen heisst immer: voll und tief atmen. Das haben viele Menschen verlernt. Ich trainierte weiter, versuchte «richtig» zu atmen und die Übungen wurde mit der Zeit immer anstrengender.

Noch drei Tage nach dem Training plagte mich der Muskelkater. Sogar dort, wo ich ihn mir wünschte – an den Hüften. Ich meldete mich für den Kurs an und liess seither keine einzige Stunde sausen. Und ich sage dir auch warum. 

Pilates erzielt sehr schnell Erfolge

Seitdem ich jeden Dienstag ins Training gehe, sehe ich definierte Muskeln, die sonst nur in Medizinbüchern zu finden sind.

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So sah das bei meiner ersten Stunde auch etwa aus. gif: tenor

Auch wenn Pilates als sanfte Trainingsmethode gilt, sind die Übungen sehr anspruchsvoll. Die Muskeln werden stark beansprucht und demnach gekräftigt. Es werden aber nicht nur einzelne Partien beansprucht, sondern der gesamten Körper. Somit wurde meine Haut schon nach wenigen Monaten deutlich gestraft und auch die Orangenhaut sagte Adieu.

«Nach 10 Sessions fühlst du dich besser, nach 20 Sessions siehst du besser aus und nach 30 Sessions hast du einen komplett neuen Body.»

Joseph Hubertus Pilates

Pilatesübungen sind vielseitig

Pilatesübungen sind vielseitig – und müssen nicht einmal besonders viel Zeit in Anspruch nehmen.

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In den Ferien hat man ja sonst nichts Besseres zu tun.  gif: giphy

Mein Training geht eine Stunde, dazu gehören das Aufwärmen und am Schluss eine paar Erholminuten. Alle Übungen könnte ich auch selbst zu Hause durchführen, doch in der Gruppe kann ich mich besser motivieren. Wir trainieren auf dem Rücken, im Liegen aber auch im Stehen und verbinden die Übungen immer wieder mit anderen Hilfsmitteln wie beispielsweise Gymnastikbällen, Bändern oder Ringen. Im Sommer halten wir uns gelegentlich draussen auf einer Wiese fit.

Pilates hilft bei anderen Sportarten

Dank Pilates wurde meine Leistungsfähigkeit auch beim Joggen und anderen Sportarten verbessert.

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gif: giphy

Zurzeit geh ich zusätzlich noch ins Bodypump und Bauchtraining. Starke Bauch- und Rückenmuskeln sowie ein gut durchbluteter Beckenboden sind nämlich das A und O für einen stabilen Körper. Ausserdem werden die tiefen Bauchmuskeln aktiviert und der Beckenboden gekräftigt und durchblutet, was sogar die Libido ankurbelt.

Pilates reduziert Stress

Man meint oft Yoga sei der einzige Sport, der entspannend sein kann.

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gif: giphy

Dadurch, dass wir nicht herumhüpfen und laute penetrante Musik hören, sondern viel Wert auf präzise und kontrollierte Ausführung sowie richtiges Atmen legen, bleibt mir im Grunde nichts anderes übrig, als mich auf meinen Körper zu konzentrieren und abzuschalten. 

Pilates macht dich grösser

Ich sitze viel, sei es bei der Arbeit oder zu Hause. Daher laufe ich meist krumm durch die Weltgeschichte.

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Gut gemacht! gif: giphy

Das regelmässige Dehnen verbesserte meine Körperhaltung und brachte Flexibilität in die Wirbelsäule und das Becken. Vor dem Training haben wir meine Grösse mal gemessen, nach nur einer Stunde bin ich tatsächlich rund zwei Zentimeter gewachsen. 

Ich bin in kurzer Zeit zum Schlangenmensch und zur Sportskanone zugleich mutiert. Ich kann jetzt endlich auf einem Bein stehen und verabschiedete mich vom lästigen Hüftspeck. So schnell werden mich meine neuen Freunde mittleren Alters nicht wieder los.

Und wenn du denkt, Yoga sei kein Sport, dann schau dir mal diese unglaublichen Bilder an!

Apropos Joggen: Diese Lauftypen hauen dich um

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Video: watson

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32Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Mutzli 19.03.2018 14:51
    Highlight Highlight Klingt schon noch ziemlich nett und ich bin für eine neue Sportart fast immer zu haben. Was mich jedoch noch interessieren würde: Wie siehts mit der Belastung der Gelenke aus? Die sind bei mir ein bisschen Schwachstellen, besonders die Handgelenke.
  • dath bane 19.03.2018 14:08
    Highlight Highlight Also.......Pilates ist Yoga.
    #mindblown
  • snobilikali 19.03.2018 12:02
    Highlight Highlight Watsonteam, bitte verwechselt Yoga nicht mit Polefitness! In der Bilderstrecke sieht man eindeutig ein paar Poleskills :-) Da kann Yoga einpacken... Sorry
    • Darth Unicorn #Häschtäg 19.03.2018 15:03
      Highlight Highlight Dich mag ich :D Streetpole sieht zwar cool aus aber die SBB hat da nicht so freue daran
  • Snowy 19.03.2018 11:48
    Highlight Highlight Nun, da selbst mein ehemaliger Zugführer meiner Grenadier-RS* Yogabilder auf Socialmedia postet, gibt es für mich keine Ausreden mehr...

    Eine einzige Frage stellt sich mir noch: Wo soll ich als Mann eine Probelektion Pilates (oder Yoga?) absolvieren? Auf was muss man(n) da achten?

    * über ihm steht nur Chuck Norris
    • lily.mcbean 19.03.2018 12:22
      Highlight Highlight Für mich war einfach wichtig das die/der Yogalehrer/instructor mir sympatisch ist. Wo ist eigendlich egal, die Hauptsache ist du fühlst dich wohl und kannst dich konzentrieren. Anfragen kannst du bei jedem Yogakurs ob du mal auf eine Probelektion vorbeischauen kannst- die sind bei den meisten auch Gratis.
      Männer werden mit Begeisterung aufgenommen, keine Angst ;)
    • lilie 19.03.2018 12:57
      Highlight Highlight @Snowy: Du solltest auf das achten, was dir wichtig ist.

      Ist dir etwa eine persönliche Betreuung wichtig oder schätzt du Anonymität? Verpflichtest du dich lieber für einen festen Kurs oder bevorzugst du Drop-In-Kurse? Wie wichtig ist dir, dass dir die Lehrerin sympathisch ist? Möchtest du ein anstrengendes Power-Out oder lieber etwas eher Geruhsames evt. mit Meditation? Sollte das Yogastudio in der Nähe sein? Wie wichtig sind dir angenehme Räumlichkeiten? Wieviel darf es kosten?

      Mein Tipp: Such dir drei Studios raus und frage nach Probelektionen. So kannst du vergleichen.
    • Baccara - Team Nicole 19.03.2018 16:36
      Highlight Highlight Snowy - du kannst bei mir Probelektionen buchen :-)
    Weitere Antworten anzeigen
  • lily.mcbean 19.03.2018 11:32
    Highlight Highlight Meine Grossmutter hat viele Jahre Pilates und Yoga praktiziert. Jezt, 76 Jahre alt, profitiert sie immer noch davon weil sie sehr gelenkig und fit geblieben ist. Es ist also ein Investment in unsere Zukunft und motiviert mich erst recht dranzubleiben. Das Schöne ist ja das man nicht nur etwas für den Körper tut, sondern auch für die Seele. Und man lernt seinen eigenen Körper zu fühlen, was in der heutigen Zeit allzu sehr vernachlässigt wird.
  • Ohniznachtisbett 19.03.2018 11:31
    Highlight Highlight Nun, ich sehe die Vorteile eines gesunden Trainings... Nur, wo hier der Spass sein soll liegt mir fern. Also mindestens verglichen mit Joggen ist es etwa in der gleichen Langweiligkeitsliga. Gesundheit, ein besseres Körpergefühl und weniger Fettpolster und das Gefühl etwas geleistet zu haben, mögen ja für einige genug Motivation fürs Training bringen, aber mit Spass hat das alles noch gar nichts zu tun. Spass am Sport kommt für mich eigentlich erst auf, wenn man sich im Spiel messen kann mit anderen oder wenn man ein Ziel zusammen erreichen kann... z.b. die Erklimmung eines Berges o.Ä.
    • phreko 19.03.2018 12:47
      Highlight Highlight Dir würde es doppelt gut tun, an deiner intrinsischen Motivation zu arbeiten.
    • chraebu 19.03.2018 13:04
      Highlight Highlight Du vergleichst es mit Joggen und sagst es ist gleich Langweilig.

      Basiert dieser Vergleich auf persönlicher Erfahrung oder Vorurteilen?

      Ich frage, weil ich eine ähnliche Einstellung wie du zu Joggen, Schwimmen, etc. habe aber meine Yoga-Lektion find ich unglaublich toll.

      Falls es nur ein Vorurteil ist, empfehlen ich dir es mal zu probieren.
    • aglio e olio 19.03.2018 13:08
      Highlight Highlight Man kann sich mit seinem gestrigen Ich messen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • derEchteElch 19.03.2018 10:58
    Highlight Highlight Willst du es nicht mal mit CrossFit 🏋 probieren? Ich lad dich zum nächsten Bring a Friend Day ein..
    • Chantal Stäubli 19.03.2018 11:15
      Highlight Highlight Elchtastisch!
    • AustinOsmanSpare 19.03.2018 11:19
      Highlight Highlight CrossFIt ist wie Pilates auf Steroiden ...
    • Darth Unicorn #Häschtäg 19.03.2018 11:53
      Highlight Highlight Ein Crossfitter, ein Veganer und ein Influencer gehen in eine Bar, woher ich das weiss? weil sie es jedem erzählen..
  • super_silv 19.03.2018 10:55
    Highlight Highlight Was ist wigentlich der unterschied von Pilates zu Yoga?
    • AustinOsmanSpare 19.03.2018 11:23
      Highlight Highlight Yoga ist All-inklusiv-brunch, Pilates der Coffee-to-go im Starbucks. Convenient, ohne Verpflichtung, ohne Tiefgang aber trotzdem nice ...
    • aglio e olio 19.03.2018 13:10
      Highlight Highlight Yoga ist Lebenseinstellung. Weit mehr als Gymnastik.
      Ernährung, Denkweise etc.
  • azoui 19.03.2018 10:30
    Highlight Highlight Was hier noch fehlt, ein kleines Filmchen von "Chanti" beim ausführen von Pilates, das Standbild vor Purzelbaum ist ja nicht so aussagekräftig.
  • josi#59 19.03.2018 10:28
    Highlight Highlight Eishockey kann einem auch nicht verleiden, ausser man mag es nicht verleiden. ;)
    • phreko 19.03.2018 10:54
      Highlight Highlight Ausser man ist Sportinvalid mit kaputten Hüften...

«Ich habe gemachte Brüste, ich will ja unbedingt Sex»

«Wein doch!» – das Format, in dem sich Leute betrinken und ihr Leid von der Seele reden dürfen. Diese Woche: «Bachelor»-Kandidatin Bellydah über Männer, die Freundlichkeit mit Flirten verwechseln.

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