Schweiz
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ARCHIV - [Themenbild, gestellte Aufnahme] Ein Arzt verabschiedet sich von einer Patientin nach einer Konsultation in seiner Praxis, aufgenommen am 16. August 2002. - Falsch abgegebene Medikamente koennen schwere Folgen für Spitalpatienten haben. Fachleute der Berner Fachhochschule haben nun eine Methode entwickelt, mit der sich Fehler in der Medikamentenabgabe verringern lassen.  (KEYSTONE/Martin Ruetschi)=== MODEL RELEASED === : FILM, Mittelformat]

Kontakt mit Patienten: Müssen Ärzte in der Schweiz Deutsch, Italienisch oder Französisch sprechen?
Bild: KEYSTONE

Mehr und mehr fremdsprachige Mediziner – braucht es einen Sprachtest für ausländische Ärzte?

Die Ärzteschaft in der Schweiz wird bunter: Ein Drittel kommt aus dem EU-Ausland. Zunehmend arbeiten auch Ärzte in den Spitälern, die keine Landessprache beherrschen. Das kann zu Komplikationen führen.

Anna Wanner / Nordwestschweiz



Der Patient B. geht wegen Beschwerden ins Spital und will, dass der Arzt ihm hilft. Das Problem: Der Arzt versteht den Patienten nicht und umgekehrt. Denn der Arzt spricht nur Spanisch.

Solche und ähnliche Beschwerden erhält Patientenschützerin Margrit Kessler. Nicht alle Missverständnisse enden glimpflich. So sind Fälle bekannt, wo Ärzte das falsche Medikament verabreicht haben. Sogar einen Todesfall habe es wegen Verständnisproblemen gegeben, sagt Kessler. «Der liegt aber schon etwas länger zurück.»

Babylonische Zustände

Die meisten der 35'325 Ärzte, die in der Schweiz praktizieren, haben ihr Diplom an den hiesigen Universitäten gemacht (68 Prozent). Knapp ein Drittel (9909) stammt aus dem EU-Raum, vorab sind das Deutsche, Franzosen, Italiener und Österreicher. 

Zunehmend arbeiten aber auch Ärzte, welche keine Landessprache beherrschen, in den Spitälern. Das zeigt die Zunahme der Ärzte aus Nicht- und Rest-EU-Staaten, dokumentiert in der Statistik des Ärzteverbands FMH.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) erfasst die Nationalitäten aller Ärzte, die in der Schweiz ihr Diplom anerkennen lassen. Das heisst nicht zwingend, dass diese auch in Spitälern oder Praxen arbeiten – sie könnten auch in die Forschung gehen. Es ist aber ein Indiz für die sich ändernde Herkunft. In den letzten zehn Jahren haben 498 Griechen, 459 Rumänen, 345 Belgier, 287 Ungarn, 286 Polen und 259 Spanier ihr Diplom in der Schweiz anerkennen lassen. Dank Verträgen mit der EU geht das relativ einfach.

Deutsche zieht es zurück

«Dass mehr Griechen, Polen und Rumänen in die Schweiz kommen, überrascht mich nicht», sagt Margrit Kessler. «Der Markt in Deutschland ist ausgetrocknet.» Dies bestätigt Conrad Engler, Geschäftsleitungsmitglied von H+. Er sagt, dasselbe gelte für Frankreich und Österreich. Und: «Aus Belgien oder Quebec lassen sich auch nur begrenzt französischsprachige Ärzte rekrutieren, also muss auf andere Länder ausgewichen werden», sagt Engler. Zudem haben sich die Arbeitsbedingungen in Deutschland verbessert, weshalb manche deutschen Ärzte in ihre Heimat zurückkehren.

Freude beim frisch gewaehlten FDP Politiker Marcel Dobler, links, und viel Frust bei der abgewaehlten GLP Politikerin Margrit Kessler, rechts, aufgenommen am Sonntag, 18. Oktober 2015, bei den Eidgenoessischen Wahlen 2015 im Kanton St. Gallen im Pfalzkeller der Stadt St. Gallen. (KEYSTONE/Eddy Risch)

Patientenschützerin und Ex-Nationalrätin Margrit Kessler: Bei ihr landen immer wieder Berichte über Missverständnisse, die auf mangelnde Sprachkenntnisse zurückzuführen sind. Bild: KEYSTONE

Die Experten führen die Sprachprobleme auf eine verfehlte Politik zurück. «Wir müssen dringend mehr Ärzte ausbilden», sagt FMH-Präsident Jürg Schlup. Nicht nur aus Solidarität zu den Ländern, aus denen die Ärzte stammen – und denen sie fehlen –, sondern weil damit zu rechnen sei, dass der Zustrom an ausländischen Ärzten auch durch sprachliche Hürden begrenzt werde.

Unendlich ist die Zahl der Ärzte auch im Ausland nicht. Deshalb hat der Bundesrat reagiert: Vor einem Jahr hat er versprochen für 100 Millionen Franken neue Ausbildungsplätze für Ärzte zu schaffen. Damit gibt sich Patientenschützerin Kessler aber nicht zufrieden: «Bis diese ausgebildet sind und die Arbeit in Spitälern und Arztpraxen aufnehmen, vergehen zehn Jahre.» Und vor allem: «Bis dann werden weiterhin Ärzte auf Patienten losgelassen, obwohl sie die Sprache nicht beherrschen.»

Ab ins Labor!

Dass Ärzte an Schweizer Spitälern keine Landessprache sprechen, gehört ebenfalls zu den politischen Versäumnissen. Deutschland und Österreich haben Tests eingeführt. Das Schweizer Parlament hat vor einem Jahr auf eine griffige Regel verzichtet. Jetzt gilt: Ein Arzt, der in der Schweiz praktizieren will, muss sich in einer der Landessprachen ausdrücken können.

Kontrollieren sollen dies die Spitäler oder im Fall von freischaffenden Ärzten die Kantone. Für Engler von H+ ist klar, dass der Arbeitgeber die Verantwortung trage, wenn er eine Person mit ungenügenden Sprachkenntnissen einstelle. «Entweder muss der Arzt die Sprache lernen oder er wird so eingesetzt, dass er keine Behandlungen von Patienten vornimmt.» Das lasse sich umgehen, wenn ausländische Ärzte im Labor oder in der Forschung arbeiten würden. (trs)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Lami23 29.04.2016 09:05
    Highlight Highlight Tja die logische Folge.
  • Hackphresse 29.04.2016 08:41
    Highlight Highlight Ums mit bürgerlichen Worten zu sagen:
    "Lieber ausländische Ärzte, für die müssen wir die Ausbildung nicht bezahlen. Denn mit dem Numerus Clausus sparen wir viel an Ausbildungskosten, das können wir dann der Armee oder in Steuersenkungen für Grossunternehmen zuschanzen."
    • Aliyah 29.04.2016 14:56
      Highlight Highlight Oder für den bezahlten vaterschaftsurlaub 😁
  • koks 29.04.2016 08:35
    Highlight Highlight Wie geht da nun die bürgerliche Politik: Matura-Abschlüsse beschränken, Zulassung zu Medizinstudium beschränken und Studiengebühren erhöhen? Und dann Fachkräftemangel ausrufen und billige Ärzte importieren?
    Der Rest der SchweizerInnen müssen wohl alle Bauern werden, da ist Zukunft und fliessen immer mehr staatliche Subventionen.
  • Scaros_2 29.04.2016 07:39
    Highlight Highlight Ich persönlich habe heute noch gute Ärzte aus der Schweiz und gehe zu denen da diese in der MedBase arbeiten. Ich selbst habe mir aber auch immer gesagt, das ich mich nicht von jemanden behandeln lassen werde der nicht meine Sprache spricht. Ich habe ein Hausarztmodell und 2 äusserst gute Hausärzte (1 geht bald in Pension/Andere sein Junior). Komme ich in ein Spital würde ich nur jemanden verlangen der mich versteht und mir in meiner Sprache auch Antwort geben kann. Klar versteh ich English nur will ich nicht erst 7 Staffeln Dr. House angucken müssen um die begrifflichkeiten zu versthen.
    • WHY 29.04.2016 09:01
      Highlight Highlight Haha, entweder ist ihr Kommentar ironisch zu verstehen oder sie sehen das Problem nicht: 1. wenn sie in ein spital kommen, tun sie dies wohl aufgrund einer medizinischen Notwendigkeit und 2. würden sie dann wohl den Arzt vorfinden, der Dienst hat und 3. würden sie sich damit zufrieden geben müssen, dass sie behandelt werden, und dafür hoffentlich dankbar sein. Verlangen können sie da lange, das ist ein wunschdenken - ausser vielleicht sie sind zusatzversichert, dann haben sie zumindest einmal pro tag kontakt mit ihrem wunscharzt, eventuell... Lg, ein arzt
    • Normi 29.04.2016 09:42
      Highlight Highlight @Toninio

      Sprachbarrieren führen zu Fehldiagnosen und diese können im schlimmsten Fall zum Tod führen...
    • Scaros_2 29.04.2016 10:17
      Highlight Highlight @Toninio
      Wir reden von Spitälern in der Schweiz und nicht vom Urlaub in Timbuktu. Aber sei versichert ich bin so versichert das die Betreuung schnell über meinen Arzt in der Schweiz führt und er wichtige Entscheide fällt - nicht die Ärzte dort
      @Why
      Nein ist nicht ironisch. Ich rede von Spital oder Arztbesuche die geplannt sind. ICh gehe z.b. immer erst zu meinem Hausarzt wegen dem Hausarztmodel. Der Spital resp. Notfall wird nur im äussersten Notfall getätigt und wenn ich erst beim Hausarzt bin kennt er die entsprechenden Leuten in den Privatspitälern. ;-)
  • Wilhelm Dingo 29.04.2016 07:29
    Highlight Highlight Ich freue mich schon jetzt von spanischen, Italienischen oder Bulgarischen Ärzten behandeln zu lassen. Das Ausbildungsniveau entspricht nimmer dem Niveau in der CH/D/A. Die hiesigen Medikamente kennen sie auch nicht. Schlafen die Gesundheitsdirektoren eigentlich?
    • carlanoemi 29.04.2016 09:01
      Highlight Highlight Das mit den Medikamenten ist weit hergeholt, die Wirkstoffe bleiben dieselben und die Ausbildung, der Ärzte, welche in der Schweiz anerkannt werden, ist nicht schlechter. Vielleicht sollte ein Arzt nur anerkannt werden, wenn er eine unserer Landessprachen spricht. Problem gelöst
  • Normi 29.04.2016 06:38
    Highlight Highlight tja liebe Nörgler immer über Deutsche lästern und sich dann wundern das sie gehen ist doch nur logisch, dass als erstes immer Ausländische-Fach und-Spitzenkräfte gehen die überall eine gute Anstellung finden...

    • Normi 29.04.2016 07:52
      Highlight Highlight Liebe Blitzer was ist an meiner Argumentation Falsch ?

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