History Porn Teil XCII: Geschichte in 37 Wahnsinns-Bildern
«Ja, History Porn, das ist geballte Ladung schwedische Mid-Century-Ästhetik!»
Stockholm, Schweden, 1961:
Die schwedische Schauspielerin und Modeikone Marianne Bernadotte, die durch ihre Heirat mit dem schwedischen Prinzen Sigvard Bernadotte zur Prinzessin und Gräfin von Wisborg wurde. Hier sehen wir sie mit Tochter und Ericophon – auch Cobra Telefon genannt – in ihrem todschicken Zuhause.
Virgulino Ferreira da Silva alias Lampião
Sertão, Brasilien, 1936:
Virgulino Ferreira da Silva (1898–1938) war Brasiliens berühmtester Cangaceiro – ein Bandit also, der mit seiner Bande den Sertão unsicher machte. In jener wüstenartigen Trockensteppe wurde er geboren, als Sohn eines armen Viehhändlers. Seine Mutter starb an einem Herzleiden, sein Vater wurde von der Polizei getötet, in einem Konflikt mit einem benachbarten Grossgrundbesitzer, der nicht wollte, dass die Familie ihre Tiere auf seinem Land weiden liess. Virgulino war 22 Jahre alt und schloss sich danach gemeinsam mit seinen Brüdern einer umherziehenden Bande an.
Zwei Jahre später war er deren Anführer und bekam den Spitznamen Lampião: Er konnte eine Repetierbüchse so rasend schnell abfeuern, dass das Mündungsfeuer nachts wie eine Laterne aufleuchtete.
Bald wurde seine Bande grösser und immer gefürchteter. Sie operierte quer durch sieben Bundesstaaten, überfiel Städte, Fazendas und Armeestützpunkte, erpresste Schutzgelder und entführte Menschen gegen Lösegeld.
Sie kannten nichts als Gewalt und sie antworteten mit nichts als Gewalt auf diese verlassene Hinterlandregion, in der das Gesetz des Stärkeren galt.
Und Lampião wusste, wie man zum Stärkeren wird. 16 Jahre lang führte er seine Cangaceiros mit Charisma und taktischer Intelligenz. Trat als Retter der Armen und Rechtlosen auf, nur um dann wieder mit den Mächtigen zu kooperieren. Weder Held noch Teufel. Bloss ein Produkt einer heillos ungerechten Welt, einer unerbittlichen Gewaltspirale, die Missbrauch, Schmerz und Zerstörung in einer ganz eigenen, blutigen Weise zu wiederholen und zu verstärken verstand.
Die Opfer seiner Bande bekamen einen bis zu 80 Zentimeter langen Dolch in den Hals gestossen. Wenn kein Lösegeld gezahlt wurde, folterte, verstümmelte oder tötete sie ihre Geiseln.
Am 28. Juli 1938 überfielen Polizeitruppen Lampiãos Versteck. Ein zuvor gefangener Bandit hatte unter Folter den Ort preisgegeben. Nach 15 Minuten waren elf Cangaceiros tot – darunter Lampião und seine Geliebte Maria Bonita. Sie wurden alle enthauptet. Ihre Köpfe stellte man zusammen mit ihren Kleidern und Waffen zur Schau. Als makabre Trophäen wanderten die abgetrennten Banditenhäupter von Museum zu Museum, bis sie auf Wunsch ihrer Familien 1969 schliesslich beigesetzt werden konnten.
Im Schwanensee
London, 1997:
Prinzessin Diana schwimmt während der Aufführung von «Schwanensee» in Ballerinas vom English National Ballet.
Auto-Picnic
USA, 1957:
Die grosse Angst vor langen Hutnadeln
Willkommen in der Zeit, in der die Hüte der Frauen so ausladend waren, dass ihre Krempen eine Länge von bis zu einem Meter bekamen. Schliesslich mussten sie nicht nur Blumen, Früchte und Federn beherbergen, sondern gern auch mal einen ganzen (ausgestopften) Vogel. Sprich: Wir befinden uns im viktorianischen Zeitalter und gehen noch ein wenig darüber hinaus, bewegen uns also in den Jahren 1890 bis 1920, als es langsam nötig wurde, jene Ungetüme auch stilecht am Kopf zu befestigen. Und parallel zur Grösse des Hutes wuchs natürlich auch die Hutnadel.
Und parallel zur Länge der Hutnadel wiederum wuchs die Sorge der Männer. Weil sie von den Frauen zunehmend dazu genutzt wurde, sich vor aufdringlichen Exemplaren ihres Geschlechts in Strassenbahnen oder Postkutschen zu schützen.
Ebendies tat Leoti Blaker aus Kansas am 28. Mai 1903, als sie sich in eine überfüllte New Yorker Pferdekutsche setzte und der «wohlhabend aussehende, ältere Herr» neben ihr sich immer forscher anzunähern begann, bis er schliesslich den Arm um sie legte. Also zückte die junge Frau ihre 30 cm lange Hutnadel und stach damit in die übergriffige Extremität des Mannes, der daraufhin laut aufheulte und bei der nächsten Haltestelle den Wagen verliess.
«Er war so ein netter älterer Herr, dass es mir leidtat, ihm wehgetan zu haben», erzählte sie der Zeitung «New York World». Sie habe bereits von Broadway Mashers gehört, aber dass es auf der Fifth Avenue eine ganz eigene Art davon gebe ...
Masher, das war der damalige Ausdruck für sexuell aufdringliche Männer, für Belästiger, die sich an den Frauen vergriffen, die es wagten, allein und selbstbestimmt in öffentliche Räume vorzustossen.
Das war das eigentliche Problem: die wachsende Unabhängigkeit der Frauen. Ihr lauter werdender Ruf nach Rechten.
Und so wurde die Sache mit der Hutnadel zu einem der vielen kleinen Stellvertreterkriege im Kampf um die Gleichberechtigung.
Die konservative Seite versuchte darum, jene neu gewonnene Selbstverteidigungswaffe zu kriminalisieren.
Die «Hatpin Peril» brach aus. Die Panik vor Hutnadeln, vor ihrer mörderischen Gefährlichkeit. Zeitungen begannen neben den erfolgreichen Verteidigungsgeschichten der Frauen von Unfällen zu berichten, bei denen unschuldige Männer zu Opfern wurden; die «Schweizer Frauen-Zeitung» schrieb 1890 von einem Vorfall in Berlin, bei welchem eine junge Dame in einer scharfen Kurve das Gleichgewicht verlor und dabei mit ihrer Hutnadel unglücklicherweise das Auge eines Herrn ausstach. Eine andere in Scranton habe mit der ihren versehentlich das Herz ihres Freundes getroffen, was tödlich geendet habe. Ein anderer sei, eine Woche nachdem ihm eine Haarnadel ins Ohr gestochen worden sei, ins Koma gefallen – und gestorben. In einem Chicagoer Vorort hätten eine Ehefrau und die Geliebte ihres Mannes ihre Hutnadeln gezückt und sich duelliert, bis schliesslich die Polizei eingeschritten sei.
«Wir halten Ausschau nach der neuen, importierten Colt-Hutnadel», spottete eine US-amerikanische Zeitung, «oder nach der Smith & Wesson Schnellfeuer-Nadel».
Die Hutnadel wurde zur internationalen Bedrohung, der schleunigst Einhalt geboten werden musste. In Chicago debattierte der Stadtrat 1910 ein Gesetz, das Hutnadeln mit über 23 Zentimeter Länge verbieten sollte; bei Verstoss drohte eine Geldstrafe von 50 Dollar.
Applaus der Männer. Zischen der Frauen.
Trotz Davis' leidenschaftlichem Plädoyer wurde das Gesetz mit 68 zu 2 Stimmen verabschiedet. Ähnliche folgten in Milwaukee, Pittsburgh, Baltimore, New Orleans und sogar in der australischen Stadt Sydney, wo 60 Frauen ins Gefängnis gingen, statt Bussgelder für das Tragen «mörderischer Waffen» zu zahlen.
Auch in Wien und Berlin wurden lange Haarnadeln an öffentlichen Orten verboten, an denen es zu Gedränge kommen konnte. 1912 erreichte es schliesslich auch Zürich.
Auf den Emailleschildern der Zürcher Trams war bald zu lesen: «Ungeschützte Hutnadeln verboten». Weil sich aber einige Frauen davon unbeeindruckt zeigten, empfahl man den Tram-Fahrern, rohe Kartoffelstücke bei sich zu tragen, um diese den Unbeugsamen als Notfall-Lösung anzubieten. Wer auch dieses Angebot ausschlug, durfte nicht mitfahren und musste eine Busse von bis zu zehn Franken zahlen.
Bald fürchtete man sich nicht mehr so sehr vor Hutnadeln als vielmehr vor dem Grossen Krieg, der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, die rund 17 Millionen Menschenleben forderte.
Und danach wich die ausladende Krempe den eng anliegenden Glocken- und Topfhüten, die keine langen Hutnadeln mehr erforderten. Und so schrumpfte sie abermals, bekam eine hübsch gestaltete Schutzkappe und wurde noch ein Weilchen an den Hut gepinnt, bis sie schliesslich ganz verschwand.
Ab an den Strand
Atlantic City, New Jersey, USA, ca. 1905:
Ein bisschen Magie für zwischendurch
Pennsylvania, USA; 1900:
Ein bisschen Erhebung hat noch keinem geschadet. Hier ausgeführt von Harry Kellar, gebürtiger Heinrich Keller mit deutschen Eltern, die nach Erie, Pennsylvania, eingewandert waren, wo er bald zum Zauberkünstler heranreifte.
Als 10-Jähriger experimentierte er mit Chemikalien herum und kreierte eines Tages einen solch explosiven Mix, dass er ein Loch in den Fussboden der Drogerie seines Lehrherrn sprengte. Dem Zorn seiner Eltern wollte der Junge nicht begegnen, und so sprang er auf einen Güterzug und vagabundierte durch die Gegend.
Er kam bei einem Geistlichen unter, der ihn auch Gott näher führen wollte, doch nachdem Harry die Show des Magiers «Fakir of Ava» gesehen hatte, wars um ihn geschehen. Er wollte sich nicht mit göttlichen Wundern beschäftigen, sondern selbst welche erschaffen. Auf der Bühne, wo er die Grenzen zwischen Illusion und Übernatürlichem zu verwischen beabsichtigte.
Isaiah Harris Hughes, wie der Fakir von Ava mit richtigem Namen hiess, nahm ihn als Assistenten zu sich und bald wurde aus Harry eine der prägendsten Figuren der goldenen Ära der Bühnenmagie.
Seine «Levitation of Princess Karnac» war ein spektakulärer Schwebetrick, bei dem er ein Mädchen scheinbar ohne Hilfsmittel in die Luft hob und zum Beweis, dass sie an keinerlei Drähten oder sonstigen Stützen hing, einen Ring um ihren Körper führte.
Allerdings hatte er die Nummer dem britischen Bühnenzauberer John Nevil Maskelyne geklaut, dem eigentlichen Erfinder der Grossillusion, dem Mann, der als Erster Menschen in Kisten verschwinden und durch Reifen schweben liess.
Bild: British Library Board
Dafür hockte er sich wieder und wieder in seine Show in der Egyptian Hall in London, jedes Mal an einen anderen Platz, um den Trick aus jedem Blickwinkel studieren zu können. Dennoch kam er nicht dahinter. Also bot er Maskelyne Geld an, der aber seinen Trick nicht verkaufen wollte. Und so kaufte Harry dessen Bühnentechniker – und kam durch ihn in den Besitz des geheimen Wissens, das er künftig dazu nutzte, in den USA zum grössten Illusionisten zu werden.
Mode, Teil 1
USA, 1962:
Ein Model und ein Ford Falcon Futura Convertible für «Vogue», fotografiert von Gene Laurents.
Mode, Teil 2
1907:
Der amerikanische Schriftsteller Mark Twain in seiner Oxford-Robe, nachdem er von der Universität den Ehrendoktortitel der Literaturwissenschaft (Doctor of Letters) verliehen bekommen hat.
Die Schweiz und ihre Bären (und wie einer einen Mord aufzuklären half)
Lausanne, Schweiz, 1937:
Hier, am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest, gehören die zwei Jungbären genauso zum Programm wie die Ehrendamen.
Schliesslich waren die Grossraubtiere einst Teil des Schweizerischen Inventars, zu Hause im Mittelland, im Jura und in den Alpen.
Der Bär aber galt den Menschen als Schädling, er riss Schafe und Ziegen, plünderte Bienenstöcke und verwüstete Obstgärten – eine Bedrohung für die Existenz vieler armer Bauern.
Also schoss man ihn und bekam dafür von den Gemeinden eine Prämie ausbezahlt. Und je moderner die Feuerwaffen wurden, desto effektiver wurde seine Dezimierung, bis sich schliesslich im Val S-charl in der Gemeinde Scuol im Unterengadin der letzte Bär der Schweiz herumtrieb.
Es war ein ausgewachsenes Weibchen. Und es trottete am 1. September 1904 vor die Flinten von Jon Sarott Bischoff und Padruot Fried, die an jenem Tag an der Flanke des Piz Posoc unterwegs waren, um Gämsen zu jagen. Fried überliess dem älteren Gefährten den Schuss. Dieser zielte und drückte ab, doch es folgte bloss ein Klick statt des erwarteten Knalls. Das Projektil hatte den Lauf nicht verlassen, und so kam es, dass Padruot Fried als der Schütze des letzten Bären in die helvetische Geschichte einging.
Damals als Held gefeiert, wird sein Name, den der Enkel in die Gegenwart trägt, heute eher angefeindet. Als Bärentöter, Ausrotter und Zerstörer wurde er schon beschimpft. Dabei war sein Grossvater nicht blutrünstig, er tat nur das, was man damals eben tat, sagt er. Was sogar erwünscht war.
Seither gilt der Braunbär in der Schweiz als ausgestorben. Seit 2005 aber wandern wieder einzelne Bären über die Landesgrenzen ein. 21 Bärenbesuche wurden seither registriert, die meisten blieben nur für ein paar Monate und gingen dann weiter nach Italien oder Österreich.
Nicht so JJ3. Dieses im Trentino geborene Männchen kannte keinerlei Menschenscheu und begann nach seinem Winterschlaf sofort damit, Nahrung in Siedlungen zu suchen: Er plünderte Abfallcontainer, Müllsäcke und Vorräte in den Dörfern rund um Savognin und Tiefencastel. Man versuchte ihn mit Lärm und Gummigeschossen zu vertreiben, doch er liess sich davon nicht beeindrucken. Und so wurde JJ3 zum Problembären erklärt. Bereits seine Mutter Jurka musste man in Italien in ein Gehege sperren, sein Bruder Bruno wurde nach mehreren Wochen Jagd in Bayern abgeschossen. Dieses Schicksal ereilte auch JJ3 am Abend des 14. April 2008.
«Ein Erlegen drängt sich als letzte Option auf, wenn ein Tier sich nicht konform aufführt», sagte dazu Reinhard Schnidrig, Chef Sektion Jagd, Wildtiere und Waldbiodiversität des Bundesamtes für Umwelt (BAFU). Wenn der Bär zum Risiko für die Menschen wird und deren Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden kann.
Der Abschuss von M13 folgte am 19. Februar 2013. Wieder ein Männchen, wieder aus dem Südtirol stammend, wo der Bär nahe Spiss erst einmal einen Baum umgestossen hatte, der daraufhin auf einen Strommast fiel und einen Brand auslöste. Die Tiroler Polizei suchte danach die Gegend ab und fand statt des Bären einen toten Mann im Hang liegen.
Auch er stammte aus dem Südtirol und war, wie später herauskam, von seiner Frau und deren Geliebtem ermordet worden. Die beiden wollten den Feinkosthändler loswerden, versuchten ihn erst zu vergiften, und als das nicht klappte, betäubten, schlugen und erdrosselten sie ihn, um seine Leiche dann den Abhang bei Spiss herunterzuwerfen. Nur lebte Peter Hilber noch einige Stunden, bis er seinen Verletzungen erlag.
«Inspektor Bär», wie M13 fortan genannt wurde, setzte derweil seinen Weg fort – und dieser führte ihn in die Schweiz, wo er Bienenstöcke und Mülltonnen auszukratzen begann, einmal schlug er Schafe in die Flucht, ein anderes Mal Reiterinnen. Es kamen die Wildhüter mit ihrem Gummischrot, bis er im Wald verschwand. Man riet den Bienenzüchtern zu Elektrozäunen, den Schafzüchtern zu Herdenschutzhunden. Wieder Gummischrot und amerikanische Bärenmunition. Es half nicht viel; der Bär riss Zäune ein und drückte seine Nase an die Scheiben von Engadiner Häusern.
In Scuol versammelt sich daraufhin der Kleinviehschutz Graubünden, rund 60 Bauern und Imker sitzen im Saal und einer fragt: «Was muss denn noch passieren, bis jemand etwas macht?»
M13 verschwand zwischenzeitlich nach Österreich und Italien. Aber er kam immer wieder in die Schweiz zurück. Am 9. Juli 2012 holte er sich im Puschlav ein Schaf, am nächsten Tag ein zweites. Er schnupperte an den Blumen eines Gartens und erschreckte eine Frau mit seiner wahren Existenz, nachdem dieser klar geworden war, dass es sich bei M13 nicht um ein Pferd handelte. Er riss weitere sieben Schafe im Val di Campo, dann wechselte er die Talseite, wo er sich noch einmal zwei holte.
Am 20. September erwischt es eine trächtige Eselin im Val d'Ursé, gefolgt von zwei weiteren Schafen. Politiker werden allmählich nervös, während M13 weiterhin unbeirrt weiterzieht. Am 12. November bricht er am Monte Rosa in ein Ferienhaus ein, wo er den Staubsauger zerfetzt und im Garten Kartoffeln ausgräbt.
Der Vorsteher des Bau-, Verkehrs- und Forstdepartements, der Jagdinspektor des Kantons Graubünden und jener der gesamten Eidgenossenschaft kamen gemeinschaftlich zum Schluss, dass M13 nun eindeutig zum Problembären geworden war.
Als M13 nach seinem Winterschlaf am 16. Februar 2013 am Ufer des Lago di Poschiavo zwei Touristen folgte und ein 14-jähriges Mädchen im Dorf Miralago fast zu Tode erschreckte, schossen die Wildhüter mit scharfer Munition in die Erde vor die Bärentatzen.
Drei Tage später war der Bär tot. Getroffen von einem Blattschuss aus einer schweizerischen Dienstwaffe sank er nach ein paar wankenden Schritten ins steile Geröll über dem See.
M13 wurde drei Jahre alt.
Am 20. Juni 2013 wurden Tanja B. und Christoph M. wegen gemeinschaftlichen Mordes an Tanjas Ehemann Peter Hilber zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest: Das Liebespaar hatte seinem Opfer 14 Mal mit einem kantigen Gegenstand auf den Kopf geschlagen, es dann mit einer Schlinge zu erdrosseln versucht und danach in einer eigens dafür gebauten Holzkiste über die Grenze nach Tirol transportiert, um es bei Spiss in die abgelegene Schlucht zu werfen.
Wäre M13 nicht da gewesen, wäre Peter Hilbers Leiche vielleicht niemals aufgetaucht.
Die Überreste des Bären befinden sich heute im Museo Poschiavino.
Werbefoto-Shooting mit Mel Gibson
USA, 1995:
Natürlich für das epische Historiendrama «Braveheart».
Coca-Cola, sein Kokain und warum es seinem Erfinder keinen Reichtum bescherte
Vicksburg, Mississippi, USA, 1894:
So sah die erste Flasche Coca-Cola aus. Was im Originalrezept von John Pemberton zu finden war, ist aber noch viel erstaunlicher:
- Zucker
- Wasser und Limetten-/Zitronensaft (als Säurequelle)
- Karamell (für die braune Farbe)
- Koffein (u.a. aus Kolanussextrakt)
- Ein geheimes Aromagemisch («7X‑Flavor») aus ätherischen Ölen, u.a. Orange, Zitrone, Muskat, Koriander, Neroli, Zimt
- Coca‑Blattextrakt
Sprich, es war Kokain drin, ungefähr neun Milligramm pro Glas, was bei oraler Aufnahme allerdings etwa so stimulierend wirkt wie eine starke Tasse Kaffee. Zum Vergleich: Eine gewöhnliche Line, die durch die Nase aufgenommen wird, enthält ca. 50 bis 75 mg Kokain.
Schliesslich war Pemberton Apotheker. Und sein Sirup wurde damals nicht als Erfrischungsgetränk, sondern als Heil- und Stärkungsmittel verkauft. Zunächst glasweise am Sodabrunnen in der Jacobs' Pharmacy, die ein Stück die Strasse hinunter von Pembertons laborähnlicher Praxis lag. Es sollte gegen Kopfschmerzen, Nervosität, Müdigkeit und Verdauungsprobleme helfen. Aber vor allem gegen Morphiumsucht, unter der er selbst litt, seit er sich im Amerikanischen Bürgerkrieg eine Brustverwundung durch einen Säbelhieb zugezogen hatte.
Coca-Cola war die Weiterentwicklung seines French Wine Coca, dem das Alkoholverbot von Atlanta 1885/86 den Garaus machte. Also entwickelte Pemberton seinen alkoholfreien Sirup, den er, bereits schwer an Magenkrebs erkrankt, 1887 patentieren liess. Doch lange konnte er sich daran nicht erfreuen. Er brauchte Geld, um seine Sucht finanzieren zu können, und so verkaufte er seine Erfindung, Stück für Stück, dem Geschäftsmann Asa Griggs Candler.
Als er am 16. August 1888 starb, blieb seinem Sohn Charley einzig das Namensrecht, das dieser schliesslich für seine Opiumsucht an den bereits gierig lauernden Candler hingab.
Charley Pemberton starb nur sechs Jahre später seinem Vater hinterher: Eine Überdosis Rohopium hatte ihm den Rest gegeben.
Asa Griggs Candler wurde Multimillionär und Bürgermeister von Atlanta.
Das Leben geht weiter
Berlin, 1946:
Das Grab von drei deutschen Soldaten an der Havel.
Der Fall Bachmeier
Lübeck, Deutschland, 1982:
Die Gastwirtin Marianne Bachmeier geht durch einen Pulk von Fotografen zu ihrem Platz im Gerichtssaal, wo sie sich wegen Mordes am Mörder ihrer Tochter verantworten muss.
Am 6. März 1981 schmuggelte sie eine Pistole mit in den Gerichtssaal, trat hinter den Angeklagten und feuerte acht Mal in seinen Rücken; sechs Kugeln trafen Klaus Grabowski tödlich, der dort sass wegen Mordes an Anna Bachmeier. Der 35-jährige Schlachter hatte gestanden, das Mädchen sexuell missbraucht und erdrosselt zu haben. Anna war sieben Jahre alt.
13 Jahre nach ihrer Tat sagte Marianne Bachmeier in einem Rundfunkinterview:
Das ‚Wie’ bei mir war ein bisschen anders. Ich bin also da reingegangen, ich hab diesen Rücken gesehen, ich hab projiziert vor seinem Rücken praktisch noch mal Anna gesehen, also das war eine Übertragung aus seinem ‹ich zog etwas fester zu›, das spielte sich in dem Moment noch mal vor meinen Augen ab, und da hab ich geschossen. Ich glaube, das ist ein kleiner Unterschied.»
Das sah die halbe deutsche Bevölkerung so. Marianne Bachmann wurde für ihren «männlichen» Racheakt gefeiert, er hob sich so wohltuend ab von der «verweichlicht» agierenden Justiz in Sachen Sexualvergehen an Kindern.
Sie genoss grossen Rückhalt in der Bevölkerung, zumindest bis sie nicht mehr ins Bild der bürgerlich-mythischen Rachemutter passte, das die Medien ganz ohne ihr Zutun erschaffen hatten.
Als man erfuhr, dass sie ihr erstes Kind mit 16, das zweite mit 18 bekommen hatte. Und dass sie beide Kinder kurz nach der Geburt zur Adoption freigab. Dass sie Anna, ihr drittes Kind, allein grosszog und nebenbei eine alternative Kneipe betrieb. Dass sie vergewaltigt worden war.
Bald passte die Ikonisierung nicht mehr, dafür war ihr Leben zu flatterhaft. Man warf ihr vor, ihre Tochter vernachlässigt zu haben – und als man sich einmal quer durch ihre Sexualität gewühlt hatte, rümpfte man die Nase. Marianne Bachmeier hatte in den Augen der Öffentlichkeit moralisch versagt. Und mit diesem Versagen verlor sie auch das Recht auf Rache.
Das Lübecker Landgericht verurteilte Marianne Bachmeier im März 1983 wegen Totschlags und unerlaubten Waffenbesitzes zu sechs Jahren Gefängnis. Es sei weder Selbstjustiz noch heimtückisch geplanter Mord gewesen, sie habe vielmehr unter aussergewöhnlichen Umständen spontan gehandelt.
Nach Verbüssung von zwei Jahren wurde sie 1985 vorzeitig entlassen, der Rest der Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Sie wanderte aus, erst nach Nigeria, dann nach Sizilien. Ihre letzten Monate verbrachte sie in Deutschland.
Marianne Bachmeier starb mit 46 Jahren an Krebs.
Und noch einmal ein bisschen Magie für zwischendurch
USA, 1914:
Dieses Mal mit Howard Thurston (1869–1936), dem Erben von Harry Kellar, der sich erst als «King of Cards» einen Namen machte und später nicht nur Karten, sondern ebenso Frauen zum Schweben und Verschwinden brachte. Und natürlich waren seine ganzen Illusionen spiritistisch angehaucht, also mussten notgedrungen auch Totenköpfe und kleine Teufelchen aufs Plakat.
Bosnienkrieg
Bosnien-Herzegowina, 1992:
Das Bild heisst «Abandoned children» und stammt vom britischen Fotojournalisten Simon Townsley.
«Feed sack fashion»
Kansas, USA, 1939:
Ein Lagerarbeiter schiebt bunt bedruckte Mehlsäcke aus der Sunbonnet-Sue-Mühle. Sie sind aus feinem Baumwollstoff gewebt und mit Blumen, Punkten und kleinen Motiven verziert, kommen also nicht in schlichter Industriepackung daher.
Die Wirtschaftskrise von 1929 – die Great Depression – brachte viele US-amerikanische Mütter dazu, die Zucker-, Tierfutter- oder eben Mehlsäcke weiterzuverwenden und daraus Kleidung, Unterwäsche oder Vorhänge zu fertigen. Und als die Hersteller merkten, wie verbreitet diese Praxis war, begannen mehrere Firmen damit, nicht nur die Stoffqualität ihrer Säcke zu verbessern, sondern auch hübsche Muster daraufzudrucken, wobei sich die Aufdrucke auswaschen liessen.
Das Minenfeld-Paradox
Falklandinseln, 1982:
Am 2. April 1982 landeten argentinische Truppen auf den Falklandinseln; sie sollten den Anspruch des südamerikanischen Landes auf das Territorium im Südatlantik militärisch geltend machen, das seit dem 19. Jahrhundert britisches Überseegebiet ist. Erst wurde zur See, dann an Land gekämpft. Nach gut zehn Wochen endete der Krieg mit einem britischen Sieg.
Er forderte das Leben von 655 Argentiniern, 255 Briten und drei Inselbewohnern. Und die Ölverschmutzung durch die versenkten Kriegsschiffe sollte die Nahrungskette der Königspinguine derart beeinträchtigen, dass ihre Kolonie auf den Inseln um mindestens die Hälfte schrumpfen sollte.
An den Stränden rund um Stanley und Yorke Bay aber, wo die argentinischen Soldaten rund 20'000 Landminen hinterlassen hatten, bekamen die kleinen und für das Auslösen der Sprengsätze zu leichten Magellan- und Eselspinguine ein unverhofftes Naturschutzgebiet. Dadurch, dass die Briten das Gebiet nach dem Krieg mit Stacheldraht absperrten und mit Warnschildern versahen, konnten die Seevögel dort 38 Jahre lang ohne störende Besuche von Menschen und Vieh brüten.
Im November 2020 wurde die letzte Landmine feierlich gesprengt und das Gebiet wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Und nicht nur das: Yorke Bay wurde als Touristenattraktion vermarktet – mit geführten Touren zu den Eselspinguin-Kolonien.
2025 kam die Vogelgrippe hinzu und verlangte die abermalige Sperrung des Gebiets. Welch bittere Ironie: Jahrzehntelang schützten Landminen die Pinguine, bis nur wenige Jahre nach der Räumung ein Virus die Kolonie dezimiert.
Spaghettiplausch
Positano, Italien, 1949:
Die 18-jährige Londoner Studentin Mercy Haystead geniesst einen Teller Spaghetti während ihres Urlaubs in Italien.
Noch ein letztes Mal Magie
Mit dem Entfesselungskünstler Harry Houdini (1874–1926).
Arnie forever
Mexiko-Stadt, Mexiko, 1983:
Arnold Schwarzenegger und André the Giant am Set von «Conan the Destroyer».
Mit «Porn» können im Englischen auch TV-Shows, Artikel oder eben Fotos gemeint sein, die ein übermässiges, unwiderstehliches Verlangen nach oder Interesse an etwas befriedigen sollen.
