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Interview

Nicht erst seit der Bluttat von Rupperswil – «Hunde-DNA wird bei der Fahndung immer wichtiger»

Nicht nur die DNA von Menschen kann Verbrecher überführen, sondern auch jene ihrer Haustiere. Nadja Morf vom Institut für Rechtsmedizin in Zürich hat sich auf die DNA von Hunden spezialisiert. Im Interview sagt sie, wie im Fall Rupperswil Thomas N. von seinen Huskies verraten worden sein könnte.



Thomas N., der geständige Mörder von Rupperswil, sitzt hinter Schloss und Riegel. Wie ihm die Fahnder auf die Schliche gekommen sind, weiss die Öffentlichkeit nach wie vor nicht. Die jüngste Theorie besagt, Hundehaare könnten zu Thomas N. geführt haben. 

Nadja Morf erstellt an der Universität Zürich Hunde-DNA-Profile. Sie weiss, was heute schon möglich ist und wie die Zukunft auf diesem Gebiet aussehen wird.   

Thomas N.

Thomas N., der Vierfachmörder von Rupperswil, war Halter von Huskies. 
bild: screenshot tele m1

Können Hundehaare tatsächlich zu einem menschlichen Täter führen?
Nadja Morf: Ja, das ist so und mit den heutigen Mitteln möglich. Lässt ein Täter Haare von seinem Hund an einem Tatort zurück, dann muss er erklären, wie diese dorthin gekommen sind. 

Das müssen Sie Schritt für Schritt aufzeigen. Erstens: Wann werden Sie bei einem Verbrechen überhaupt beigezogen?
Findet die Polizei bei einem Verbrechen Hundehaare, die etwas mit der Tat zu tun haben könnten, schaltet sie uns ein. 

Nadja Morf

Nadja Morf

Die 35-jährige Nadja Morf ist Biologin am Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich. Ihr Spezialgebiet ist tierische Forensik. Sie ist die einzige Fachfrau in der Deutschschweiz, die forensisch relevante DNA-Analysen von Hunden durchführen kann. Die DNA kann per Haare, Blut, Speichel oder Urin ermittelt werden. Morf war in keiner Weise in den Fall Rupperwil involviert. (feb) 

Was geschieht dann?
Wie bei den Menschen sucht die Polizei am Tatort nach allen möglichen DNA-Spuren und bringt diese zu uns. Das können tierische Blutstropfen sein oder eben Hundehaare. Dabei kommt es nicht nur auf die Menge, sondern auch auf die Qualität an. Blutstropfen enthalten mehr DNA als Hundehaare, wobei es qualitativ auch bei Blut grosse Unterschiede gibt. 

Welche denn?
Liegt ein Blutstropfen lange an der Sonne, verschlechtert sich seine DNA-Qualität, ebenso bei grosser Feuchtigkeit. 

Nehmen wir an, Sie finden genügend DNA in anständiger Qualität. Was folgt?
Wir erstellen ein DNA-Profil. Und danach müssen wir einen Vergleichshund haben, um unsere Arbeit fortsetzen zu können.

Das heisst, Sie müssen die DNA-Probe eines Hundes von einem verdächtigen Verbrecher einholen?
Ganz genau. Die Polizei holt die DNA mittels Wangenschleim-Hautabstrich des Hundes des Verdächtigen. Danach überprüfen wir die beiden Profile. Stimmen sie überein, hat der Hundehalter einiges zu erklären.

Wenn ich Sie richtig verstehe, ist es also nicht möglich, anhand von Hundehaaren die Rasse zu erkennen und so auf den Täter zu schliessen?
Die Rasse anhand von Haaren zu bestimmen ist fast unmöglich. Es gibt rund 400 verschiedene Hunderassen und die Haare unterscheiden sich zum Teil nur durch Kleinigkeiten. Husky-Haare wie im Fall Rupperswil kann höchstens ein sehr erfahrener Experte als solche erkennen. Wir nicht, das ist nicht unser Fachgebiet. Hat jedoch jemand in der Wohnung in Rupperswil Hundehaare verloren, könnten wir aufzeigen, dass diese nicht zum Hund der Opferfamilie gehören, dass da also noch jemand anderes war, der einen Hund besitzt. Ob das untersucht wurde oder nicht, entzieht sich meiner Kenntnis. Wir hatten nichts mit dem Fall zu tun. 

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Trägt ein Hundehalter immer Haare seines Haustieres auf sich? 
Davon gehen wir aus. Hundehaare verschwinden auch mit dem Waschen nicht. Selbst wenn sich jemand wirklich gründlich duscht und seine Kleider abrollt, können Haare seines Hundes zurückbleiben.

Wie gross ist die Chance, das Fälle dank Hunde-DNA gelöst werden? 
Wie bereits angetönt, kommt es auf die DNA-Qualität sowie auf die Menge an. Und ich muss einen Vergleichshund haben, sonst nützt alles nichts. 

Warum wird die Fahndungsmethode mittels Hunde-DNA immer wichtiger? 
Schlicht und einfach weil wir es können und weil Polizei und Staatsanwaltschaft heute wissen, dass es das gibt und wir sie bei der Fahndung unterstützen können. Die Methode etabliert sich, sie ist ein zusätzliches Fahndungsmittel. Zudem gibt es bei uns immer mehr Hunde und auch Katzen.

Wie viele Fälle bearbeiten Sie pro Jahr?
Eine Zahl zu nennen ist schwierig. Es dürften gegen 20 tierische Fälle sein. 

«Ob es unter Tierhaltern verhältnismässig viele Verbrecher gibt, kann ich nicht sagen. Das untersuchen wir nicht.»

Können Sie ein Beispiel machen?
Als an einem Ort ein Tier mehrere Rehe riss, wurden wir eingeschaltet und konnten per DNA nachweisen, welcher Hund dafür verantwortlich war. Wir bearbeiten aber auch immer wieder Fälle von Hundebissverletzungen bei Menschen. 

Stellt sich da nicht die Frage der Verhältnismässigkeit?
Das entscheiden nicht wir. Das ist Sache der Polizei und der Staatsanwaltschaft. ​

Weiten Sie Ihre Arbeit in Zukunft auf andere Tiere aus?
Weil es immer wieder zu Wilderei und auch zu Fahrerflucht im Zusammenhang mit Rehen kommt, folgen diese bei uns in der tierischen Forensik auf die Hunde. Grundsätzlich sind alle Tierarten möglich. In Deutschland arbeitet die Polizei etwa mit Katzen-DNA. 

Letzte Frage: Gibt es unter Tierhaltern verhältnismässig viele Verbrecher?
(Lacht). Das kann ich beim besten Willen nicht sagen. Das untersuchen wir nicht.

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