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bild: shutterstock / watson
Emma Amour

Belauscht: Männer über «Bitches», «Brüste» und MDMA-Bowlen

Der eine «bumst eine nervige Frau», der andere leidet unter Trennungsschmerz , ein Dritter sendet falsche Signale. Der Vierte verpennt alles. Und die heimliche Fünfte ... bin ich!
13.07.2018, 10:1714.07.2018, 08:55

«Shiiit, Alter, hast das Füdli gesehen?!» Der «Alte» dreht sich um, inspiziert die zum Po dazugehörige Frau: «Scho easy, aber biz z chlini Brüscht!»

Es könnte der Eindruck entstehen, dass ich eine Horde Teenager auf dem Pausenplatz beobachte. Das ist nicht so. Ich liege an diesem Samstagnachmittag alleine in der Badi. Neben einer Gruppe Männer. Ich schätze sie auf Anfang 30.

Einer spielt in einer Band. Der Zweite ist sauer, weil sein Fixie geklaut wurde. Der Dritte ist so verkatert, dass er, egal, was man sagt oder fragt, mit «NEINEINEI!» antwortet. Der Vierte, ein langhaariger Partygänger, will am WM-Final unbedingt eine Dachterrassen-Sause mit  – ich drücke es jetzt nett aus – vielen Frauen und einer MDMA-Bowle feiern.

Nun zum Wesentlichen. Zu ihren Liebesleben.

Beim Verkaterten läuft es scheisse. Es ist nicht so, dass er keinen Sex hat. Er vögelt zurzeit eine Tina. «Besser als nichts», findet er. Bloss: «Tina ist anstrengend». Sagt er ihr im Ausgang nicht Hoi und «chillt ein bisschen mit ihr im Club, wird sie hässig». Versteht der Verkaterte nicht. Er findet's voll mühsam. Noch ätzender findet er Dating-Apps. «NIE gsehnd's so us wie uf dä Pics.»

Dann schläft der Verkaterte ein. An der prallen Sonne. Ich mache mir Sorgen um seine Haut.

Von unaufälligen Boodyscans und falschen Signalen

Der, der in einer Band spielt, ist ziemlich verknallt. «Wir chillen zwar easy die ganze Zeit zusammen. Es läuft aber nichts.» Warum weiss er nicht. Ob er ihr schreiben soll? Und fragen, ob sie auch baden kommt? «Dann kann ich wenigstens mal unauffällig einen Bodyscan machen.»

Ich liebe dieses Gespräch.

Die Bros raten, das Mädchen zum Baden einzuladen. Er schreibt ihr. Bevor er das SMS abschickt, liest er's vor. Er will wissen, ob er das so schicken kann. War ich mir bis jetzt sicher, dass Männer sowas nicht machen, belehrt er mich hier gerade eines Besseren.

(Und, Dude, falls du mitliest: Dein SMS war grandios.)

Der, der um sein Fixie trauert, trauert zeitgleich auch seiner Ex nach. «Bitches, alles Bitches. Sie die grösste von allen!» Ich kann nicht eruieren, was ihm die «Bitch» angetan hat. Aber er dreht gerade einen besonders grossen Joint. 

Der, der in einer Band spielt, ist jetzt ganz nervös: Seine Herzdame hat geantwortet. Sie kommt. Sofort macht er seine Haare auf, zupft an seiner Badehose rum, bittet die Crew, einen Platz für das Mädel frei zu machen. Am wichtigsten aber ist:

«Hey Jungs, benähmed eu eifach!»

Selbst ich bin jetzt etwas co-aufgeregt und freue mich auf den Damenbesuch.

Der, der aktuell die mühsame Tina vögelt, nebelt mich als Erster mit dem eben gedrehten XL-Joint ein. Der Verkaterte ist schon wieder eingepennt. Der mit dem gebrochenen Herzen hört seine eigene Musik, als die Herzdame kommt.

Eine herzige Brünette. Bob, blaue Augen, Trägerkleidchen, Chucks. Passt wunderbar zu dem, der in der Band spielt. Sie begrüsst ihn mit einer Umarmung. Und zieht sich aus. Er gibt sich sehr viel Mühe, nicht zu starren.

Ich bin so fest für ein Happy End hier!

Die beiden gehen baden. Dummerweise hängen sich alle ausser der verkaterte Schlafende an die zwei. Mensch, Männer!

Achtung vor der Friendzone-Falle!

Nach dem Baden cremen sich die zwei Eben-nicht-Turteltauben gegenseitig den Rücken ein. Er ist sichtlich nervöser als sie. Dann hauen die Jungs kollektiv ab. Schnell zur Tanke Bier und Einweggrill holen.

Ich lächle die Bob-Lady an. Sie lächelt zurück. Dann, bevor ich überhaupt überlegen kann, schiesst's aus mir raus: «Also, schau, so von Mädel zu Mädel verrat ich dir jetzt was: Der Rückeneincrémer steht auf dich.»

«Nicht wahr, oder!?», fragt sie. «Und wie», antworte ich.

Dann sprudelt es aus ihr raus. Sie sei schon seit Date 1 total in den verknallt. Er mache aber so null Anstalten und sende ihr gar keine Zeichen. «Ich war mir sicher, dass ich in der Friendzone gefangen bin.»

Mein Job hier ist erledigt. Während ich mein Zeugs zusammenpacke, ermutige ich sie noch einmal, halt selber den ersten Schritt zu machen. Sie fällt mir um den Hals, bedankt sich und strahlt übers ganze Gesicht.

Liebes Bob-Mädchen und lieber der, der in einer Band spielt: Die Einladung zu eurer Hochzeit nehme ich gerne unter emma.amour@watson.ch entgegen. <3

Liebe Männer: Sorry fürs heimliche Belauschen. Und danke für all die Erkenntnisse, die ich dank euch hatte. Als Gegenleistung geht die nächste Tanke-Bier-Runde auf mich. Aber nur, wenn ihr aufhört, Frauen «Bitches» zu nennen. Deal?

PS: Ihr seht imfall in natura auch nie wie auf euren Tinder-Bildern aus.

Adieu,

PPS: Ich bin derzeit in einem Funkloch in den Ferien und kann leider nicht mit euch mitkommentieren, excusez moi!

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Das bin nicht ich, aber so würde ich als Shutterstock-Illustration aussehen. Öppe.
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bild: shutterstock/unsplash/watson

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