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Wer gestresst ist, wird anfälliger für Krankheiten. Bild: shutterstock

Freie Radikale und oxidativer Stress – was ist das und wie werde ich es los?



Ein Artikel von

Gesundheitsexperten schätzen, dass 80 Prozent aller schweren körperlichen Erkrankungen durch freie Radikale und oxidativen Stress verursacht werden. Jede einzelne unserer 70 Billionen Körperzellen wird täglich mindestens 10'000-mal von freien Radikalen angegriffen. Doch so deprimierend diese Feststellung auch scheinen mag, der Mensch ist sehr wohl in der Lage, die zerstörerischen Teilchen in Schach zu halten.

Die 6 wichtigsten Fragen und Antworten.

Was sind freie Radikale?

Der Begriff freie Radikale stammt von dem US-amerikanischen Gerontologen Denham Harman, der die zerstörerischen chemischen Verbindungen bei seinen Forschungen zum Alterungsprozess «entdeckte». Freie Radikale sind kurzkettige, äusserst reaktionsfreudige Sauerstoffmoleküle. Sie sind positiv geladen, da in ihrer Aussenschale ein Elektron fehlt. Daher sind sie bestrebt, sich das negativ geladene Teilchen so schnell wie möglich zu beschaffen. Dank ihrer starken Bindungskräfte ziehen sie alle in der Nähe befindlichen Zellen an und rauben ihnen das begehrte Elektron.

Freie Radikale werden vom Körper beispielsweise während der Energiegewinnung in den Zell-Mitochondrien gebildet. Bei der Bekämpfung von Krankheitserregern sind sie sogar ausgesprochen nützlich.

Was bewirken freie Radikale?

Zellwände, DNA (Träger der Erbinformation), die Rezeptoren an der Zelloberfläche und andere Moleküle in der Zellumgebung werden beschädigt oder funktionsunfähig gemacht. Durch das fehlende Elektron wird die Zelle nun selbst zum freien Radikal. Der grossflächige Angriff führt zum vorzeitigen Absterben der Zellen. Es kommt zu Erkrankungen und Schmerzen. Erfolgt die Attacke während der Zellteilung, wird die DNA beschädigt: Mutationen und sogar Krebs können entstehen.

Der Streifzug der freien Radikale sorgt dafür, dass der Körper immer weniger lebensnotwendige Eiweisse produziert. Die für Stoffwechselvorgänge wichtigen Enzyme werden deaktiviert. Die Zerstörung der Rezeptor-Proteine auf der Zelloberfläche führt dazu, dass die Zelle ihre Funktion nicht mehr erfüllen kann oder selbst nicht mehr mit ausreichend Energie versorgt wird. Je nachdem, welche Funktionen und Bereiche geschädigt werden, kommt es zu Bluthochdruck, Arteriosklerose, faltiger Haut, Sehstörungen, Schlaganfall, Demenz und Gelenkerkrankungen.

Was ist oxidativer Stress?

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Oxidativer Stress entsteht immer dann, wenn zu viele freie Radikale gleichzeitig auf Elektron-Raubzug gehen. Es kommt zum Säure-Überschuss im Körper. Die Zellen drohen zu ersticken und versuchen nun ihrerseits, schnell neue Zellen zu produzieren – was ihnen aber oft nicht mehr gelingt. Durch die Übersäuerung gerät der Säure-Basen-Haushalt durcheinander. Der Körper wird anfällig für Krankheiten.

Welches sind die Ursachen für oxidativen Stress?

Ein dauerhaftes Zuviel an Nahrungsmitteln erhöht den Stoffwechsel und verbraucht mehr Antioxidantien als normalerweise benötigt werden. Freie Radikale werden in grossem Umfang freigesetzt.

Wie kann man sich gegen die schädlichen freien Radikale schützen?

Um sich vor den freien Radikalen zu schützen, setzt der Körper Antioxidantien ein. Sie reparieren beschädigte Zellwände und zerstörte Erbsubstanz und geben freiwillig eines ihrer Elektronen ab, um die freien Radikale unwirksam zu machen. Da die Antioxidantien dadurch meist kurzfristig selbst zu freien Radikalen werden, benötigen sie die Hilfe anderer antioxidativer Stoffe. So versorgt Vitamin C beispielsweise das zu einem freien Radikal gewordene Vitamin E mit einem Elektron.

Da der Körper nur die antioxidativ wirkenden Enzyme selbst produzieren kann, muss man die restlichen Antioxidantien über die tägliche Nahrung zuführen. Sie können jedoch nur dann wirksam oxidativen Stress verhindern, wenn man sie in ausreichender Menge und möglichst grosser Vielfalt aufnimmt.

Welche Antioxidantien gibt es?

Zu den die freien Radikale bekämpfenden Stoffen gehören Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Enzyme, bestimmte Aminosäuren und sekundäre Pflanzenstoffe (Polyphenole). Sie alle sind in Früchten, Gemüse, Salaten, Kräutern, Keimlingen, Wildpflanzen, naturbelassenen Pflanzenölen und Fetten, Nüssen, Ölsaaten und einigen tierischen Lebensmitteln enthalten.

Die wichtigsten antioxidativ wirkenden Vitamine sind Vitamin A und seine Vorstufe Beta-Carotin, die gesamte Vitamin B-Gruppe, Vitamin C, D und E. Bei den Spurenelementen sind es im wesentlichen Eisen, Selen und Zink, die die gefährlichen Moleküle entschärfen. Als Radikalfänger punktet auch die Aminosäure Glutathion, ein Tripeptid, das beschädigtes Vitamin C repariert, selbst freie Radikale inaktiviert und kaputte Erbsubstanz wieder aufbaut. Ausserdem sind die Enzyme Superoxid-Dismutase (SOD) und Coenzym Q10 starke Gegner im Kampf gegen die schädigenden Sauerstoff-Teilchen.

Sekundäre Pflanzenstoffe sind Substanzen, die die Pflanze gegen eigene Fressfeinde und Krankheitserreger einsetzt. Starke Radikalfänger sind beispielsweise Flavonoide wie OPC (in Traubenkernen enthalten), Anthocyane (Aronia-Beere) und das im Knoblauch vorkommende Allicin, das vor Arteriosklerose schützt.

Vitamin A und Beta-Carotin schützen Zellwände und Erbsubstanz und sind am effizientesten, wenn sie zusammen mit Fetten konsumiert werden. Vitamin A kommt in Käse, Milch, Meeresfisch, Butter und Eigelb vor. Vitamin C wirkt ähnlich und arbeitet mit Vitamin E zusammen. Ausserdem regt es noch zusätzlich die Produktion von Glutathion an. Acerola-Kirschen, Sanddorn und Hagebutten haben einen sehr hohen Vitamin C-Gehalt. Vitamin E ist in die Zellmembran eingelagert, schützt die ungesättigten Fettsäuren und arbeitet dabei mit Selen zusammen. Man findet das Vitamin hochkonzentriert in Kokos- und Weizenkeimöl. Eisen, Selen und Zink sind hingegen nur als Bestandteile von Enzymen anti-oxidativ. Zink hält giftige Schwermetalle von Proteinen und Enzymen fern.

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