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epa06297283 Switzerland's Roger Federer (C) eats pizza with ball kids after defeating Argentina's Juan Martin del Potro in their final match of the Swiss Indoors tennis tournament at the St. Jakobshalle in Basel, Switzerland, 29 October 2017.  EPA/ALEXANDRA WEY

Nach seinem achten Heimsieg spendiert Roger Federer den Ballmädchen und Balljungen Pizza. Bild: EPA/KEYSTONE

Roger Federer: «Ich werde vielleicht früher aufhören, als die meisten denken»

Konfrontiert mit der eigenen Vergänglichkeit, treibt Roger Federer die Lust am Rausch der Emotionen an.

simon häring / Aargauer Zeitung



Roger Federer wurde schon von Christina Fernandez de Kirchner, der damaligen Präsidentin Argentiniens, empfangen. Er hatte eine Audienz beim brasilianischen Volkshelden, dem ehemaligen Fussballer Pele. Oder sprach vor der UNO. Er fühlt sich auf dem roten Teppich genauso wohl wie auf dem Tennisplatz. Gestern besiegt Roger Federer (36) im Final der Swiss Indoors Basel Juan Martin Del Potro (29, ATP 19) mit 6:7, 6:4, 6:3. 2012 und 2013 war er dem Argentinier im Final unterlegen. Es ist sein achter Erfolg in Basel.

Diesmal überreicht ihm mit Fabian Cancellara ein zweifacher Rad-Olympiasieger den Pokal. Es folgen lobende Worte: Für den Gegner, für das berauschte Publikum, auch für die Organisatoren.

Alle Turniersiege von Roger Federer als Profi

Dann verteilt Federer Medaillen an die Balljungen und Ballmädchen, denen er später im Bauch der Halle Pizza offeriert. Sieben der elf Turniere, die er in diesem Jahr bestritt, hat Federer gewonnen. Er hält nun bei 95 Titeln, nur Jimmy Connors (109) kommt auf noch mehr Turniersiege als er.

Nun könnte man meinen, das alles – die Pokale, die Ehrungen, die immer gleichen Reden – würde irgendwann Gewohnheit. Aber nicht für einen wie Federer. 19 Jahre nach seiner ersten Teilnahme scheint er unersättlich. Nur ist es heute weniger die Jagd nach Pokalen, die ihn antreibt. Sondern vielmehr der Rausch der Emotionen. Der Final ist kein Schaulaufen. Den ersten Satz verliert er nach einer 3:0-Führung im Tiebreak. Im dritten liegt er mit Break hinten. Es ist ein Kampf mit dem Gegner, aber auch einer mit sich selbst.

Schlüssel zum Erfolg

Federer hadert. Federer flucht. Federer schlägt mit dem Racket auf die Netzkante. «Hier in Basel möchte ich es speziell gut machen», erklärt er später. Einmal wird er in dieser Woche gefragt, ob er heute besser sei als vor ein paar Jahren. Die Rückhand sei besser, beim Aufschlag habe er mehr Power. «Und die Vorhand war schon immer meine Stärke», sagt er. Dass er sich täglich die Frage stellt, welchen Aspekt seines Spiels er noch verbessern kann, ist einer der Schlüssel seines Erfolgs.

«Ich wünschte, ich wäre nochmals 24 Jahre alt.»

Roger Federer

Ein anderer ist die Erkenntnis, dass er nach zwei Jahrzehnten auf der Profi-Tour mehr Pausen braucht. «Sie helfen dem Körper, zu regenerieren, aber auch dem Kopf: Ich kann abschalten, Distanz gewinnen. Dann kommt die Vorfreude zurück, ich spüre wieder die Nervosität. Wenn man immer spielt, erlischt das Feuer, alles wird zur Normalität», sagt er im Sommer nach einer dreimonatigen Pause.

epa06297126 Switzerland's Roger Federer kisses the trophy during the award ceremony after the final between Switzerland's Roger Federer and Argentina's Juan Martin del Potro at the Swiss Indoors tennis tournament at the St. Jakobshalle in Basel, Switzerland, on Sunday, October 29, 2017.  EPA/GEORGIOS KEFALAS

Bereits sieben Trophäen konnte Federer in diesem Jahr küssen. Bild: EPA/KEYSTONE

«Ich muss bei meiner Planung cleverer sein als früher. Ich wünschte, ich wäre nochmals 24. Aber ich muss solche Entscheidungen treffen. Für mich und für meine Familie

Gerne bemüht der Baselbieter das Bild, wonach er jetzt nur noch Teilzeit arbeite, um seine Laufbahn noch um drei bis vier Jahre verlängern zu können. «In diesem Pensum machen mir Training und Reisen nichts aus.»

«Es tut mir Leid für Paris, dass ich nicht teilnehmen kann.»

Roger Federer

Es ist auch als Konzession an die eigene Vergänglichkeit zu verstehen. Den eingeschlagenen Weg geht er mit bewundernswerter Konsequenz. Eine halbe Stunde nach dem Erfolg in Basel sagt er seine Teilnahme beim Masters-Turnier von Paris-Bercy ab. «Mein Körper verlangt nach einer Pause. Ich kann es fühlen. Ich weiss, man sieht das nicht auf dem Platz und nicht alle verstehen das. Es tut mir leid für Paris.» Damit ist die Chance, das Jahr als Nummer 1 der Welt zu beenden, nur noch verschwindend klein.

Roger Federer of Switzerland, left, gestures with Spain's Rafael Nadal after winning their men's singles final match in the Shanghai Masters tennis tournament at Qizhong Forest Sports City Tennis Center in Shanghai, China, Sunday, Oct. 15, 2017. (AP Photo/Andy Wong)

Federer wird Rafael Nadal kaum mehr einholen können. Bild: AP/AP

«Irgendwann werde ich aufhören»

Der Rückstand auf Rafael Nadal beträgt 1470 Punkte, bei den World Tour Finals in London sind maximal 1500 Punkte zu gewinnen. Heisst: Nadal braucht nur noch einen Sieg. Das Dümmste, was ich tun könnte, wäre, es um jeden Preis zu wollen.» Wäre es sein Ziel gewesen, er hätte auf Basel verzichten und stattdessen in Paris spielen müssen.

«Irgendwann werde ich aufhören»

Für den Unersättlichen waren die Emotionen des Heimturniers wichtiger. Neuerdings verabschiedet Federer sich immer seltener mit den Worten: «Bis im nächsten Jahr.» Man wisse nie, was passiere. Er wolle das Tennis geniessen, eintauchen in die Welt, die ihm alles bedeutet. Denn auch er weiss, dass seine Zeit abläuft. In Basel sagt er einmal: «Die Fans wünschen sich, dass ich bis 40 spiele. Aber irgendwann werde ich aufhören. Und vielleicht viel früher, als die meisten denken.»

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Micha Moser 30.10.2017 13:55
    Highlight Highlight Zittere seit Jahren ob er noch ein Jahr anhängt. Tennis ohne Federer ist... auch gut aber nichtmehr dasselbe
  • Charlie Brown 30.10.2017 13:18
    Highlight Highlight Was für eine clickbait headline...

    In Basel sagt er einmal: «Die Fans wünschen sich, dass ich bis 40 spiele. Aber irgendwann werde ich aufhören. Und vielleicht viel früher, als die meisten denken.»

    Sagte er einmal. Vielleicht vor Jahren. 🙄
  • Doeme 30.10.2017 12:33
    Highlight Highlight GOAT
  • AskMe 30.10.2017 11:05
    Highlight Highlight Den ersten Satz verliert er nach einer 3:0-Führung im Tiebreak. -> ich glaube ich habe ein anderes Spiel geschaut...
    User Image
    • Charlie Brown 30.10.2017 13:13
      Highlight Highlight Scheint so. Und?
  • Mr.President 30.10.2017 10:12
    Highlight Highlight Ich dachte er hat schon mal aufgehört... der alte Man soll mal in die Rente gehen. Und leben geniessen! Geld/Pokale/Ruhm sind nicht das Wichtigste im Leben. Und von dem hat er sicherlich genug gesammelt.
    • Tornado 30.10.2017 10:49
      Highlight Highlight Die Analyse anscheinend nicht gelesen. Und Federer macht dies alles definitiv aus Liebe zum Spiel, sonst hätte er nie diesen Erfolg.
    • De Pumuggel 30.10.2017 11:44
      Highlight Highlight und genau darum hat er es in diesem Sport so weit gebracht. Es ging ihm nie um den Ruhm und das Geld sondern um die Freude am Spiel.

      Siehe bereits in einem Interview in seinen jungen Jahren. Da sagte er, er wolle soviel Geld verdienen, dass er die Flüge, die Trainer und seine allgemeinen Spesen decken kann.
    • Bits_and_More 30.10.2017 11:57
      Highlight Highlight Tennis ist die grosse Leidenschaft von Roger Federer, sonst wäre er nie dort, wo er heute ist.
      Ich bin mir sicher, dass das "Leben geniessen" für Roger Federer Tennis spielen beinhaltet.
  • Bert der Geologe 30.10.2017 10:04
    Highlight Highlight Wieso soll er aufhören wenn er noch immer die Besten klopfen kann ? Viele werden, wie ich, nach Federer und nach Wawrinka kein Tennis mehr gucken.
    • Saubihun 30.10.2017 11:39
      Highlight Highlight Völlig Deiner Meinung. Genau so wie nach der Rivalität Senna/Schumacher keine Formel 1 mehr.
    • Butschina 30.10.2017 12:26
      Highlight Highlight Damit er mit 50 noch kein Krüppel ist. Mit seinen Knieverletzungen wäre es sogar schlauer gewesen vor paar Jahren aufzuhören. Die Schäden am Körper sind nicht zu unterschätzen. Wahrscheinlich sehe ich das Ganze anders, weil ich aus eigener Erfahrung weiss, was es heisst körperliche Einschränkungen zu haben. Sicher ist für mich: Kein Geld und Ruhm sind es wert den Körper zu schädigen. Die Gesundheit ist nebst der Liebe das wichtigste Gut.
    • AJACIED 30.10.2017 13:03
      Highlight Highlight Oha damit schaute Mann Tennis nur weil jemand erfolgreich war und nicht einfach so weil es ein cooler Sport ist?
      Da kommt mir das Wort Modefan in Sinn.
      Wären sie Federer Fan geblieben wenn es bei 3-4 Grandslam Titel geblieben wäre?
      Spannende frage aber ok jetzt werde ich angfeindet Who cares.
      Wawrinka „Fan“ war auch fast niemand bis er anfangte was zu gewinnen.
      Wellll welllll 🙈
  • Alterssturheit 30.10.2017 08:57
    Highlight Highlight Gestern in Basel hat er gesagt, er freue sich schon auf seine Teilnahme im nächsten Jahr. Wenigstens am Heimturnier wird er also vermutlich, evtl. wenn alles klappt, die Gesundheit passt, etc. nochmals zu sehen sein.
  • EvilBetty 30.10.2017 08:21
    Highlight Highlight «Ich werde vielleicht früher aufhören, als die meisten denken»

    😂 DER Zug ist schon lang abgefahren.
    • birkir einsteinson 30.10.2017 08:49
      Highlight Highlight Er hat den Zeitpunkt verpasst und muss jetzt bis 65 Tennisspielen :D
    • De Pumuggel 30.10.2017 11:46
      Highlight Highlight birkir einsteinson: Naja man muss ja auch bis 65 arbeiten bevor man in die Pension geht; warum sollte es bei Federer anders sein ;D

«Diese Ekstase macht süchtig» – Federer holt den neunten Titel in Basel

Roger Federer (ATP 3) ist nicht ganz Hundert. An den Swiss Indoors in Basel feierte er seinen 99. Turniersieg, den 9. in Basel und den 4. hintereinander. Den Final gegen Marius Copil (ATP 93) gewann Federer nach Rückstand in beiden Sätzen in 94 Minuten 7:6 (7:5), 6:4.

Die Siegerehrung zog sich in die Länge. Roger Federer dankte allen - in englisch, französisch und schweizerdeutsch. Er verdrückte am Ende Freudentränen und meinte, er sei der glücklichste Mensch der Welt. Federer war bewegt und bewegte die Massen. «Es ist immer sehr emotional hier», so Federer.

In seiner Dankesrede blieb Federer bei den Offiziellen hängen. Bei jenen Leuten, die hinter den Kulissen arbeiten - wie beispielsweise den Verantwortlichen fürs «Hawkeye» - das «Adlerauge», das die …

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