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Pollen-Allergie: Warum das so ist und Tipps, was du dagegen tun kannst

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bild: shutterstock
Rund um Gsund

Liebe Pollen, ich muss mich bei euch entschuldigen!

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle einen inständigen Appell an die fliegenden Pollen verfassen, mich doch endlich in Ruhe zu lassen. Nachdem ich aber mit einer Fachperson gesprochen habe, musste ich erkennen: Für unser gestörtes Verhältnis bin ganz allein ich verantwortlich.
26.03.2021, 13:4726.03.2021, 14:01
Sandra Casalini
Sandra Casalini

Fünfundzwanzig Jahre sind es nun, liebe Pollen, dass wir miteinander im Clinch liegen. Dabei merke ich erst jetzt, dass dieser Krieg total einseitig ist. Ihr habt eigentlich gar nichts gegen mich. Ihr macht einfach das, was ihr macht: Ihr fliegt. Und vor allem: Ihr wollt meinem Körper überhaupt nichts Böses, wenn ihr euch an oder in ihn verirrt.

Aber mein Körper – beziehungsweise mein Immunsystem – schätzt euch total falsch ein.

Aus irgendeinem Grund hat er das Gefühl, ihr, die ihr völlig harmlose Geschöpfe seid, wärt für ihn ähnlich gefährlich wie Viren oder Bakterien, und bekämpft euch total unkontrolliert. Warum gerade mein Immunsystem so aggressiv – das heisst mit der Ausschüttung von entzündungsfördernden Stoffen wie Histamin, welches bekannte Symptome wie Juck- und Niesreiz auslöst – auf euch reagiert und andere nicht, und warum das bei mir gerade im Alter von zwanzig Jahren erstmals der Fall war, können auch Experten nicht schlüssig erklären.

«Meh Dräck, weniger Allergien!»

Zwar gibt es zahllose Studien zu dem Thema. «Aber diese zeigen immer einen Durchschnitt und eine Wahrscheinlichkeit auf. Daraus kann man nicht auf Einzelfälle schliessen», sagt Dr. Thomas Hauser, Facharzt für Allergologie und Immunologie am Immunologie-Zentrum Zürich.

Fakt ist, dass mittlerweile gut 25 Prozent der Schweizer Bevölkerung an irgendeiner Allergie leidet, während dies noch Mitte des 19. Jahrhunderts eine Rarität war. Fakt ist auch, dass in weniger entwickelten Ländern Allergien kaum vorkommen.

In der Schweiz zeigen Studien, dass zum Beispiel Kinder, die auf Bauernhöfen aufgewachsen sind, wesentlich weniger anfällig auf Allergien sind als solche, die nur ein paar Kilometer daneben im gleichen Dorf wohnen. Auch solche, die regelmässig einen Hort besuchen oder in einer Familie mit mehr als drei Kindern aufwachsen – also Orte, an denen meist die Zeit fehlt, um alle paar Minuten jedem mit dem Wischmopp hinterherzurennen – haben ein kleineres Risiko, Allergien zu entwickeln. Diese sogenannte Hygiene-Hypothese sei mittlerweile recht gut untermauert, so Thomas Hauser.

Sie sagt aus, dass, je weniger unser Immunsystem mit äusseren Einflüssen – zum Beispiel Keimen – konfrontiert wird, desto heftiger reagiert es, wenn sich welche – zum Beispiel Pollen – mal an uns herantrauen. Und unterscheidet dann eben nicht zwischen Freund und Feind. Aber auch da kann man halt wieder nicht aufs Individuum schliessen. Ich hab rückblickend nicht das Gefühl, ich sei wahnsinnig «sauber» aufgewachsen. Gut, ich habe im Sandkasten deutlich weniger Dreck gefressen als mein Bruder. Aber der hat heute auch Heuschnupfen. Allerdings nicht so stark wie ich. Vielleicht deswegen. Übrigens spielen auch erbliche Faktoren eine Rolle, erklärt der Allergologe. Danke, Mama!

Bleibt nur die Frage:
Warum hat mein Immunsystem 20 Jahre gebraucht, bis es den Pollen den Krieg erklärte?

Nun, wenn das Immunsystem zum ersten Mal mit dem Allergen (dem Protein auf der Pollenoberfläche, auf das es schlussendlich allergisch reagiert) in Kontakt kommt, ist ihm dieses zwar auf Anhieb unsympathisch, aber es ballert nicht gleich drauflos. In der Folge rüstet sich der Körper mit jeder Begegnung mehr für den Krieg. Oder, wie es der Experte ausdrückt: «Bis die Antikörper gebildet sind, braucht es eine gewisse Zeit. Bei den einen dauert das länger, bei anderen weniger lang.» Das kommt auch sehr auf die äusseren Umstände an: In Jahren, in denen viele Pollen fliegen, wird – ganz unbemerkt – im Körper mehr aufgerüstet als wenn wenige rumschwirren. Und wenn man umzieht, zum Beispiel in eine höhere Lage, in denen keine Pollen vorhanden sind, bricht der Krieg (a.k.a. Heuschnupfen) gar nie aus. Oder hört plötzlich auf, wenn er schon da war.

Ursachen- statt Symptombekämpfung

Also, liebe Pollen, ich muss mich bei euch entschuldigen. Ich hab angefangen, ich geb's zu. Leider kommt meine Einsicht reichlich spät, und wir kommen wohl nicht so leicht wieder raus aus diesem Fight. Um das Ganze ein bisschen erträglicher zu machen, rät Thomas Hauser dazu, jeden Abend die Haare auszuspülen, bereits im Eingangsbereich die Kleider zu wechseln und während der Pollen-Saison nachts das Fenster zuzulassen. Gar nichts hält der Allergologe von cortisonhaltigen Präparaten, welche von gewissen Hausärzten anfangs der Saison in den Muskel gespritzt werden und etwa drei Monate lang wirken. «Sie erfüllen zwar ihren Zweck, aber auf lange Sicht führen sie zu Nebenwirkungen», warnt er.

Zudem ist dies, wie alle anderen Heuschnupfen-Medikamente auch, reine Symptombekämpfung. Hauser rät stark zu einer Allergen-Immuntherapie, bei der die Ursachen der Allergie bekämpft werden. Bei der sogenannten Desensibilisierung, welche drei Jahre dauert, wird dem Körper «sein» Allergen in regelmässigen Abständen zugefügt, bis sich das Immunsystem dran gewöhnt hat und den Kampf aufgibt. «Bei gut 85 Prozent der Fälle klappt das», erklärt Hauser. Und es verhindert, dass aus einer Pollen-Allergie auch allergisches Asthma entstehen kann, was relativ häufig der Fall ist.

Ich muss gestehen, dass ich meinen Versuch einer Immuntherapie nach einem Jahr aufgegeben habe. Das war sicher zu früh. Was meint ihr, liebe Pollen, soll ich noch einen Versuch wagen, mich an euch zu gewöhnen?

Was sind eure Geheimtipps im Umgang mit Pollen und Heuschnupfen, oder eure Erfahrungen mit Desensibilisierung? Teilt sie mit uns in der Kommentarspalte.

Sandra Casalini, bei sich zu Hause in Thalwil, am 04.12.2018, Foto Lucian Hunziker
bild: Lucia Hunziker

Über die Autorin:

Sandra Casalini schreibt über mehr oder weniger alle und alles, was ihr über den Weg läuft – immer gnadenlos ehrlich und mit viel Selbstironie. Genau so geht sie auch den Blog «Rund um Gsund» an, der ab sofort alle zwei Wochen auf watson erscheinen wird. Bei dem Thema Gesundheit verhält es sich bei Sandra gleich wie mit der Kindererziehung: Sie ist keine Expertin, aber kommt mit beidem irgendwie klar. Manchmal mit Hilfe, manchmal ohne.

Casalinis Texte erscheinen regelmässig im Elternmagazin «Fritz und Fränzi» und der «Schweizer Illustrierten». Bei der SI gewährt sie zudem wöchentlich Einblick in ihr Leben mit pubertierenden Kids im Blog «Der ganz normale Wahnsinn».

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Liebe Frau Freitag. Meine beste Freundin (26) trinkt zu viel. Und ich meine nicht damit, dass Sie dann in ihrer eigenen Kotze liegt. Es ist viel diskreter. Das ist das, was mich beunruhigt.
Sie trinkt zu oft und zu schnell. Während wir anderen in der Runde noch am ersten Glas Weisswein dran sind und plaudern, schenkt sie sie schon mit einem verschmitzten Lächeln das zweite, und dann verlegen das dritte ein. Wenn sie dann hinüber ist, weil sie zu viel getrunken hat, spielt sie am nächsten Tag alles herunter. Und sie hat auch nie einen Kater. Kein Kater = keine Reue. Aber wie will ich sie belehren gehen, wenn ich selber ab und wann im Ausgang abstürze. Meine Freunde und meine Generation trinken am Wochenende mal einen über den Durst. Wenn ich es ihr sage, ist es, wie wenn ein Raucher einem anderen Raucher sagt, er soll mal weniger rauchen. Eva, 25
Liebe Eva 

Was für eine spannende und auch anspruchsvolle Frage! Danke dafür!

Alkohol ist die am meisten verbreitete und gesellschaftlich verankerte und akzeptierte Droge überhaupt. Und keine Sau interessiert's. Während über Kokain und neuerdings auch wieder über Heroin viel geschrieben und diskutiert wird, stört sich an der abendlichen Flasche Wein kein Mensch.

Mich macht diese Tatsache auch immer wieder nachdenklich. Früher habe ich selten getrunken, aber wenn, dann richtig! Eine Strategie, die mein Hausarzt, gegenüber dem moderaten aber dafür regelmässigen Alkoholkonsum übrigens als gesünder bezeichnet. Die Leber leidet unter dem alltäglich zugeführten Alkohol angeblich mehr, als wenn man ein bis zweimal pro Monat richtig Gas gibt.

In Ihrer Generation ist das Abstürzen am Wochenende mehr verbreitet, während meine Generation eher allabendlich eine Flasche Wein zum Nachtessen trinkt und am Wochenende deren zwei bis drei, damit man nachher wieder einmal miteinander schlafen kann. Die Selbstverständlichkeit, mit der man wöchentlich mit einer Einkaufstüte voller leerer Weinflaschen zur Altglassammelstelle wandert, hat mich schon immer befremdet. Aber das mag auch daran liegen, dass ich Wein nicht so gerne mag und Prosecco sich nicht so einfach mit einem guten Essen entschuldigen und nebenher trinken lässt.

Alkoholismus fängt für mich dort an, wo man nicht mehr bewusst über das Öffnen einer Flasche irgendwas nachdenkt, sondern es automatisch geschieht. Und mir ist sehr wohl bewusst, dass nach dieser meiner persönlichen Definition etwa 65 % der Menschen Alkoholiker sind. Aber ich vermute nun einmal, dass ich mit dieser Schätzung auch nicht ganz so falsch liege. Aber leider ist es wenig sexy, über Alkohol als Droge nachzudenken. Dafür ist sie zu legal, zu einfach beschaffbar und durch alle Bevölkerungsschichten zu verbreitet.

Dies mag vielleicht tatsächlich daran liegen, dass es einem schwerfällt, den Mahnfinger zu heben, wenn man gerade selber ein Glas in der Hand hält. Aber dennoch finde ich, dass man es tun soll. Sie machen sich über Ihre Freundin Sorgen, weil diese mit ihrem bagatellisierenden Gebaren das Verhalten einer Trinkerin an den Tag legt? Sprechen Sie mit ihr darüber. Natürlich gibt es das biblische Zitat "Wer unter euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein." Aber es geht ja hier nicht um die Steinigung Ihrer Freundin, sondern vielmehr um die Sorge, die Sie umtreibt. Konfrontieren Sie Ihre Freundin darum nicht mir Vorwürfen, sondern einfach mit Ihren Bedenken.

Es ist ein Akt der Liebe, wenn man sich um jemanden sorgt und diese Sorge auch anspricht, anstatt einfach wegzusehen. Mit dieser Aktion begibt man sich allerdings auf dünnes Eis und schon manche Freundschaft ist darob zerbrochen. Oft kann die tragende Eisfläche dadurch aber auch an Festigkeit gewinnen und darum bin ich ein grosser Freund des ehrlichen Wortes.

Alles Gute, Ihre Kafi.

Ach und übrigens: Das mit dem Kater ist auch eine Frage des Alters. Bis vor kurzem war ich auch davon verschont. Reue hatte ich allerdings auch immer schon ohne. Lust aufs Trinken allerdings auch. 
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