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Ich habe 11 Jahre zu spät mit «Gossip Girl» angefangen – ein Fehler



Falls sich irgendjemand die Serie tatsächlich noch später als ich anschauen will, sei somit gewarnt: Spoiler-Alarm!

Es mag stimmen, dass wir heute in schwierigen Zeiten leben. Aber wenigstens müssen wir nicht mehr mit Serien wie «Gossip Girl» auskommen. Als ich elf Jahre nach der Premiere der ersten Staffel für drei Folgen einschalte, bin ich negativ überrascht. Galt die Serie in den Nullerjahren doch als the thing unter meinen Schulfreundinnen.

Für diejenigen, die den wertvollen Inhalt verdrängt haben: Die Serie rund um die Frenemies Serena van der Woodsen (Blake Lively) und Blair Waldorf (Leighton Meester) punktet mit salonfähigem Frauenhass, Freundinnenneid, Slutshaming und schulterzuckend hingenommenen Vergewaltigungsversuchen im Freundeskreis. Verhaltensweisen und Abwertungen, die in meiner Teenager-Zeit erschreckend normaler Bestandteil des Alltags waren.

Höchste Zeit für einen kritischen Blick in die Vergangenheit.

«Welcome to New Yorks Upper East Side»

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Video: YouTube/Chelsea Eley

Problem #1: Wenn Bitchfights als Freundschaftsbeweis durchgehen

Kann mir bitte jemand verraten, was zur Hölle die Beziehung zwischen Blair und Serena mit Freundschaft zu tun hat? Während Serena bemüht ist, ihre «beste Freundin» zurückzugewinnen, lässt Blair keine Gelegenheit aus, sie vor anderen schlecht zu machen. Serena sei eine Schlampe, eine untreue Seele, jemand, der anderen Frauen den Freund stiehlt – als ob man Menschen besitzen könnte. Statt konstruktiv über Probleme zu sprechen, wird hinterlistig bestraft.

Zum Glück gab es damals noch kein flächendeckendes High-Speed-Internet, sonst wäre eine ganz neue Art des Cyber-Bullyings ausgebrochen, das kann ich euch versprechen.

Paranoia gepaart mit einer leichten Nuance Hass führen dann auch dazu, dass Blair Serena vor versammelter Frauenclique vermittelt, dass sie nicht zur Party des Monats eingeladen sei («You are kinda not invited»), zu der die ganze Schule kommen würde. Blair zieht die Fäden im Hintergrund und isoliert ihr Opfer, während sie sich selbst als die bemitleidenswerte Zurückgelassene inszeniert.

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Sorry ... oder so. via giphy

Problem #2: «Nein heisst Nein» gab es in den Nullerjahren nicht

2008 war ein tolles Jahr. «Valerie» von Amy Winehouse lief gerade in den Charts, genauso wie «Mercy» von Duffy oder «Bleeding Love» von Leona Lewis. Beyoncé und Jay Z haben geheiratet. Ashlee Simpson und Pete Wentz. Aber auch Carla Bruni und Nicolas Sarkozy gaben sich das Jawort und niemand konnte ahnen, dass Scarlett Johansson sich schon bald wieder von Ryan Reynolds scheiden lassen würde, der – Funfact – später Serena, äh Blake Lively, zur Frau nahm.

2008 war auch ein Jahr, in dem es noch immer angesagt war, «hard to get» zu spielen.

Das Spiel funktionierte so: Frau möchte nicht als Schlampe gelten, also ziert sie sich, um dem Mann zu zeigen, dass sie «ja eigentlich nicht so sei». Der Mann ist dadurch verwirrt und erregt zugleich (Jäger und so!), wodurch er nicht mehr weiss, was die Frau jetzt eigentlich will, denn schliesslich sagt sie «Nein», obwohl sie «Ja» sagen möchte, also zumindest manchmal.

Den Unterschied zwischen einem geheuchelten «Nein» und einem ernst gemeinten «Nein» scheint zumindest Chuck nicht zu kennen, als er mehrmals versucht, die traurig an der Bar sitzende Serena zu küssen und später sogar zum Sex in der Küche zu zwingen. Szenen, bei denen es sich empfiehlt einen Mülleimer für spontane Brechanfälle neben sich zu platzieren.

Man möchte schreien:

«Chuck, es ist nicht normal seine Bekannten in der Küche zu vergewaltigen!»

«Nein, Chuck, sie möchte wirklich nicht – erkennst du nicht den Ekel in ihrem Gesichtsausdruck?»

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Er stellt sich gleich selbst vor. Via giphy

Serena entkommt, aber Thema wird die versuchte Vergewaltigung nicht.

Auch als Chuck später bei der «Party des Monats» versucht, die Schwester von Serenas neuem Date auf dem Dach zu vergewaltigen (!) und die beiden gerade noch rechtzeitig dazwischenkommen, findet darüber keine weitere Diskussion statt. Vielmehr ist die Szene etwas völlig Normales, ein ärgerlicher Zwischenfall, den es so gut es geht zu verhindern gilt – wenn man dabei ist –, der abseits von der Handlung selbst aber nicht geächtet oder bekämpft wird.

Als Dans Schwester Jenny sich mit Blair anfreundet und von dem Zwischenfall auf dem Dach erzählt, ist sie mehr darüber besorgt, was Chuck von ihr denkt, als umgekehrt. Chuck hat keine Konsequenzen zu fürchten, im Gegenteil:

«So ist er eben», bleibt Blairs einziger Kommentar.

Aus heutiger Perspektive mehr als gruselig, dass wir uns sowas als Teenager reingezogen haben.

Problem #3: Privilegien-Check, anyone?

Alle Protagonisten bis auf die Geschwister Dan und Jenny sind der Inbegriff verzogener Oberschichtskinder, die mit 18 Jahren noch nie einen Finger krumm gemacht haben. Stattdessen gibt es sonntägliche Frühstücksempfänge, mit denen ein ganzes Dorf in Slowenien ernährt werden könnte und Parties, die nur so vor Papas Bankerbudget strotzen. Auch die Eltern sind «very busy» und stecken ihre Kinder deshalb gerne in passende Kliniken – Klischee olé.

Spannend ist auch, wie Dan und Jennys Herkunft gezeichnet wird. Himmelnochmal, die beiden leben in Brooklyn, nicht in Sangerhausen und ja, sie stecken vielleicht nicht in engen Designerkostümen, aber – ganz ehrlich – die will doch ohnehin keiner anziehen? Zumindest nicht mehr heute.

Vieles hat sich verändert, seit der Wirtschaftskrise 2008 und ich würde fast wetten, dass die wenigsten Millennials Bock hätten, sich heute eine Serie über verwöhnte Eliteabsolventen mit dem politischen Impact einer Schildkröte anzusehen.

Vom gedankenlosen Überkonsum und der Abwertung Schlechtergestellter mal abgesehen.

Es ist ein Verhalten, das auch Serien wie «Sex and the City» charakterisierte und wenig später das längst überfällige Ende des schamlosen Protzens auf Kosten anderer einläutete.

Netflix hat es selbst schon sehr gut zusammengefasst:

Die deutsche Beschreibung fällt ein wenig braver aus:

Bild

screenshot netflix

Problem #4: Mittelscheitel und Hotpants mit Overknees

Hotpants? Kniehohe Cowboy-Stiefel? Vielleicht noch eine Leggins drunter, dreiviertelhoch? Willkommen im Jahre 2007, in dem alle Frauen lange Haare mit Mittelscheitel tragen mussten, um als «schön» zu gelten, und bei der Wahl der Strähnchen zwischen braun und blond entscheiden konnten. #diversity2007

Und die Männer?

Die trugen zu weite Hosen, weil Skinnyjeans waren 2007 nur für Schwule und Drogenabhängige reserviert – und damit wollte nun wirklich niemand mit in Verbindung gebracht werden.

Die Mode aus den 00-er Jahren, falls du sie vergessen haben solltest, ein kleiner Einblick:

Problem #5: Der weirde Umgang mit Sexualität

Täusche ich mich, oder hatte Blair noch nie Sex mit ihrem Freund, während dieser – für seine Liebesbeziehung konsequenzlos – die besoffene Serena vögelte, woraufhin Serena die Schule verlassen musste und ihre beste Freundin verlor? Ja, so ungefähr geht der wahnsinnig progressive Drama-Plot ohne Inhalt, der Serena als die promiskuitive Schlampe zeichnet und Blair als horny Jungfrau. Während die Schauspieler im echten Leben Mitte zwanzig sind, sei dazugesagt.

Ein Fakt, den man besser ausblendet, möchte man so etwas wie ein entfernt entspanntes Serienkonsumverhältnis zu «Gossip Girl» entwickeln. Wenn wir schon dabei sind, vergisst man am besten auch, dass die Charaktere so flach sind wie Salzcracker, keine zwischenmenschliche Nuancen zugelassen werden und die Konflikte so gekünstelt wirken wie Schultheatervorstellungen: Man muss hin und wieder die Augen schliessen.

Liebe Serena, liebe Blair, lieber Dan, Nate, Chuck und Taylor Momson (WAS? DA HAT DIE MITGESPIELT?): ihr seid inzwischen sowas von aus der Zeit gefallen, da hilft leider selbst ein Glas Sekt nichts mehr. Oder fünfzehn.

«Gossip Girl», für mich bist du leider durchgefallen.

xoxo

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Hast du die Serie damals (oder heute) geschaut? Deine Meinung dazu?

Erkennst du diese 15 Serien an nur einem Bild?

Wenn das Internet ein Mensch wäre – in 10 fiesen Situationen:

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Video: watson/Madeleine Sigrist, Emily Engkent, Knackeboul

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    Alle Leser-Kommentare
  • Lag93 20.04.2019 15:08
    Highlight Highlight Meine Freundin hat mich überredet die Serie zu schauen und ich finde Sie gar nicht mal schlecht.
  • Caroline Kaufmann 20.04.2019 14:51
    Highlight Highlight Außerdem möchte ich noch ergänzen, dass die Serie kein Beispiel für Emanzipation und Vorläufer der MeToo Bewegung sein soll. Nur weil 2018 durch eine Trend-Welle der Augenmerk auf Vergewaltigungen und Missbrauch von Frauen gelegt wurde, muss und musste nicht jede Serie seit den letzten 20 Jahren anhand dieses Maßstabs bewertet werden. Es handelt sich in erster Linie um Fiktion. Mädchen, die die Serie früher geschaut haben, sind heute mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zu potentiellen ja-sagenden Missbrauchs-Opfern herangewachsen. Man sollte Fiktion und ihre Wirkung nicht überbewerten.
  • Caroline Kaufmann 20.04.2019 14:43
    Highlight Highlight Ich finde die Serie auch heute noch sehr unterhaltsam. Wenn man den Inhalt nach seiner moralischen Komponente bewertet, kommt man natürlich zu dem Ergebnis, dass die Serie sehr verdreht ist. Realistisch betrachtet sind die Humphreys auch nicht arm, sondern Mittelschicht. Aber die Serie soll dramatisch unterhalten und das tut sie. Viele Thematiken, z.B.unaufrichtige Freunde, Schlampigkeit und Geld-u. Markenwahn werden aufgegriffen, ebenso abgründige Charaktere wie Chuck. Die Serie animiert auch mMn nicht zum Mobben. Sie spiegelt lediglich die Gesellschaft.
  • Lol1789 20.04.2019 08:52
    Highlight Highlight Also zuerst einmal, habe ich das richtig verstanden, dass du dir die ersten drei Folgen angeschaut hast und danach diesen hate Artikel über die gesamte Serie geschrieben hast? Darauf komm ich nicht klar
    Ich mein grundsätzlich verstehe ich das Problem mit den falschen Werten usw. aber du musst doch verstehen, dass die Serie mit Absicht so gemacht wurde. Ich liebe die Serie, habe sie vor 3 Jahren angeschaut. Die Charaktere haben definitif tiefe, natürlich nicht in den ersten drei Folgen, was soll man denn erwarten.
  • Faktenchecker 19.04.2019 21:48
    Highlight Highlight Das ich über Gossip Girl einen Artikel in 2019 lesen darf....danke.

    Allerdings, betreffend Chuck Bass. Der Charakter wurde absichtlich so geschrieben, auch dass er mit einigem ungestraft durchkommt. Er ist so eine Art J.R. Ewing light für die 00er Jahre.

    Sie nehmen die Serie zu ernst finde ich. Ich fand sie unterhaltsam und gerade Bass war ein richtig guter "love to hate" Charakter.
    In unserer heutigen hysterischen PC korrekten Zeit darf man natürlich so eine Serie nicht mehr schauen, wenn man sich von der Hysterie anstecken lassen hat.
    Nehmen sie es doch als das was es ist. Eine Soap Opera.
  • iseewhatyoudidthere 19.04.2019 19:56
    Highlight Highlight 2009 war das meine Lieblingsserie. Habe nie mehr eine Serie so toll gefunden wie damals mit 15. Obwohl die Serie, rückwirkend betrachtet, nicht gut gemacht ist und auch nicht die besten Werte vermittelt, bleibt sie für mich immer eine der besten Serien, weil sie mich durch diese spezielle Zeit begleitet hat.
    xoxo Gossip Girl
  • Alnothur 19.04.2019 19:50
    Highlight Highlight "2008 war auch ein Jahr, in dem es noch immer angesagt war, «hard to get» zu spielen." - als ob das heute anders wäre.
  • BlackBooks 19.04.2019 18:41
    Highlight Highlight oc california war halt um meilen besser.
  • Clife 19.04.2019 18:14
    Highlight Highlight Wen interessiert Gossip Girl? Ich hab 2 Jahre zu spät Violet Evergarden angesehen. Wer da bei Episode 10 nicht heult hat ein Herz aus Stein
    • Stan91 19.04.2019 20:52
      Highlight Highlight Geniale Serie, ich liebe sie. Wieso zwei Jahre zu spät? Ich kann Violet Evergarden jedem empfehlen.
  • Ophelia Sky 19.04.2019 18:08
    Highlight Highlight Ich nehme die Serie nicht so ernst. So ist sie recht unterhaltsam. Natürlich bin ich nicht einverstanden mit dem Verhalten. Besonders die Heuchelei über Monogamie und das ständige Fremdgehen. Die sind für mich nicht vereinbar. Aber es wiederspiegelt unsere Gesellschaft. Im Vordergrund propagiert man Monogamie, im Hintergrund macht man was man will
  • DerRaucher 19.04.2019 17:53
    Highlight Highlight War u.a der Grund warum eine Ex Freundin auch Jahre danach unbedingt nach NYC wollte. Ging dann als Au Pair hin, verließ mich nach paar Monaten schmiss den Au Pair Job und zog ohne aussicht bleiben oder arbeiten zu dürfen bei ihrem Amikerl ein. Ganz passend zu dieser Serie
    • Scaros_2 19.04.2019 19:34
      Highlight Highlight Und heute?
    • DerRaucher 19.04.2019 20:29
      Highlight Highlight Keine Ahnung wie es weiter ging. Hab keinen Kontakt mehr. Das letzte was ich noch mitbekommen habe war, dass sie einen Antrag auf Visumänderung stellte um Zeit zu gewinnen. 3-6 Monate da es in diesem Fall kein Premium Processing gibt. Jedenfalls war sie in diesem Zeitraum nur geduldet und durfte weder Arbeiten, noch sonst was machen. War eine richtig verrückte Geschichte. Vielleicht haben sie ja geheiratet, der einzige weg für sie mit ihrem Bildungsgrad an eine Green Card zu kommen. Sie wohnte 2h von mir weg bevor sie ging, deswegen auch keine Ahnung ob sie wieder hier ist.
  • Füdlifingerfritz 19.04.2019 17:48
    Highlight Highlight «Chuck, es ist nicht normal seine Bekannten in der Küche zu vergewaltigen!» - Den Unterschied zwischen Realität und Fiktion kennt die Autorin aber schon, oder? Dass es sich hier um eine bewusst so geschriebene und gespielte Figur handelt ist bekannt?
    Oder können Sie auch keinen "Tatort" oder Harry Potter-Film schauen weil da Menschen sterben und Mord ja eigentlich auch ziemlich doof ist?

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