Leben
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So hätte dein Leben ausgesehen, wärst du ein Coolkid der 50er-Jahre gewesen

bild: watson

Aus Filmen kennen wir die 50er-Jahre als pastellfarbenes Zeitalter, dem es weder an Romantik, noch an wirtschaftlichem Erfolg mangelte. So hätte dein Leben als junger Mensch in dieser Ära ausgesehen.



Die 50er-Jahre waren eine Sandwich-Dekade. Zwei Brötchen, das eine symbolisiert das ängstliche Klammern an alten Traditionen und Werten, das andere ist aus einem Teig voller Funktionalität und Zukunftsvisionen gebacken. Und mitten drin? – Die völlig überforderte Jugend, die nichts anderes wollte, als eine Heimat, die wie das damalige Amerika war: facettenreich, offen und vor allem nicht eingeklemmt. 

Hättest du (plus/minus) Jahrgang 1934, wärst du das Fleisch (oder der Käse) in jenem Sandwich gewesen. Und dein Leben hätte vermutlich so ausgesehen:

Wie du einen Samstagabend verbracht hättest:

Die Party, wie wir sie heute kennen, wurde in den 50er-Jahren geboren. Oder besser gesagt: Sie wurde damals importiert. Aus den USA, Land der Länder, Kriegsgewinnerin und Herkunftsort eines sauleckeren schwarzen Erfrischungsgetränks. 

Natürlich feierte man schon in den 20er-Jahren grosse Feste. Doch erst dreissig Jahre später begann man diese Feten auch in Europa Partys zu nennen.

Was sich in der Jahrhundertmitte jedoch bei den Tanzanlässen änderte, ist der Komfort. Sass man während der goldenen 20er noch auf üppigen Sofas oder um massive runde Tische herum, steht und tanzt man in den 50ern ohne Sitzgelegenheit durch die ganze Nacht.

Milch statt Alk – die ersten Bars

In Deutschland bildeten nebst der Tanzpartys auch die sogenannten Milchbars einen wichtigen Treffpunkt für junge Leute. Das Ziel solcher Bars war es, den heimischen Absatz von Molkereiprodukten zu stärken. So wurden an diesen Orten überwiegend Speiseeis- und andere Milchprodukte serviert. Zum typischen Interieur gehörten neben einem langen Tresen bunte Tische und Stühle und eine zeitgenössische Musikbox. Milchbars stiessen gerade deshalb auf grosses Interesse, weil Familien oft nur kleine Haushalte mit wenig Platz führten. Die Jugendlichen brauchten einen Ort ausserhalb des Elternhauses, um Freunde zu treffen. 

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Die Milchbar in Magdeburg. bild: myheimat

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bild: myheimat

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bild: myheimat

In der Schweiz waren Lokalitäten wie die deutschen Milchbars seltener. Hier waren es eher die Kinos, die hin und wieder zu Jugendtreffs zweckentfremdet wurden. Meistens aus den selben Gründen wie oben beschrieben. Aber natürlich auch, um sich die zum Neid verleitenden Geschichten aus der hollywoodschen Traumfabrik anzusehen.   

Actor James Dean is seen in a 1955.  Hundreds of people crammed into a school auditorium Saturday, May 1, 2004,  in New York to view director Martin Scorsese's personal print of ``East of Eden,'' the film that solidified James Dean's status as a Hollywood star. Scorsese showed the film as part of the Tribeca Film Festival.  (KEYSTONE/AP Photo/Str)

Entweder wollte man ihn haben oder ihn sein oder beides zusammen: James Dean.  Bild: AP

Was für Musik du gehört hättest:

Auch musikalisch wurden die 50er ihrer Aufbruchsstimmung gerecht. Aus den Musikboxen ertönten Schlager, die in altbekannter Manier die zunehmende Internationalität der westlichen Welt besangen.

Der zweite Hauptpol der 50er-Musik bildete der Rock'n'Roll. Es war auch hier der amerikanische Film schuld daran, dass die Jugend plötzlich auf ganz heimatferne Klänge abfuhr. Die älteren Semester verleitete dieser neue Musikstil dazu, sich kopfschüttelnd die Ohren zuzuhalten.  

Ein Hit der 50er – «Great Balls on Fire» von Jerry Lee Lewis:

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Video: YouTube/JerryLeeLewisTV

Schauspieler wie James Dean und Marlon Brando trafen mit ihrer Bad-Boy-Attitüde und ihrem revolutionären Musikgeschmack den Nerv der damaligen europäischen Jugend. Vor allem in Deutschland, aber auch in der Schweiz und anderen Ländern wurde dieser neue Musikstil begeistert angenommen. Die Jugend sah sich ermattet durch die schwere Last der Nachkriegszeit und deren Aufarbeitung, sodass es der Rock'n'Roll vermochte, sie in leichtere Gemütszustände zu schwingen. In grösseren Städten, so auch in Zürich, motivierte der Rock'nRoll Jugendliche zur Formierung von Subkulturen, die sich aktiv und auf provokante Weise von der älteren Generation abgrenzten. Aber dazu später mehr.

Wie du dein Geld verdient hättest:

1948 konnte in der Schweiz die seit acht Jahren bestehende Lebensmittelrationierung aufgehoben werden. So startete das folgende Jahrzehnt mit einem wirtschaftlichen Aufschwung. Auch ohne eine spezifische Ausbildung konnte man damals einen guten Job finden. Nicht zuletzt bot dieser Boom auch die Möglichkeit, den Sozialstaat auszubauen, wie wir ihn heute kennen. Die AHV und die Arbeitslosenversicherung  und die Arbeitsbedingungen verbesserten sich generell zu Gunsten der Arbeitnehmer.  

Vorrang hatten jedoch definitiv die Männer. Viele Frauen mussten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ihre Arbeitsstellen, die sie von den in die Armee eingezogenen Männern übernommen hatten, räumen. Ihren Platz sah man(n) in der Kindererziehung und der Haushaltsarbeit. Falls sie doch arbeiteten, wurden ihnen hauptsächlich Hilfsstellen oder Jobs im Sozialbereich vergeben.   

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Wie du deine Wohnung eingerichtet hättest:

Wärst du schon ausgezogen:

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bild: memory store

«Heiterkeit statt Verbissenheit» und «Leben statt Darben» waren Mottos, die das Lebensgefühl der 50er wohl am besten beschrieben hätten. Es gab viel zu kompensieren nach einem vom Weltkrieg geprägten Jahrzehnt. Gerade im Bereich Design war diese Kompensation zu spüren. Die Weise, wie man sein Heim einrichtet, wurde damals quasi neu erfunden. 

Kräftige Farben, schlanke Formen, glatte Oberflächen und runde Dreiecksformen, sowie asymmetrisch gehaltene Trapezoberflächen prägten den neuen Stil.

Filme lassen uns glauben, dass sich in den 50ern alle Leute Designermöbel leisten konnten. In Wirklichkeit war dieser Einrichtungstil wohl eher der feudal begüterten und modernen Bevölkerungsschicht vorenthalten. 

Wenn du noch bei deinen Eltern gewohnt (oder deren alte Möbel geerbt) hättest:

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bild: rod mcdonalds

Die breite Mehrheit sass noch auf den Biedermeiern herum, die man sich noch in den 30ern vor dem Krieg angeschafft hatte. 

Mit welchen Gadgets du geprahlt hättest:

Ein weiterer Auswuchs des wirtschaftlichen Aufschwungs der 50er waren die vielen kleinen, privaten Wohnzimmer-Cocktail-Partys. Dort konnten man zeigen, wie schick man wohnte. Um eine ordentliche Falle zu hinterlassen, durfte man nicht vergessen, die folgenden trendigen ………… auf dem Nierentisch zu platzieren:

1. Toast Hawaii als multikultureller Imbiss

          toast hawaii schweizerisches essen retro food https://en.wikipedia.org/wiki/Toast_Hawaii

Bild: rainer zenez/ wikicommons

2. Einen Käse-Igel, weil das eine mega kreative Art ist, Käse anzubieten

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bild: germanfoods

3. Einen coolen Zigarettenspender, weil …

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bild: wunderkammershop

… Rauchen ja bekanntlich, dünn, gesund und glücklich macht (laut diesen Werbungen):

Was für Kleider du getragen hättest:

Auch die Art, wie man sich kleidete, widerspiegelte sowohl momentane Gesellschaftssituationen, wie auch die gefühlte Zerrissenheit zwischen Tradition und Umbruch.

Die Männer trugen Anzüge. Mehrheitlich konservativ geschnitten aus schweren Stoffen. 

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bild: shutterstock

Deutlich weniger antiquiert als die Männer kleideten sich die meisten Frauen. Aufgrund ihres häuslichen Status tauschten sie funktionale Arbeitstrachten in figurbetonte Mode um. Dabei orientierte man sich für einmal nicht am grossen Vorzeigeland aus Übersee, sondern an den französischen und italienischen Nachbarinnen. Die damals lauteste Stimme im Modedschungel war die von Christian Dior, der Ende der 40er den sogenannten «New Look» entwarf. 

Ein Model fuehrt auf einem Archivbild von 1947 eine Kreation aus der

Bild: AP

Der New Look bestach mit Taille-betonten, wadenlangen Röcken. Natürlich konnten sich nur die wenigsten ein echtes Cocktailkleid von Dior leisten, weswegen nahezu jede Näherei den Look kopierte. Meistens etwas farbenfroher als das Original entstand so der etwas kürzere, im Schnittmuster jedoch sehr ähnliche Petticoat.

Die Ikone des Petticoats kommt dann aber trotzdem aus Amerika. Und getraute sich zudem, eine etwas frechere Version des Kleides zu etablieren:

Marilyn Monroe

Marilyn Monroe poses over the updraft of New York subway grating while in character for the filming of

Bild: AP NY

Besonders praktisch an der monroeschen Kurzversion: Sie war extrem pirouettentauglich und wurde damit zum Lieblingstanzoutfit von Rock'n'Roll-Fans. 

Wie du gegen deine Eltern rebeliert hättest:

Dass die Röcke immer kürzer, die Musik immer lauter und die Frauen immer emanzipierter wurden, begrüssten längst nicht alle. Im Gegenteil, in den 50ern drifteten die Mentalitäten der Jugend und der älteren Generationen immer weiter auseinander. Endgültig zerrupft wurde das 50er-Jahre-Mentalitäten-Sandwich durch eine Subkultur, welche von Zynikern als «die Halbstarken» beschimpft wurde.  

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bild: © Estate Karlheinz Weinberger
courtesygalerie Esther Woerdehoff, Paris

Bei den Halbstarken handelt es sich grossmehrheitlich um junge Männer aus der Arbeiterklasse, die in Röhrenjeans, Lederjacke und halblanger Haarpracht die feingeputzten, vom Krieg erholten Städte der deutschsprachigen Welt unsicher machten. Stets mit einer Zigarette im Mundwinkel klapperten sie auf Mopeds durch die Strassen, lungerten in bewohnten Seitengassen herum und liessen kleine Armadas von leeren Bier- und Schnapsflaschen hinter sich zurück. 

Die Halbstarken waren ein besonders nerviger Dorn im bürgerlichen Auge der wachsenden Mittelschicht. Sie traten stets in Gruppen auf und wurden deshalb auch als Rowdies tituliert. Von nicht ganz ersichtlichen Gründen getrieben, wahrscheinlich aus Trotz gegen Obrigkeiten und aus Frustration über die sich schnell entwickelnde Welt, begingen sie Bagatelldelikte, schlugen Fensterscheiben ein und genossen das Katz-und-Maus-Spiel mit den städtischen Gesetzeshütern.

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bild: © estate karlheinz weinberger
courtesy galerie esther woerdehoff, paris

Gerade weil ihre Rebellion zwar harmlos, aber mühsam war, bekamen sie den belächelnden Namen, der noch heute für nicht ganz ernstzunehmende Jungspunde verwendet wird.

Besonders bekannt ist die ehemalige Halbstarken-Szene aus Zürich. Der Schweizer Hobby-Fotograf Karlheinz Weinberger war weltweit einer der wenigen Fotografen, den die Softcore-Rebellen an sich heran liessen. Seine Bilder werden heute in Museen und Gallerieprojekten gezeigt.

Doch ganz so schwach konnten die Halbstarken nicht gewesen sein. Denn sie sorgten dafür, dass die Jugendlichen der nächsten Dekaden kein Sandwich mehr zerrupfen mussten, sondern effektiv die Welt verändern konnten. Schliesslich waren sie die Vorreiter für die 68er-Revoluzzer, für die Punks, die Rocker und die Schwulenbewegung.

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Video: watson/Emily Engkent

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
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    Alle Leser-Kommentare
  • bcZcity 25.07.2017 08:43
    Highlight Highlight Wenn Du eine dunklere Hautfarbe gehabt hättest und damals in den USA aufgewachsen wärst.....würde diese Liste ganz anders aussehen.
    • Mia_san_mia 25.07.2017 15:58
      Highlight Highlight Oh ja..
  • Phrosch 24.07.2017 19:30
    Highlight Highlight Spannend. Es könnte aber auch ganz anders gewesen sein. Mehr Leute als heute lebten auf dem Land, wo es einfacher zu und her ging. Mein Onkel ging nach der Schule jeden Tag auf die Alp, um die Ziegen zu melken, schlief dort und ging morgens nach dem Melken den weiten Weg wieder in die Schule. Keine Party, kein Kino, keine Musik.

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