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FILE - In this Wednesday, Feb. 24, 2016, photo provided by Cleveland Clinic Center, a team of Cleveland Clinic transplant surgeons and gynecological surgeons perform the nation's first uterus transplant during a nine-hour surgery in Cleveland. On Wednesday, March 9, 2016, the hospital announced the transplant has failed, and that doctors had removed the organ. (Cleveland Clinic Center via AP)

Muss das Knie operiert werden oder nicht? Ärzte setzen sich oft über Empfehlungen des Swiss Medical Boards hinweg. (Symbolbild) Bild: AP/Cleveland Clinic Center

Operieren oder nicht? Schweizer Ärzte pfeifen häufig auf guten und wissenschaftlichen Rat

Muss das Knie operiert werden oder nicht? Ärzte setzen sich oft über Empfehlungen des Swiss Medical Boards hinweg. Derweil häufen sich neue Richtlinien für Ärzte – ihr Nutzen ist aber bisher nicht erwiesen.

Anna Wanner / Nordwestschweiz



Nicht jeder Kreuzbandriss muss operiert werden. Im Gegenteil: Die Experten des Swiss Medical Boards (SMB) haben 2009 festgestellt, dass eine konservative Behandlung mit früh angesetzter Physiotherapie in den allermeisten Fällen sinnvoller ist als eine Operation.

Freilich liessen die Kritiker aus der Branche nicht lange auf sich warten. Nach einer zweiten Abklärung kamen die Experten 2013 nochmals zum selben Schluss. Nicht alle Ärzte können damit leben.

«Der Bericht suggeriert klar, dass man nicht operieren soll; nur wenn alles andere nicht geht, dann kann man über eine Operation nachdenken. Das finde ich den falschen Ansatz», sagte ein Orthopäde in einer 2014 durchgeführten Studie.

Guidelines boomen

Das Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie wollte herausfinden, ob die regelmässigen Empfehlungen des Medical Boards von Ärzten und Spitälern tatsächlich umgesetzt werden.

Die Studie kam zu einem ernüchternden Befund. Der Kreuzbandriss wird etwas seltener, aber immer noch häufig operiert. Die Empfehlung selbst hatte – wenn überhaupt – nur wenig Wirkung.

Nun ist Medizin keine exakte Wissenschaft, Patienten können unterschiedlich auf Behandlungen reagieren. Doch gibt es Therapien, die nachweislich wenig nützen und vor allem kosten – oder schlimmstenfalls dem Patienten schaden.

Aus Qualitätsgründen, aber auch aus Kostenüberlegungen häufen sich derzeit Bestrebungen, unnötige Behandlungen ausfindig zu machen, um von ihnen abzuraten.

Vor zwei Tagen hat die Fachgesellschaft für Innere Medizin neue Guidelines für Mediziner veröffentlicht: Darunter die Aufforderung, weniger Blasenkatheter zu legen, weil dies häufig zu Spitalinfektionen führt.

Vor drei Wochen hat der Bundesrat zudem entschieden, 7,5 Millionen Franken pro Jahr für Health Technology Assessments (HTA) einzusetzen. So soll geprüft werden, ob die viel gerügte Kniespiegelung noch von den Krankenkassen finanziert werden soll. Laut Bundesrat bleibt sie ohne Wirkung. Und schliesslich gibt das Medical Board regelmässig Empfehlungen ab.

Kurze Folgsamkeit

Das Problem: Über die Guidelines schnöden die Ärzte, sie seien zu banal. Und auch die SMB-Empfehlungen sind nicht wirklich verbindlich.

Kurz: Richtlinien könnten den Ärzten zwar helfen, beachtet werden sie aber selten. Dieser Befund zeigt sich nicht nur bei Kniebandrissen, auch an Prostata-Tests zweifelt das SMB: Die Messung des prostataspezifischen Antigens (PSA-Test) sei selten zur Früherkennung von Krebs geeignet.

Der PSA-Test wird höchstens empfohlen, wenn Symptome vorliegen. Das Winterthurer Institut untersuchte die Wirkung und fand, dass kurz nach der Empfehlung die Zahl der PSA-Tests sank, bald aber höher war als zuvor.

Zu wenig Tests

Obwohl die Ärzteschaft Richtlinien als «hilfreiche Orientierung» gutheisst, wertet sie die Therapiefreiheit höher. Und vor allem hat gemäss Ärzteverbindung FMH die Qualität immer Vorrang vor den Kosten.

Das erklärt aber nur annähernd, wieso sich Ärzte nicht an die Richtlinien halten. Die Guidelines verlangen nicht zwingend den Abbau von Leistungen. Sie zeigen notwendige Behandlungsschritte bei klaren Diagnosen wie Diabetes. Die Guideline sieht bei der jährlichen Kontrolle vier Tests vor.

Nur 5 Prozent halten sich an Vorgaben

Eine Studie des Krankenversicherers Helsana hat jüngst ergeben, dass nur gerade fünf Prozent aller untersuchten Ärzte sich an diese Guideline halten. Fast alle tun wohl das, was sie für richtig halten. Doch nur 70 Prozent der Patienten erhielten eine Minimalbehandlung.

Für den Versicherer Helsana ist das Resultat unbefriedigend. Denn jene Patienten, welche die volle Behandlung gemäss Guideline erhielten, landeten später seltener im Spital.

So ist denn auch die Kostenfrage relativ: Vier Tests verursachen mehr Kosten als einer. Aber immerhin kann ein Arzt, der die Vorgaben befolgt, Leiden und einen kostspieligen Aufenthalt im Spital verhindern.

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    Alle Leser-Kommentare
  • mortiferus 29.05.2016 11:50
    Highlight Highlight Tests zu machen ohne Symptome sind ein Problem wen die Resultate nicht genügend spezifisch sind. Falsch positiven oder grenzwertige Laborbefunde, zb PSA. Patienten werden verängstigt und man entnimmt ihnen noch Gewebeproben. Sind hingegen Symptome vorhanden sind Laborwerte rechnerisch viel spezifischer und wertvoller. Manchmal bringt es am Ende der Rechnung auch nichts wen man zb. einen Brustkrebs früh erkennt (Mammscreenig), dass aber nicht mehr überlebende bringt weil die Bösartigkeit und nicht der Zeitpunkt der Erkennung entscheidend ist. Ich empfehle alle Tests zu machen. Danke!
  • Randy Orton 27.05.2016 17:36
    Highlight Highlight Wer weiss, wie die Empfehlungen zu den Kreuzband-OPs vom Swiss Medical Board zustande gekommen sind, rauft sich die Haare. Watson würde besser darüber berichten, dass gar keine medizinischen Experten an diesem Entscheid beteiligt waren, sondern Wirtschaftler. Dass sich die Orthopäden, sprich Experten mit Studien aus hunderten Spitälern gegen diesen Entscheid gewehrt haben und einfach ignoriert wurden, sagt alles. Ich vertraue lieber einem Spezialisten, der schon hunderte Patienten geheilt hat und dessen Meinung von der aktuellen Studienlage gedeckt wird, als dem Entscheid des SMB...
  • Humbolt 27.05.2016 09:12
    Highlight Highlight Chirurgen, vor allem Orthopäden, sind überbezahlte Jungs, die anstatt am Töfli am Menschen herumschrauben. War so, ist so, bleibt so.

    Auf der anderen Seite will der Pat. auch häufig die OP, weil sie vielleicht 4% bessere Ergebnisse liefert. Diesem kommt er gerne nach.

    Wie oft liegt das Problem im Unwissen der Bevölkerung! Oder wieso sonst darf ein Informatiker 170/h verrechnen und wenn der Gärtner 90/h kostet gibt es einen Aufstand. Jeder meint er könne selbst Gärtnern, aber vom PC hat man keine Ahnung
  • Anidal 27.05.2016 09:03
    Highlight Highlight Die Damen und Herren tun und lassen sowieso was sie wollen - und wenn irgenwas nicht läuft; ja dann ist der Patient Schuld und beweise mal, dass der liebe Onkel Doktor es so gesagt hat und nicht so... und ratet jetzt mal wer am Ende den Bericht ausfüllt 😅😱🙈
  • Matthias Studer 27.05.2016 07:57
    Highlight Highlight Ich habe genau die gegenteilige Erfahrung gemacht. Jahrelange schmerzhafte Therapien und am Schluss operiert. Danach war das Problem auf einen akzeptablen Wert.
  • Yes. 27.05.2016 07:51
    Highlight Highlight Als Patient soll man besonders bei Empfehlungen von Chirurgen bedenken, dass diese mit jeder Operation viel Geld verdienen.
    • SusiBlue 27.05.2016 08:19
      Highlight Highlight ... Und eine bestimmte Anzahl pro Jahr machen müssen, damit sie "in Übung bleiben" und die Operation auch weiterhin durchführen dürfen.
    • Randy Orton 27.05.2016 17:57
      Highlight Highlight Mal abgesehn davon, dass beide obigen Aussagen nicht stimmen, ist es bedenklich, wenn man einem rein finanziellen Entscheid (des Swiss Medical Boards, sprich der Krankenkassen) mehr Glauben schenkt, als dem der Ärzte. Vielleicht solltet ihr euch in Zukunft von Bankern beraten lassen bei gesundheitlichen Problemen. Die helfen euch ja eurer Meinung nach besser, als die Ärzte. Klar propagieren die Kassen die billigere Alternative, sprich abwarten und Schmerzmedi fressen, anstatt die OP, denn sie müssen ja bezahlen und haben weniger Gewinn, die ärmsten.
    • SusiBlue 28.05.2016 00:26
      Highlight Highlight @Randy: so war meine Aussage nicht gemeint => lieber bei der Gesundheit sparen, statt OP.

      Habe aber schon mehrfach erlebt, dass Leute mit "mechanischen" Beschwerden zu mir gekommen sind, die gemäss Ärzten nur mit einer OP behandelbar wären (zB Rückenschmerzen, Karpaltunnelsyndrom,...) Und dann, oh Wunder, geht's auch mit der nicht-invasiven Alternativmethode!
      Siehe www.rolfing.ch

      Es ist halt schon so, dass des Chirurgen täglich Brot die OP ist und zB nicht die Haltungsschulung.
    Weitere Antworten anzeigen
  • malu 64 27.05.2016 07:31
    Highlight Highlight Die Arroganz der Götter in Weiss.
    Hauptsache der Umsatz stimmt.
    • Randy Orton 27.05.2016 17:39
      Highlight Highlight Informier dich doch einfach, bevor du so rumposaunst. Was genau soll arrogant sein?
  • SVARTGARD 27.05.2016 06:34
    Highlight Highlight Immer operieren,bis der Notarzt kommt😂

Neue Studie zeigt: 33'000 Suizidversuche innert eines Jahres in der Schweiz

Die Studienautoren sind selber erstaunt, wie viele Befragte über Suizidversuche berichten. Am höchsten sind die Zahlen bei Menschen mit geringer Bildung und bei Alleinstehenden.

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