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Alles zum Thema Organspenden, das du schon immer wissen wolltest, aber nie zu fragen wagtest.
Alles zum Thema Organspenden, das du schon immer wissen wolltest, aber nie zu fragen wagtest.
Bild: AP/FR91291 AP

Unglaublich viele Fragen und Antworten zum Thema Organspenden

Fast jeder hat sie, einige brauchen sie extrem dringend, nicht alle wollen sie geben, viele haben keine Ahnung von ihnen: Wir reden von Organen und von Organspenden. 26 Fragen und Antworten, um dir einen Überblick zu verschaffen.
05.08.2019, 21:5406.08.2019, 08:44

Im ersten Halbjahr 2019 haben in der Schweiz Organe von 86 verstorbenen Personen transplantiert werden können - fünf mehr als in der selben Periode im Vorjahr. Hochgerechnet auf das ganze laufende Jahr würde das 172 Spenderinnen und Spendern entsprechen.

Insgesamt konnten 261 Organe im ersten Halbjahr 2019 transplantiert werden, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Montag mitteilte. Die Zahl der Personen auf der Warteliste ist dabei seit 2018 relativ konstant geblieben: Ende 2018 warteten 1412 Patientinnen und Patienten auf ein Organ, derzeit sind es 1417.

Zeit, die wichtigsten Fragen zum Thema Organspenden genauer anzuschauen und zu beantworten.

Ok, wie ist die Organspende hierzulande geregelt?

In der Schweiz gilt aktuell das Prinzip der expliziten Zustimmung. Wer seine Organe spenden will, muss dies ausdrücklich kund tun.

Und wie geht das?

Zum Beispiel mit einem Organspendeausweis oder einer Patientenverfügung.

Hab ich nicht ...

Dann müssten, falls bei dir irgendwann einmal der Hirntod festgestellt wird und deine Organe für eine Transplantation in Frage kommen, deine Angehörigen für dich entscheiden – und zwar in deinem mutmasslichen Sinn. Es gilt: Der Wille des Verstorbenen ist massgebend.

Hm, aber wenn ich eine Organspendekarte habe, heisst das ja, ich will meine Organe spenden ...

Nein, man kann in der Karte ankreuzen, ob man seine Organe und Gewebe spenden will oder nicht. Man kann auch nur einzelne Organe für eine Transplantation zur Verfügung stellen. Oder aber man kann eine Vertrauensperson bestimmen, der man den Entscheid überlassen will.

Ok, und was muss ich mit dieser Spendenkarte machen?

Ins Portemonnaie, denk! Oder zwischen Handy und Schutzhülle.

Ich habe aber kein Handy/Portemonnaie/Schutzhülle/Gedächtnis ...

Seit letztem Herbst kann man zusätzlich online in einem nationalen Register festhalten, ob man seine Organe spenden will oder nicht. Hier geht's zum Link.

Wer darf Organe spenden?

Jugendliche ab 16 Jahren können einen Organspendeausweis ausfüllen, zuvor entscheiden die Erziehungsberechtigten über eine allfällige Organspende. Die Untergrenze liegt aus medizinischen und ethischen Gründen bei 28 Tagen, eine Altersobergrenze für Organspenden gibt es nicht. Rund 40 Prozent aller Spender waren letztes Jahr über 60 Jahre alt.

Und wie funktioniert Organspende eigentlich bei Monty Python?

Wie viele Organe werden jährlich eigentlich gespendet?

Die Zahl der Organspenden nahm in den vergangenen Jahren leicht zu. 2017 waren Organe von 145 Verstorbenen transplantiert worden. Im Jahr 2018 waren es 158 Personen und nun ist wieder ein Aufwärtstrend feststellbar.

Das tönt doch gar nicht so schlecht, oder?

Eben doch. Trotz Aufwärtstendenz: Rund 1400 Menschen warteten gemäss Swisstransplant Ende 2018 auf ein neues Organ. Gemäss der Stiftung sterben jährlich fast 100 Patienten, weil passende Organspender fehlen.

Mit dem Aktionsplan «Mehr Organe für Transplantationen» von Bund und Kantonen soll bis Ende 2021 eine Rate von 22 Spenderinnen und Spendern pro Million Einwohnerinnen und Einwohnern erreicht werden. Die bisherige Entwicklung lässt erwarten, dass bis Ende 2019 die Rate von 20,2 erreicht wird.

OrganspenderInnen pro Million EinwohnerInnen

Bild: BAG

Ich bin Raucher, darf ich meine Lunge spenden?

Alle Organe werden vor der Entnahme auf ihren Gesundheitszustand, Funktionsfähigkeit und ihre Eignung geprüft. Auch Menschen mit Krankheiten können Organe spenden, ausgeschlossen sind nur Personen mit nicht behandelbaren Blutvergiftungen sowie Prionenerkrankungen (z.B. Creutzfeldt-Jakob-Krankheit).

Bild: karlwitowski/wikimediacommons

Ok war gelogen, ich bin Nichtraucher, möchte aber meine Lunge wirklich nicht spenden

In deiner Spendenkarte oder im Onlineregister kannst du natürlich auch festhalten, dass du deine Organe im Todesfall nicht spenden möchtest. Oder aber du teilst deinen Angehörigen deinen Willen mit, oder setzt eine Patientenverfügung auf.

Welche Organe können eigentlich alles gespendet werden?

In der Schweiz werden Herz, Leber, Niere, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm transplantiert. Auch Gewebe kann transplantiert werden. In der Schweiz führen nur die sechs Universitätsspitäler in Zürich, Bern, Genf, Lausanne, St.Gallen, und Basel Transplantationen durch.

Oh, im März wurde ja eine Initiative zum Thema Organspende eingereicht!

Richtig!

Und was will diese Initiative genau?

Die Initiative will zuallererst einmal die Zahl der Organspenden erhöhen. Das soll erreicht werden, indem die bisher geltende Zustimmungslösung durch eine Widerspruchslösung ersetzt wird. In Zukunft sollen also potentiell alle in Frage kommenden Menschen die Zustimmung vermutet werden – vorausgesetzt, sie äussern sich nicht explizit gegen eine Spende oder ihre Angehörigen wissen über den Willen Bescheid. Bei Sterbenden, die keine Willensäusserung dokumentiert haben, sollen weiterhin Angehörigengespräche durchgeführt werden.

Allerdings ist unklar, ob ein Wechsel zur Widerspruchslösung tatsächlich eine Erhöhung der Spenderrate zur Folge hätte. Swisstransplant erhofft sich von der Initiative vor allem auch eine Debatte über das Thema Organspenden.

Was sagte eigentlich DJ Shadow dazu?

Nicht viel, sein Lied «Organ Donor» ist eher instrumentell gehalten:

Und was sagt der Bundesrat dazu?

Der Bundesrat lehnt die Volksinitiative ab und setzt stattdessen auf die Aufklärungskampagne «Rede über Organspende: Deinen Liebsten zuliebe.» Wenn du linear TV schaust, hast du diese Werbung sicher schon gesehen:

Ach, eigentlich ist mir die Meinung von Politikern schnuppe. Ich vertraue nur Comedians!

Gut, denn Komiker und Stimmenimitator Stefan «Büssi» Büsser hat seine Meinung in der Arena ziemlich deutlich gemacht. Büssi, der möglicherweise selber irgendwann auf eine Organspende angewiesen ist und sich seit Jahren für steigende Spenderzahlen engagiert, ist sicher: Nur die Widerspruchslösung bewirke etwas.

Wie ist die Situation im Ausland?

Belgien, Frankreich und Österreich kennen die Widerspruchslösungen oder ähnliche Regelungen. In Deutschland wird aktuell über eine Änderung von der Zustimmungs- zur Widerspruchslösung diskutiert.

Wann wird eine Organentnahme durchgeführt?

Die Organentnahme ist nur möglich, wenn bei dem Patienten der Hirntod festgestellt wurde.

Und wann tritt der Hirntod ein?

Dieser tritt ein, wenn die Funktionen des Gehirns irreversibel ausgefallen sind, das Gehirn also nicht mehr durchblutet wird und die Hirnzellen somit absterben. Das kann etwa bei Hirnblutungen oder unfallbedingten Verletzungen geschehen.

Bild: swisstransplant

Die Diagnose muss von zwei von der Transplantation unabhängigen Medizinern festgestellt worden sein. Gleichzeitig müssen die Organe mittels künstlicher Beatmung und kreislaufstützenden Medikamenten am Leben gehalten werden.

Kommt es vor, dass Patienten fälschlicherweise für hirntot erklärt werden?

In Deutschland gab es in den letzten Jahren eine Handvoll Fälle, bei denen fälschlicherweise der Hirntod festgestellt worden war. In einem Fall wurde der Fehler erst kurz vor der Organentnahme festgestellt. In der Schweiz ist diesbezüglich kein ähnlicher Fall bekannt.

Ist das Konzept des Hirntods umstritten?

In der Schweiz will Äpol, ein Verein von Ärzten und Pflegefachleuten, die Organentnahme bei Hirntoten komplett verbieten. Das menschliche Leben müsse unantastbar sein, so Äpol. Zudem werde der natürliche Sterbeprozess gestört, weil die Angehörigen in den letzten Sekunden vor dem Tod nicht mehr bei den Sterbenden sein dürfen. Dies, weil die Organe in lebendem Zustand sein müssen.

Vertreter von Organspendeorganisationen warnen vor einem solchen Schritt. Patienten, die auf ein gesundes Organ angewiesen sind, müssten dann für eine Operation ins Ausland ausweichen.

Was ist, wenn zum Beispiel ein Herzstillstand eintritt?

Dann kann eine Organspende nach Herz- und Kreislaufstillstand in Frage kommen. Wenn die Prognosen für eine Therapie aussichtslos sind, kann nach Abklärung aller Voraussetzungen im Operationssaal eine Transplantation beschlossen werden.

Beim Herz- und Kreislaufstilland müssen zwei Ärzte nach dem Vieraugenprinzip und unabhängig vom Transplantationsteam den Herz- und Hirntod feststellen. Nach dem Kreislaufstillstand ist eine Wartezeit von fünf Minuten, die sogenannte no-touch-Periode gesetzlich vorgeschrieben. Erst danach kann die Transplantation durchgeführt werden.

Wer verdient an den Organspenden?

Niemand. Organspenden sind unentgeltlich. Das Transplantationsgesetz verbietet den Handel mit Organen.

Brauche ich einen Organspende-Ausweis?

Bislang ist der Organspende-Ausweis eines der Mittel, mit denen man einer Organspende seine Zustimmung oder Widerspruch geben konnte. Neu kann man sich auch in einem nationalen Organspenderegister eintragen und dort seinen Willen festhalten.

Wie denken SchweizerInnen darüber?

Laut einer Umfrage von Swisstransplant sind 91 Prozent der Bevölkerung positiv eingestellt gegenüber Organspenden.

Ach so, dann ist ja alles gut?

Eben nicht. Nur gerade 30 Prozent haben geregelt, was mit ihren Organen nach dem Ableben passieren soll. Wenn Angehörige dann entscheiden müssen, lehnen sie in über 60 Prozent der Fälle eine Organspende ab. Aus Angst, den Willen des Verstorbenen nicht zu respektieren.

Wer regelt die Reihenfolge der Organspenden?

Immer wieder hört man, dass wohlhabende Patienten bei der Spendenvergabe bevorzugt werden. Massgebend ist jedoch das seit 2007 gültige Schweizer Transplantationsgesetz. Vier Kriterien entscheiden über die Zuteilung von Organen:

  • Medizinische Dringlichkeit
  • Medizinischer Nutzen
  • Spezifische Prioritätenmerkmale (Kinder, seltene Blutgruppe, usw.)
  • Wartezeit

Ein Computerprogramm, das Swiss Organ Allocation System, berechnet anschliessend die Rangliste der Patienten und Zuordnung der Organe.

Organentnahmen werden ohne Narkose durchgeführt, oder?

Nein. Zwar geht man davon aus, dass Hirntote kein Schmerzempfinden mehr haben. Weil das intakte Rückenmark aber noch über Muskelreflexe verfügt, werden die Operationen unter Vollnarkose durchgeführt.

(wst)

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