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Wie die Pharmabranche das BAG bei Medikamentenpreisen dominiert

12.02.2019, 02:0712.02.2019, 02:25

In der Schweiz werden Medikamentenpreise vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) festgelegt. Dabei orientiert man sich einerseits am Ausland. So wird verglichen, welche Kosten Krankenkassen für die jeweilige Medikamente in anderen Ländern übernehmen müssen. Andererseits wird berechnet, was eine Behandlung mit anderen Arzneimitteln kostet und welchen Zusatznutzen das neue Produkt bringt. 

Diese Praxis steht in der Kritik. Denn: Das BAG legt die Preise anhand von ausländischen Listen fest. Jedoch sind darauf von der Pharmaindustrie gewährte Rabatte nicht ausgewiesen. Sprich: In Tat und Wahrheit weiss das BAG gar nicht, wie viel ein Krankenkassenversicherter für ein Medikament in einem anderen Land zu bezahlen hat. 

Pharmabranche kontrolliert Preise

«Der Auslandpreisvergleich läuft wegen der gewährten Rabatte ins Leere, er ist ein Auslaufmodell», sagt Guido Klaus von der Helsana. Er kennt auch den Grund, warum dem so ist: Da niemand die Preise eines anderen Landes kennt, «könne die Pharmabranche die Länder gegeneinander ausspielen», zitiert der «TagesAnzeiger».

Guido Klaus
Guido KlausBild: KEYSTONE

Rabatte auf Medikamentenpreise sind hierzulande eigentlich nicht vorgesehen. Ein Bericht der «Rundschau» offenbart aber ein anderes Bild. Tatsächlich hat das BAG mit der Pharmabranche einige Deals ausgehandelt. Diese würden aber «nur in Ausnamefällen» zur Anwendung kommen – etwa dann, wenn bei einer Krebstherapie gleich zwei Medikamente von Roche eingesetzt werden.

Für Klaus ist klar, dass diese Rabatte «reine Hinterzimmerdeals» sind. Das BAG sei auf ein Entgegenkommen der Branche angewiesen – selber könne es keine Rabatte einfordern oder durchsetzten. 

Hoher «Schaufensterpreis»

Das ist ganz im Sinne der Pharmabranche. «Die Pharmabranche wünscht einen hohen Schweizer ‹Schaufensterpreis›, da auch im Ausland Preisvergleiche durchgeführt werden und ein hoher Schweizer Preis deshalb für sie vorteilhaft ist», sagt Preisüberwacher Stefan Meierhans.

Stefan Meierhans
Stefan MeierhansBild: KEYSTONE

Er verlangt deshalb, dass das BAG mit ausländischen Behörden zusammenarbeitet. Damit könne die Verhandlungsmacht gestärkt werden. Ebenfalls fordert der Preisüberwacher ein Antrags- und Rekursrecht der Krankenversicherer.

Einen Schritt weiter geht Klaus. Laut dem «TagesAnzeiger» setzt er sich für ein Systemwechsel bei der Preisfestlegung von Medikamenten ein. So soll auch die «Bezahlbarkeit für das System» berücksichtigt werden. Jedoch hat der Ständerat einen entsprechenden Vorstoss neulich abgelehnt.

Die Pharmabranche hingegen macht nicht den Anschein, eine Änderung herbeiführen zu wollen – sie spricht von einem «bewährten System». (vom)

Einzelne Pillen statt ganze Packungen:

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9 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Fairness
12.02.2019 09:01registriert Dezember 2018
Hoffentlich erstickt die Pharmabranche irgendwann an ihrer Gier. Und noch ein paar andere aus der Gesundheitsbranche und auch anderen dazu.
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Sophia
12.02.2019 08:48registriert Juli 2015
Unsere Medipreise sind sind viel zu hoch gemessen an den internationalen Preisen. Es stimmt gar nicht, dass das BAG Durchschnittspreise festlegt. Auch unsere Aerzte, die ich sonst sehr hoch schätze, lassen sich immer wieder von unseren "Grossen" einlullen, indem sie glauben, nur so könne dir Forschung in CH erhalten bleiben. Sie übersehen dabei, dass wir in der CH die Forschung von z.B. Roche und Novartis ganz alleine tragen ( Sie haben im Ausland viel niedrige Preise) und wegen der Gleichbehandlung gleichwertiger ausl. Medis auch noch Milliarden zu viel für ins Ausland transferieren.
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Swisslord
12.02.2019 08:52registriert August 2016
Vielen Dank für diesen Artikel. Solche Sachen will ich sehen, die die Probleme unseres System beleuchten.
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