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ARCHIV - ZUM BOERSENGANG DER VERSANDAPOTHEKE

Bild: KEYSTONE

Wie die Pharmabranche das BAG bei Medikamentenpreisen dominiert



In der Schweiz werden Medikamentenpreise vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) festgelegt. Dabei orientiert man sich einerseits am Ausland. So wird verglichen, welche Kosten Krankenkassen für die jeweilige Medikamente in anderen Ländern übernehmen müssen. Andererseits wird berechnet, was eine Behandlung mit anderen Arzneimitteln kostet und welchen Zusatznutzen das neue Produkt bringt. 

Diese Praxis steht in der Kritik. Denn: Das BAG legt die Preise anhand von ausländischen Listen fest. Jedoch sind darauf von der Pharmaindustrie gewährte Rabatte nicht ausgewiesen. Sprich: In Tat und Wahrheit weiss das BAG gar nicht, wie viel ein Krankenkassenversicherter für ein Medikament in einem anderen Land zu bezahlen hat. 

Pharmabranche kontrolliert Preise

«Der Auslandpreisvergleich läuft wegen der gewährten Rabatte ins Leere, er ist ein Auslaufmodell», sagt Guido Klaus von der Helsana. Er kennt auch den Grund, warum dem so ist: Da niemand die Preise eines anderen Landes kennt, «könne die Pharmabranche die Länder gegeneinander ausspielen», zitiert der «TagesAnzeiger».

Ruedi Bodenmann, CEO Assura, links, Felix Schneuwly, comparis.ch, Mitte, und Guido Klaus, Helsana, rechts, fotografiert waehrend einer Kurztagung ueber das Thema

Guido Klaus Bild: KEYSTONE

Rabatte auf Medikamentenpreise sind hierzulande eigentlich nicht vorgesehen. Ein Bericht der «Rundschau» offenbart aber ein anderes Bild. Tatsächlich hat das BAG mit der Pharmabranche einige Deals ausgehandelt. Diese würden aber «nur in Ausnamefällen» zur Anwendung kommen – etwa dann, wenn bei einer Krebstherapie gleich zwei Medikamente von Roche eingesetzt werden.

Für Klaus ist klar, dass diese Rabatte «reine Hinterzimmerdeals» sind. Das BAG sei auf ein Entgegenkommen der Branche angewiesen – selber könne es keine Rabatte einfordern oder durchsetzten. 

Hoher «Schaufensterpreis»

Das ist ganz im Sinne der Pharmabranche. «Die Pharmabranche wünscht einen hohen Schweizer ‹Schaufensterpreis›, da auch im Ausland Preisvergleiche durchgeführt werden und ein hoher Schweizer Preis deshalb für sie vorteilhaft ist», sagt Preisüberwacher Stefan Meierhans.

Stefan Meierhans, Schweizer Preisueberwacher, spricht an der Jahresmedienkonferenz, am Donnerstag, 26. Febraur 2015, in Bern. Der Preisueberwacher will dieses Jahr der Politik genauer auf die Finger schauen. Um die Wettbewerbsfaehigkeit des Wirtschaftsstandorts Schweiz in Zeiten des starken Frankens zu erhalten, fordert er von den Behoerden

Stefan Meierhans Bild: KEYSTONE

Er verlangt deshalb, dass das BAG mit ausländischen Behörden zusammenarbeitet. Damit könne die Verhandlungsmacht gestärkt werden. Ebenfalls fordert der Preisüberwacher ein Antrags- und Rekursrecht der Krankenversicherer.

Einen Schritt weiter geht Klaus. Laut dem «TagesAnzeiger» setzt er sich für ein Systemwechsel bei der Preisfestlegung von Medikamenten ein. So soll auch die «Bezahlbarkeit für das System» berücksichtigt werden. Jedoch hat der Ständerat einen entsprechenden Vorstoss neulich abgelehnt.

Die Pharmabranche hingegen macht nicht den Anschein, eine Änderung herbeiführen zu wollen – sie spricht von einem «bewährten System». (vom)

Einzelne Pillen statt ganze Packungen:

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Video: srf/SDA SRF

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    Alle Leser-Kommentare
  • Ichsagstrotzdem 12.02.2019 13:33
    Highlight Highlight Niemand hat ein Recht sich darüber aufzuregen!
    Ausser diejenigen, die in einer Patientenorganisation sind und sich für deren Rechte einsetzen (so wie das die Pharmabranche, die Ärzte, die Leistungserbringer und die Krankenkassen tun). Aber in der Schweiz ist das sogut wie keiner, also: Ruhe jetzt!
  • El Schnee 12.02.2019 12:03
    Highlight Highlight Solche Rabatte sind vermutlich häufiger, als hier, rethorisch aufweichend als Ausnahmen dargestellt. Das gleiche Vorgehen konnte ich z.b. auch bei einem Produkt von AstraZeneca beobachten: Ladenpreis rund 700.-, Abrechnung der Krankenkasse rund 550.-. Aber diese undurchsichtige Preisausmarchung ist nur ein Teil des Problems. Schwerwiegender sind Kontrollverluste der Behörden über die Wirksamkeit und den Nutzen, man beachte auch die aktuell diskutierte bestehende Intransparenz bei klinischen Studien. Ist die Zulassung in einem Land erreicht, sinkt die Hürde dafür auch bei anderen.
  • Makatitom 12.02.2019 11:51
    Highlight Highlight Na Bravo, BAG. Alain, bekomm endlich diesen Laden in den Griff. Befiehl denen, Versicherungsdetektive ins nahe Ausland zu schicken um die korrekten Preise zu evaluieren. Wir bezahlen nämlich die Forschung für diese Konzerne mindestens 2, wenn nicht drei mal. Mit den überhöhten Medi-Presein und mit den Steuern (Forschungsbeiträge des Bundes). Eine absolute Frechheit so was. Wieso hört man da so nix von der Partei die immer behauptet, für das Volk zu politisieren?
    • Na_Ja 12.02.2019 17:09
      Highlight Highlight Im Vergleich zu vielen verdienen wir aber auch mind. 2-3x mehr. Auch das hat etwas mit sozialer Verantwortung zu tun. Uns geht es sehr sehr gut, deshalb sollen wir auch einen grösseren Anteil bezahlen, damit auch Menschen profitieren, welche weniger privilegiert sind.
    • Makatitom 12.02.2019 17:51
      Highlight Highlight Ein Süddeutscher hat, kaufkraftbereinigt, Ende Monat mehr übrig als die meisten Schweizer, trotzdem kosten Medis weniger als die Hälfte. Ich bin auch einverstanden, dass wir mitbezahlen für Menschen, die sich die Medikamente nicht leisten können, bspw. in Afrika, Asien oder Südamerika. Wir haben ganz einfach viel zu viele Pharma-Lobbyisten in Bern, entweder in der Wandelhalle oder direkt in den Räten, und das ist die ganz grosse Sauerei.
  • Fairness 12.02.2019 09:01
    Highlight Highlight Hoffentlich erstickt die Pharmabranche irgendwann an ihrer Gier. Und noch ein paar andere aus der Gesundheitsbranche und auch anderen dazu.
    • Makatitom 12.02.2019 11:54
      Highlight Highlight Die Pharmabranche braucht nicht zu ersticken, aber bei Schwan, Jimenez und den Chefbeamten des BAG könnte ich wohl meine Schadenfreude kaum verbergen wenn in der Todesanzeige "erstickt an einem Bündel Dollarnoten" zu lesen wäre
  • Swisslord 12.02.2019 08:52
    Highlight Highlight Vielen Dank für diesen Artikel. Solche Sachen will ich sehen, die die Probleme unseres System beleuchten.
  • Sophia 12.02.2019 08:48
    Highlight Highlight Unsere Medipreise sind sind viel zu hoch gemessen an den internationalen Preisen. Es stimmt gar nicht, dass das BAG Durchschnittspreise festlegt. Auch unsere Aerzte, die ich sonst sehr hoch schätze, lassen sich immer wieder von unseren "Grossen" einlullen, indem sie glauben, nur so könne dir Forschung in CH erhalten bleiben. Sie übersehen dabei, dass wir in der CH die Forschung von z.B. Roche und Novartis ganz alleine tragen ( Sie haben im Ausland viel niedrige Preise) und wegen der Gleichbehandlung gleichwertiger ausl. Medis auch noch Milliarden zu viel für ins Ausland transferieren.

Wer lügt – die EU oder die Schweiz?

Viereinhalb Jahre und 32 Verhandlungsrunden lang diskutierten die EU und die Schweiz das Rahmenabkommen. Und doch ist völlig unklar, ob das Protokoll 1 zum Lohnschutz verhandelt wurde oder nicht. Ja, sagt die EU. Nein, die Schweiz.

Die EU-Kommission hat sehr genau Buch geführt über die Treffen, Telefongespräche und Verhandlungsrunden mit der Schweiz. So sprach EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker 23mal mit diversen Präsidenten der Schweiz, darunter in acht offiziellen Treffen. EU-Kommissar Johannes Hahn traf Aussenminister Ignazio Cassis siebenmal. Total kamen die EU und die Schweiz in den letzten viereinhalb Jahren auf 32 Verhandlungsrunden. Eine «unglaubliche Intensität», wie Kommissar Hahn im Dezember 2018 sagte.

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