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Switzerland's Roger Federer poses with his trophy after defeating Romania's Marius Copil in their final match at the Swiss Indoors tennis tournament at the St. Jakobshalle in Basel, Switzerland, on Sunday, October 28, 2018. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Roger Federer darf zum neunten Mal die Trophäe der Swiss Indoors hochheben. Bild: KEYSTONE

«Diese Ekstase macht süchtig» – Federer holt den neunten Titel in Basel

Roger Federer (ATP 3) ist nicht ganz Hundert. An den Swiss Indoors in Basel feierte er seinen 99. Turniersieg, den 9. in Basel und den 4. hintereinander. Den Final gegen Marius Copil (ATP 93) gewann Federer nach Rückstand in beiden Sätzen in 94 Minuten 7:6 (7:5), 6:4.



Die Siegerehrung zog sich in die Länge. Roger Federer dankte allen - in englisch, französisch und schweizerdeutsch. Er verdrückte am Ende Freudentränen und meinte, er sei der glücklichste Mensch der Welt. Federer war bewegt und bewegte die Massen. «Es ist immer sehr emotional hier», so Federer.

Der Matchball im Video

In seiner Dankesrede blieb Federer bei den Offiziellen hängen. Bei jenen Leuten, die hinter den Kulissen arbeiten - wie beispielsweise den Verantwortlichen fürs «Hawkeye» - das «Adlerauge», das die umstrittenen Linienrichter-Entscheidungen aufklärt. Vor Jahren, bei der Einführung des Systems, zählte Federer zu den engagiertesten Gegners. Nach dem Final in Basel stellte Federer fest, dass das «Hawkeye» diesmal auf seiner Seite stand. Federer: «So etwas habe ich noch nie erlebt.»

Federer will Paris-Bercy spielen

Im Gegensatz zu den letzten Jahren, in denen Roger Federer nach dem Turniersieg an den Swiss Indoors jeweils auf das Masters-1000-Turnier in Paris verzichtet hat, will der Schweizer diesmal im Palais Omnisports von Bercy an den Start gehen. Federer buchte einen Flug für Dienstag und einen Trainingsplatz in Paris am Dienstagnachmittag. Federer: «Schon die ganze Woche zeichnete sich bei mir die Tendenz ab, diesmal Paris zu spielen. Ich fühle mich gut und fit.» (abu/sda)

Federer sprach die entscheidenden Szenen des Finals an. Es stand 4:4 im zweiten Satz. Marius Copil machte den Eindruck, als ob er stehend k.o. wäre. Die Hoffnungen des 28-jährigen Rumänen ruhten fast nur noch auf dem Aufschlag, den er mit Tempi von bis zu 243 km/h auf den Gegner losliess. Wohl deshalb brach Copil in seinem Aufschlagspiel zwei Ballwechsel ab, bei denen er dachte (oder hoffte), die Bälle könnten ausserhalb des Feldes gelandet sein. Beide Male lag Copil falsch. Viermal musste in diesem Aufschlagspiel «Hawkeye» knifflige Bälle auflösen. Stets fiel der Entscheid des Systems zu Gunsten Federers aus und gegen Copil.

Federer hebt die Trophäe in die Höhe.

Am Ende blieben diese entscheidenden Momente aber doch nur als Randnotiz haften. Federers 99. Turniersieg ist schliesslich schon fast ein historischer. Seit Mitte Juni und dem Turniersieg auf Rasen in Stuttgart hatte der 37-jährige Basler auf den nächsten Grosserfolg warten müssen.

Die Art und Weise, wie Federer in Basel triumphierte, machte den Siegeszug speziell. Federer strauchelte durch die ersten Runden. Er schien verwundbar. Er brachte gegen Filip Krajinovic, Jan-Lennard Struff und Gilles Simon zehn Aufschlagspiele nicht durch - gegen Krajinovic und Simon verlor er sogar dreimal in einem Satz den Aufschlag. So etwas hatte man von Roger Federer noch gar nie gesehen.

Und dann plötzlich, weniger als einen Tag später, war alles anders: In den 18 Stunden zwischen dem verwandelten Matchball im Viertelfinal gegen Gilles Simon und dem ersten Aufschlag im Halbfinal gegen den Russen Daniel Medwedew (ATP 20) fand Federer zu seinem besten Tennis zurück. Wie schaffte er das? In einen Kessel mit Zaubertrank dürfte Federer kaum gefallen sein. Federers Erklärung tönte simpel: Er habe gut geschlafen.

Federer bedankt sich bei den Ballkids.

Wie auch immer: Übers Wochenende präsentierte sich Federer gegen Medwedew (6:1, 6:4) und Copil (7:6, 6:4) wieder so stark wie in den ersten Wochen der Saison, in denen er mit 17:0 Siegen zum Turniersieg am Australian Open und zurück an die Weltranglistenspitze marschiert war. Am Ende agierte Federer magistral und schon fast göttlich. Die Fans in der St. Jakobshalle flippten aus. «Ja, diese Ekstase macht süchtig», so Federer. «Oder was meint ihr, warum ich immer noch spiele? Diese Momente sind dafür der Hauptgrund.»

In Basel erlebte Federer in den letzten Jahren viele derartige Momente. Bei den letzten zwölf Teilnahmen erreichte Federer stets den Final. 20:0 lautet seine Einzelbilanz seit der Niederlage im Final von 2013 gegen Juan Martin Del Potro. In den letzten 15 Jahren verlor Federer im «Joggeli» nur gegen Del Potro (2x) und Novak Djokovic (1x). «Ich bin glücklich, dass ich dieses Turnier auch in der neuen Halle gewinnen durfte», so Federer. Dabei siegt er «indoors» fast immer. In den letzten drei Jahren gewann er in der Halle 23 Einzel von 24. Die einzige Niederlage kassierte er in den Halbfinals der ATP World Tour Finals vor einem Jahr in London gegen David Goffin.

Federers Steigerungslauf in Basel lässt hoffen, dass er nicht wieder fast viereinhalb Monate bis zum nächsten Turniersieg, seinem 100., warten muss. Federer hofft, in Basel den «Turnaround» geschafft zu haben. Federer: «Für mich war Basel eine phantastische Woche. Ich kämpfte mich zum Turniersieg. Ich gewann dieses Turniers anders als viele vorher. Und das sorgt für Genugtuung.» (abu/sda)

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