DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Höhenflug gebremst? Tesla-Chef Elon Musk bekommt sein Fett ab.<br data-editable="remove">
Höhenflug gebremst? Tesla-Chef Elon Musk bekommt sein Fett ab.
Bild: EPA/NTB SCANPIX

Tesla-Chef in der Kritik: Hat Elon Musk den Bogen überspannt?

Es ist ein ungewohntes Bild: Tesla-Chef Elon Musk, normalerweise als Visionär gefeiert, erlebt einen ungemütlichen Sommer. Der Tech-Milliardär steht seit Wochen unter Druck – jetzt will er die Kritik mit einem Masterplan kontern. Doch die Zweifel wachsen.
13.07.2016, 11:1213.07.2016, 11:40

Einem Superstar des Silicon Valley bläst der Gegenwind ins Gesicht: Tesla-Chef Elon Musk steht nach einem tödlichen Unfall mit dem Fahrassistenten «Autopilot», einem gewagten Übernahmeplan und einem umstrittenen Aktienverkauf in der Kritik wie selten zuvor. Der schillernde Tech-Unternehmer reagiert dünnhäutig und kündigt kryptisch einen «geheimen Masterplan» an.

«Gerichtsverfahren könnten irgendwann entscheiden, ob Tesla und Musk relevante Fakten zurückgehalten haben, als sie im Mai Aktien verkauften», schrieb die bekannte «Fortune»-Journalistin Carol Loomis in der vergangenen Woche. Daraufhin platzte Musk der Kragen. Der Artikel sei «BS» (Abkürzung für «Bullshit»), mit dem das Magazin Kasse machen wolle, twitterte der Tesla-Chef.

Die Angelegenheit könnte aber durchaus einige Brisanz bergen. Es geht um die Frage, ob das Unternehmen seine Investoren früher über den Unfall hätte informieren müssen, bei dem bereits am 7. Mai ein Tesla-Fahrer ums Leben gekommen war. Das Besondere an dem Crash ist, dass der computergesteuerte Fahrassistent eingeschaltet war.

Der Fall löste eine breite Diskussionen um den sogenannten «Autopiloten» aus. Experten trauen Technik grundsätzlich zu, Menschen irgendwann weitgehend als Fahrer ersetzen zu können – noch sind die komplett selbstfahrenden Autos allerdings Testwagen.

US-Verkehrsbehörde ermittelt

Tesla war im vergangenen Jahr mit seinem Fahrassistenz-System vorangeprescht. Es schien ein grosser Erfolg, bis einige Unfälle bekannt wurden, allen voran der Crash mit Todesfolge. Nun ermittelt die US-Verkehrsbehörde NHTSA, die nun alle möglichen Informationen zum «Autopilot»-System anforderte. Und einem Bericht des «Wall Street Journal» zufolge geht zudem die Börsenaufsicht SEC der Frage nach, ob Anleger rechtzeitig informiert wurden.

Die Tesla-Erfolgsgeschichte – kommt jetzt ein neues Kapitel?

1 / 20
Wie Elon Musk mit Tesla durchstartete
quelle: getty images north america / joe raedle
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Besonders umstritten ist vor diesem Hintergrund, dass Tesla am 18. Mai neue Aktien im Wert von 1.4 Milliarden Dollar verkauft hatte. Hat die Firma ihren Anlegern dabei etwas verschwiegen? Tesla verteidigt sich – die Untersuchung des Unfalls habe zum Zeitpunkt der Kapitalerhöhung erst begonnen, die Log-Daten des Crash-Fahrzeugs seien noch nicht ausgewertet gewesen. Zudem habe der Aktienkurs gar nicht unter dem Unfall gelitten.

Das Thema bleibt jedoch kontrovers. «Tesla hat sich mit vielen Innovationen rund um autonomes Fahren weit nach vorne gewagt, ist dabei aber auch nicht unerhebliche Risiken eingegangen», sagt Experte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM).

Mit dem Fahrerassistenzsystem seien bei den Kunden hohe Erwartungen geschürt worden – vielleicht zu hohe. Musk selber betonte im «Wall Street Journal», Tesla habe keine Pläne, das «Autopilot»-System abzustellen – weil es «unterm Strich» Leben rette.

Vetternwirtschaft kritisiert

Auch wenn noch nicht absehbar ist, ob «Autopilot» zu einem grösseren Problem wird: Für Musk kommt er zur Unzeit. Der 45-Jährige, der neben Tesla unter anderem auch noch die Weltraumfirma SpaceX führt, erlebt ohnehin schon einen stressigen Sommer.

Im Mai kündigte Musk an, mit Tesla den angeschlagenen Ökostrom-Spezialisten Solar City übernehmen zu wollen – bei dem zwei Cousins involviert sind und er selbst grösster Anteilseigner ist. Kritiker witterten Vetternwirtschaft. Der Grossinvestor Jim Chanos bezeichnete den geplanten Deal als «schlimmstes Beispiel für schamlose Unternehmensführung». Dass Chanos von Musk nicht viel hält, war zwar bekannt, der Hedgefonds-Manager wettet auf einen Kursverfall der Tesla-Aktie.

Doch auch Experten, die eigentlich wohlgesonnen sind, äusserten sich skeptisch. Musk sei zwar ein Genie, doch «seine Magie zieht nicht mehr», kommentierte Ryan McQueeney vom Analysehaus Zacks Investment Research.

Aktie steigt trotz entäuschendem Absatz

Fest steht: Die Diskussionen um «Autopilot» und die umstrittene Solar-City-Übernahme könnte Musk gelassener sehen, wenn wenigstens die Geschäfte bei Tesla gut laufen würden. Doch im zweiten Quartal enttäuschte der Absatz – weil die Produktion erst zum Ende des Vierteljahrs hochgefahren worden sei und mehr Autos als sonst noch auf dem Weg zu Kunden stecken, erklärte Tesla.

Der Druck ist gross: Ende Juli will die Firma in Nevada eine gigantische Batteriefabrik einweihen, weitere negative Schlagzeilen kann man nicht gebrauchen.

Musk ging am Wochenende bereits in die Gegenoffensive. Er arbeite an einem «Top Secret Tesla Masterplan Part 2» und hoffe, diesen noch in dieser Woche veröffentlichen zu können, teilte Musk nebulös bei Twitter mit. Nun rätseln Anleger und Analysten, was er im Schilde führt.

Ein kleiner Erfolg gelang dem von seinen Fans als Visionär gefeierten Unternehmer damit aber bereits – die Tesla-Aktie stieg zu Wochenbeginn zeitweise um über vier Prozent. Auch nachdem die detaillierte NHTSA-Prüfung bekannt wurde, schloss das Papier am Dienstag nur mit einem hauchdünnen Minus von 0,06 Prozent. (wst/sda/dpa)

Mehr zu Tesla und Elon Musk

Alle Storys anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Mieten sinken nicht – Referenzzinssatz harrt bei 1.25 Prozent

Der Referenzzinssatz für Wohnungsmieten bleibt unverändert. Mieterinnen und Mieter können somit keinen Anspruch auf eine Senkung ihrer Mieten geltend machen. Auf der anderen Seite können Hausbesitzer die Mieten gestützt auf diesen Referenzwert auch nicht erhöhen.

Zur Story