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9/11-Gedenkfeier
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Hillary Clinton gerät ins Wanken – jetzt muss sie in den Debatten glänzen

Die demokratische Kandidatin für die US-Präsidentschaft hat ein miserables Wochenende hinter sich. Noch ist nichts verloren, aber weitere Fehltritte kann sich Hillary Clinton kaum leisten.
12.09.2016, 13:5612.09.2016, 21:12

Solche Aufnahmen können Karrieren zerstören: Ein am Rande der Gedenkfeier zum 15. Jahrestag der 9/11-Anschläge am Sonntag in New York entstandenes Handyvideo zeigt eine Hillary Clinton, die sich nicht mehr auf ihren Beinen halten kann. Sie muss regelrecht zum Fahrzeug geschleppt werden, das sie zur Wohnung von Tochter Chelsea brachte.

Die Präsidentschaftskandidatin der US-Demokraten hatte ihre Teilnahme an der Feier abrupt beenden müssen. Rund 90 Minuten später verliess sie Chelseas Appartement, auf eigenen Beinen. Sie posierte mit einem Mädchen für ein Foto und sagte: «Ich fühle mich grossartig, es ist ein wunderbarer Tag in New York.» Der Auftritt sollte Stärke demonstrieren, doch später teilte ihre Ärztin mit, Clinton leide an einer Lungenentzündung.

Das Video der wankenden Hillary.

Die Bilder werfen ein schlechtes Licht auf eine Person, die sich um die Präsidentschaft und damit auch um das Amt des Oberkommandierenden der US-Streitkräfte bewirbt. Hillary Clinton muss sich seit Wochen gegen Gerüchte wehren, sie sei gesundheitlich angeschlagen. Die meisten «Beweise», die von Anhängern des republikanischen Kandidaten Donald Trump gestreut werden, sind absurd. Der Vorfall vom Sonntag aber verleiht ihnen Gewicht.

Es war das unschöne Ende eines miserablen Wochenendes für Clinton. An einer Spendengala am Freitag sagte sie, die Hälfte von Trumps Anhängern seien «ein Korb voller Jammergestalten» (basket of deplorables). Beobachter wunderten sich über diesen Fehltritt, der so gar nicht zu Clintons Image als Kontrollfreak passt. Sie selber bemühte sich am Samstag in einer Erklärung um Schadensbegrenzung. Viele Trump-Anhänger seien «hart arbeitende Amerikaner, die einfach nicht das Gefühl haben, dass die Wirtschaft oder das politische System für sie arbeitet».

Sofort wurden Parallelen gezogen zum Wahlkampf 2012. Ein heimlich gedrehtes Video zeigte den republikanischen Kandidaten Mitt Romney, wie er vor Spendern über die 47 Prozent der Amerikaner herzog, die angeblich keine Steuern zahlen und ihn niemals wählen würden. Romney litt bis zum Wahltag unter der Kontroverse. Auch Barack Obama war 2008 in die Kritik geraten, als er über «verbitterte Menschen» sprach, die sich «an Waffen und Religion klammern».

Rennen ist knapper geworden

Obama gewann die Wahl trotzdem. Er profitierte von der Wechselstimmung im Land. Eine solche ist wieder spürbar, doch nun ist Trump der Nutzniesser. Für Clinton ist das ein Problem. Vor kurzem schien sie auf einen komfortablen Wahlsieg zuzusteuern. Doch das Rennen ist knapper geworden. Donald Trump holt in den Umfragen auf, was auch daran liegt, dass Clinton im August nur wenige Auftritte absolvierte und lieber Spendengelder sammelte.

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Mit dem Beginn der heissen Phase vor einer Woche wollte sie in die Offensive gehen. Bereits ihr erster Auftritt in Cleveland im wichtigen Bundesstaat Ohio gelang ihr nur bedingt. Sie kämpfte während ihrer Ansprache wiederholt mit einem starken Husten, angeblich wegen einer Allergie. Der Schwächeanfall an der 9/11-Veranstaltung hat ihr den Wahlkampf-Endspurt definitiv vermiest.

«Das ist nicht das Ende der Welt, aber es ist auch nicht gut», sagte eine den Clintons nahe stehende Person der Website Politico. Tatsächlich sind es noch acht Wochen bis zur Wahl, Zeit genug, um die Scharte auszuwetzen. Das Prognose-Modell von Statistiker Nate Silver gibt ihr eine Erfolgschance von 70 Prozent. Und 2016 ist kein gewöhnliches Wahljahr.

Allerdings wird der Druck auf Clinton zunehmen, endlich ausführliche Angaben über ihren Gesundheitszustand zu veröffentlichen. Bislang hat die 68-Jährige – sie wäre die zweitälteste Person, die je ins Präsidentenamt gewählt wurde – nur allgemeine Auskünfte erteilt. Ihre Ärztin bescheinige ihr eine «exzellente Gesundheit». Der 70-jährige Donald Trump ist nicht transparenter. Dabei hat er eine Schwäche für Fastfood, und er ist alles andere als ein Modellathlet.

Lange Erholung nach Gehirnerschütterung

Das ist kein Vergleich zum damals 71-jährigen John McCain, der im Wahlkampf 2008 mehr als 1000 Seiten mit medizinischen Daten publiziert hatte. Geht Clinton mit gutem Beispiel voran, kann sie Trump unter Druck setzen. So aber bleiben Fragezeichen. US-Medien erinnerten an die Gehirnerschütterung, die sie 2012 als Aussenministerin erlitten hatte. Ehemann Bill sagte später, Hillary habe «sechs Monate lang hart arbeiten müssen», um gesund zu werden.

Hillary Clinton – ihr Leben in Bildern

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Immer mehr ins Zentrum rücken damit auch die Fernsehdebatten zwischen Clinton und Trump. Die erste findet bereits in zwei Wochen statt, am 26. September. Bis dann muss die Demokratin wieder fit sein. Zwei weitere folgen am 9. und 19. Oktober. Hillary Clinton will offenbar versuchen, ihren Rivalen so stark zu reizen, dass er die Nerven verliert und für das breite Publikum unwählbar wird.

Das dürfte nicht ganz einfach sein. Als langjähriger Star einer Reality-Show ist Donald Trump TV-gestählt. Er hat elf (!) Debatten mit seinen republikanischen Vorwahl-Gegnern schadlos überstanden. Der Wahlkampf-Endspurt dürfte spannender werden, als es Hillary Clinton lieb sein kann. Und daran ist sie in erster Linie selber schuld.

US-Wahlen 2016

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