DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
A Tesla Model S involved in the fatal crash on May 7, 2016 is shown with the top third of the car sheared off by the impact of the collision of the Tesla with a tractor-trailer truck on nearby highway and came to rest in the yard of Robert and Chrissy VanKavelaar in Williston, Florida, U.S. on May 7, 2016.  Courtesy Robert VanKavelaar/Handout via REUTERS ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. EDITORIAL USE ONLY.

Der tödliche Tesla-Unfall hat sich bereits vor rund zwei Monaten in Florida ereignet. Erst jetzt wurden Details bekannt. Bild: HANDOUT/REUTERS

Maschinen-Ethiker zum tödlichen Tesla-Unfall: «Wir sind die Versuchskaninchen auf der Strasse»

Es ist zum ersten tödlichen Unfall mit einem selbstfahrenden Auto gekommen. Maschinen-Ethiker Oliver Bendel fordert, das Experiment, in dem wir alle unfreiwillige Versuchskaninchen sind, erst einmal zu beenden.

Raffael Schuppisser / Nordwestschweiz



Herr Bendel, zum ersten Mal ist es zu einem tödlichen Unfall mit einem selbstfahrenden Auto gekommen. Ein Tesla war mit Autopilot unterwegs und ist in einen Lastwagen gefahren. Sind Sie überrascht?
Oliver Bendel: Ich bin gar nicht überrascht. Zu diesem Unfall musste es kommen. Ich halte den Tesla S zwar für ein hochwertiges Auto. Dennoch ist die Technologie noch nicht so weit, dass man sie im öffentlichen Verkehr den Kunden zur Verfügung stellen darf.

Oliver Bendel

Der Professor lehrt und forscht an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Zu seinen Schwerpunkten gehören Maschinen- und Informationsethik.
bild: zvg

Wie kam es zum Unfall?
Eine Schwachstelle ist die Kamera. Diese lässt sich leicht täuschen. In diesem Fall hat die Kamera an einer Kreuzung auf einem Highway die weisse Fläche eines LKW-Anhängers mit der in diesem Moment sehr hellen Fläche des Himmels verwechselt. So ist es zum Zusammenstoss gekommen.

Trotz Autopilot nicht zur Nachahmung empfohlen: Dieses junge Pärchen geniesst die Selbstfahr-Funktion ihres Teslas offensichtlich sehr.

Video: © Youtube/Jukin Media

Man kann sich nicht nur auf die Kamera verlassen.
Deshalb hat Tesla auch weitere Sensorik wie Radar und Ultrasonic verbaut. Aber offensichtlich haben die anderen Systeme die Ergebnisse der Kamera nicht gegengeprüft.

epa05400298 (FILE) A file picture dated 30 April 2015 shows a Tesla Motors Model S on a parking lot of the Tesla Motors Headquarters in Palo Alto, California, USA. The carmaker in a blog post on 30 June 2016 revealed that the National Highway Transportation Safety Administration (NHTSA) on 29 June 2016 was opening a preliminary evaluation into a fatal crash of one of Tesla's Model S cars. The driver was killed on 07 May 2016 during a test drive in autopilot mode when a tractor trailer crashed with the car. It is the first known fatality related to a self-driving car.  EPA/JOHN G. MABANGLO *** Local Caption *** 51912223

Rund 25'000 Tesla-«Model S»-Autos werden nach einem tödlichen Unfall unter die Lupe genommen. Bild: JOHN G. MABANGLO/EPA/KEYSTONE

Ein technisches Versagen also.
Offenbar. Die Automobilhersteller haben bei der Automatisierung ein zu hohes Tempo angeschlagen. Es gibt noch nicht genug Erfahrungswerte, welche die Systeme sicher für den Verkehr machen würden. Wir sind gerade die Versuchskaninchen auf der Strasse. Auch in der Schweiz, wo der Tesla-Autopilot seit Ende letzten Jahres erlaubt ist.

Warum dieses hohe Tempo?
Aus wirtschaftlichen Gründen. Tesla, Google und andere Firmen aus dem Silicon Valley greifen die Automobilindustrie frontal an. Die europäischen Autobauer ziehen mit, weil sie fürchten, sonst überrollt zu werden.

Mitte Mai 2016 ist ein Tesla-Fahrer mit aktiviertem Assistenzsystem auf der Autobahn bei Winterthur in einen stehenden Van geprallt.

Video: © Youtube/Andreas Hugentobler

Wird der Unfall daran was ändern?
Ich glaube, man macht erst einmal weiter wie bisher. Einzelfälle können schon einen Einfluss auf die Akzeptanz der autonomen Fahrzeuge haben. Dieser Unfall ist aber wohl nicht spektakulär genug. Wenn aber in Städten Unfälle mit Kindern passieren, wird die Diskussion richtig losbrechen und die Wirtschaft und die Politik werden das Tempo der Automatisierung im Strassenverkehr vielleicht etwas drosseln.

Wer ist schuld – Tesla, der Autopilot oder der Fahrer?Interessante Frage! Bei diesem Unfall würde ich sagen, dass Tesla relativ viel Schuld trifft. Denn die Automatik hat eindeutig versagt.

Derzeit muss der Fahrer im Autopilot-Modus stets eingreifen können.
Das stimmt. Es kann eben zu solchen Situationen kommen. Und genau deshalb baut Tesla auch Vorsichtsmassnahmen ein. So muss man etwa ab und zu das Steuer berühren. So versichert sich der Hersteller, dass tatsächlich jemand vor dem Steuer sitzt.

Tesla sagt, dass die Wagen bereits 130 Millionen Meilen mit Autopilot gefahren sind, es im Durchschnitt aber auf den Strassen in den USA alle 94 Millionen Meilen zu einem tödlichen Unfall komme. Ist der Autopilot also immer noch sicherer als der menschliche Fahrer?
Statistisch könnte man das sagen. Doch in diesem Fall hätte ein aufmerksamer Fahrer den Unfall mit Sicherheit vermieden. Er hätte die weisse Fläche des Lastwagens nicht mit dem Himmel verwechselt. Das muss sich Tesla leider sagen lassen. Man kann hier nicht einfach statistisch argumentieren.

Tesla-Fahrer erlebt eine Schrecksekunde nach der Aktivierung der Autopilot-Funktion

Video: © Youtube/mrksvideos

Es ist eine Frage der Zeit, bis es zu einem weiteren Unfall kommt. Sollte man selbstfahrende Autos gar nicht zulassen?Ich bin nicht grundsätzlich gegen autonome Autos, im Gegenteil. Die Technik ist aber noch nicht so weit. Auf die Dauer kann man mit selbstfahrenden Autos mehr Sicherheit erzeugen – Computersysteme schlafen nicht ein und haben schnellere Reaktionszeiten als Menschen. Ich plädiere aber dafür, dass man autonome Autos nur auf Autobahnen ohne Kreuzungen und nicht in den Städten zulässt.

Wie kann man zusätzliche Sicherheit schaffen?
Indem man separate Fahrbahnen für autonome Autos baut. Zudem müssten die Sensoren und die Algorithmen genauer geprüft werden. Das wird derzeit nur unzureichend gemacht. Tesla kann über Nacht per Fernzugriff ein völlig neues Fahrzeug bereitstellen, indem ein Software-Update installiert wird. Eigentlich müsste ein Auto bei diesem Prinzip jedes Mal die Zulassung verlieren, weil es unter Umständen grundlegend verändert wurde.

Ein Tesla-Fahrer hat Schwierigkeiten mit der Autopilot-Funktion: Das Auto versucht trotz doppelter Sicherheitslinie in ein entgegenkommendes Fahrzeug zu fahren.

Video: © Youtube/RockTreeStar

Was ist, wenn autonome Autos erwiesenermassen sicherer sind als menschliche Fahrer? Sollte man sie dann auch in die Städte lassen und hinnehmen, dass es doch ab und zu einen Unfall gibt?
Ich halte es grundsätzlich für ein grosses Problem, dass Maschinen Entscheidungen über Leben und Tod treffen. Wenn die Unfallzahlen sehr, sehr niedrig sind, kann man das machen. Wenn man also die derzeit eine Million an Verkehrstoten pro Jahr massiv reduzieren kann. Die Frage ist aber, wie viele von Maschinen totgefahrene Menschen akzeptiert die Gesellschaft, wenn dadurch das Gesamtwohl zunimmt, wenn also insgesamt weniger Menschen im Verkehr umkommen?

Es kommt auf die moralischen Normen einer Gesellschaft an.
Länder wie England sind eher utilitaristisch geprägt, das heisst die Maximierung des Gesamtinteresses steht im Vordergrund. Im kontinentalen Europa ist eher der absolute Wert jedes menschlichen Lebens im Fokus. Wir sehen vor allem, dass jedes Todesopfer eines zu viel ist. Es kann aber sein, dass wir durch die Praxis der autonomen Autos allmählich utilitaristische Argumentationen besser akzeptieren.

Auf YouTube finden sich zahlreiche Videos, die zeigen, dass der Autopilot noch nicht ganz ausgereift ist – was Tesla auch nicht abstreitet.

Video: © Youtube/failtribune

Was denken Sie, wird Tesla den Autopiloten nun deaktivieren?
Von sich aus wird Tesla kaum etwas machen. Der Autopilot gehört zum Herzstück des Model S. Das Feature ist ein Verkaufsargument. Und die Firma steht derzeit wirtschaftlich trotz der Vorbestellungen nicht besonders gut da. Das kann sie sich nicht leisten.

Und aus moralischer Sicht?
Der Autopilot sollte deaktiviert werden. Es braucht mehr Tests. Die Millionen gefahrener Kilometer reichen nicht aus.

So kam es zum tödlichen Unfall

Es ist der erste bekanntgewordene Todesfall in einem Auto, das sich selbst steuerte. Das System des Elektroautoherstellers Tesla konnte in hellem Licht einen weissen Lastwagen-Anhänger nicht rechtzeitig erkennen. Der tödliche Unfall mit dem automatisierten Fahrsystem des Elektroautoherstellers Tesla ruft die amerikanische Verkehrsaufsicht auf den Plan. Die Behörde NHTSA prüft, wie Teslas «Autopilot» bei dem Crash funktioniert hat.

Das Tesla-System kann beschleunigen, bremsen, die Spur halten, und Objekten ausweichen, um einen Zusammenstoss zu verhindern. In diesem Fall stiess die Limousine «Model S» jedoch mit einem Lastwagen-Anhänger zusammen, der die Fahrbahn überquerte. 

«Weder ‹Autopilot› noch der Fahrer erkannten die weisse Seite des Anhängers vor dem Hintergrund eines hellen Himmels und die Bremse wurde nicht betätigt», schrieb Tesla in einem Blogeintrag. Der Unfall ereignete sich am 7. Mai auf einem Highway in Florida, wurde aber erst jetzt durch die Mitteilung von Tesla bekannt. 

Alles zum Tesla

Tesla weiter auf Rekordkurs – nicht zuletzt wegen der «Shortseller», die richtig bluten

Link zum Artikel

Sängerin Grimes und Elon Musk erwarten ein Kind – die Reaktionen sind, äh, köstlich

Link zum Artikel

Läuft bei Tesla: Börsenwert stellt GM und Ford zusammen in den Schatten

Link zum Artikel

Elon Musk tanzt in Shanghai und es ist... schaut besser selbst

Link zum Artikel

Tesla mit Rekordzahlen: So viele neue Elektroautos fahren in der Schweiz

Link zum Artikel

Ehemalige Nummer zwei der Nasa: «Ich sehe den Mars nicht als Plan B»

Link zum Artikel

Darum trauert Tesla-Chef Elon Musk um diesen Designer

Link zum Artikel

Erdogan baut den Süper-SÜV – das wissen wir über die türkische Antwort auf Tesla

Link zum Artikel

Tesla gegen Zero-Motorrad: Dieses Duell lässt «Verbrenner» alt aussehen

Link zum Artikel

Tesla-Rivale Rivian erhält 1,3 Milliarden Dollar von Investoren

Link zum Artikel

Tesla ist so wertvoll wie noch nie – und Elon Musk twittert 😂

Link zum Artikel

Ein Schweizer will mit dem Tesla von Wil nach Kapstadt – doch er kommt nicht allzu weit

Link zum Artikel

Tesla schränkt Autopilot massiv ein – Besitzer laufen Sturm

Link zum Artikel

Tech-Giganten werden wegen Todesfällen in kongolesischen Kobaltminen verklagt

Link zum Artikel

Deutscher beschädigt 74 Autos in Täsch VS – mit einem Defi

Link zum Artikel

Das sind die 10 wichtigsten Gadgets des Jahrzehnts

Link zum Artikel

Tesla als Carsharing-Auto? Mobility testet das Elektroauto

Link zum Artikel

Teslas Cybertruck erhält keine Zulassung in Europa, sagt ein Mann, der es wissen muss

Link zum Artikel

«Rache des Elektroautos»: Tesla-Fahrer kontern E-Auto-Gegner mit Tankstellen-Blockade

Link zum Artikel

Tesla-Chef fährt mit Cybertruck durch LA, baut Mini-Unfall und missachtet Verkehrsregel

Link zum Artikel

Tesla Cybertruck auf Kaliforniens Strassen sorgt für Wirbel

Link zum Artikel

«Frotzelnde Tweets in einem Streit unter Männern»: Elon Musk gewinnt vor Gericht

Link zum Artikel

17 Tonnen CO2 für einen Elektroauto-Akku? Das steckt hinter dem Mythos

Link zum Artikel

Tesla expandiert in der Schweiz ins Geschäft mit Hausbatterien

Link zum Artikel

Ist «Pädo-Typ» ein Schimpfwort? Verleumdungsprozess gegen Elon Musk hat begonnen

Link zum Artikel

5 elektrische Pick-ups, gegen die Teslas Cybertruck antreten muss

Link zum Artikel

Tesla Model S schafft 1 Million Kilometer – das musst du über den Weltrekord wissen

Link zum Artikel

Teslas Cybertruck auf Schweizer Strassen? Das musst du wissen

Link zum Artikel

Darum kapituliert der einzige Tesla-Taxifahrer von Berlin (und sattelt auf Hybrid um)

Link zum Artikel

So gross ist Teslas Cybertruck im Vergleich mit einem VW Golf 😳

Link zum Artikel

Tesla enthüllt den scharfkantigen «Cybertruck» – und das Internet dreht völlig ab

Link zum Artikel

Im falschen Film? Nein, Tesla hat gerade den Cybertruck enthüllt

Link zum Artikel

Tesla-Chef Musk bereut, mit Comedian Joe Rogan gekifft zu haben

Link zum Artikel

Ford enthüllt Elektro-Mustang – Tesla schlägt mit Cybertruck-Pickup zurück

Link zum Artikel

Österreich hat ein Problem: Warum sich niemand traut, diesen Tesla zu entsorgen

Link zum Artikel

Tesla macht der deutschen Autoindustrie Feuer unter dem Hintern 🔥

Link zum Artikel

Tesla gründet Fabrik bei Berlin – Twitter-Nutzer lachen über Berliner Flughafen

Link zum Artikel

Tesla baut Giga-Fabrik in Deutschland – 10'000 Arbeitsplätze entstehen

Link zum Artikel

«Gehe offline»: Tesla-Chef Musk hat die Schnauze voll von Twitter

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Diese 16 Grafiken zeigen, wie brutal Tesla der Konkurrenz enteilt ist

Seit der Ölkrise Mitte der 1970er wurden in der Schweiz nie mehr so wenig Autos gekauft wie im Corona-Jahr 2020. Elektroautos – insbesondere von Tesla – verkauften sich trotzdem prächtig. Eine Übersicht.

2020 fuhr Tesla endgültig aus der Nische. Setzte Elon Musks Tech-Konzern 2013 weltweit gerade mal 22'000 Elektroautos ab, waren es im schwierigen Corona-Jahr fast eine halbe Million. Oder um genau zu sein: 499'550 Stück. Während fast alle anderen Automarken starke Einbrüche verzeichneten, lieferte Tesla 36 Prozent mehr Autos als im Vorjahr aus.Niemand muss Musk sympathisch finden, aber die Zweifler an der Elektromobilität sind 2020 grösstenteils verstummt. Die folgenden Grafiken zeigen, weshalb.

Artikel lesen
Link zum Artikel