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Klaus Schwab ruft einmal mehr die Reichen und Mächtigen nach Davos.<br data-editable="remove">
Klaus Schwab ruft einmal mehr die Reichen und Mächtigen nach Davos.
Bild: EPA/KEYSTONE

«62 Reichen gehört die halbe Welt» – sind die Superreichen auch superproduktiv oder zocken sie einfach schamlos ab?

Die neuste Studie des britischen Hilfswerkes Oxfam wirft einmal mehr die zentralste sozialpolitische Frage der Gegenwart auf: Wie kann man der immer absurder werdenden Ungleichheit Herr werden?
18.01.2016, 12:4119.01.2016, 12:02

«62 Reichen gehört die halbe Welt» und «Das oberste Prozent der Weltbevölkerung verfügt über mehr Vermögen als der Rest der Welt zusammen»: Unter diesen knackigen Thesen fasst das britische Hilfswerk Oxfam in einer Studie das zusammen mit der Klimaerwärmung dringendste Problem der Menschheit des 21. Jahrhunderts zusammen: die Ungleichheit. Das wirft drei Fragen auf: Wie entsteht diese Ungleichheit? Wie wird sie begründet? Und was kann man dagegen tun?

Drei Thesen der Ungleichheit

Wie entsteht die wachsende Ungleichheit? Der Ökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman hat kürzlich in seiner Kolumne in der «New York Times» drei mögliche Begründungen aufgelistet:

Paul Krugman, Nobelpreisträger und Kolumnist in der New York Times».<br data-editable="remove">
Paul Krugman, Nobelpreisträger und Kolumnist in der New York Times».
Bild: Getty Images North America

Erstens: Die Superreichen sind auch superproduktiv. Diese These ist besonders bei den neuen IT-Milliardären im Silicon Valley populär. Sie stellt fest, dass einige wenige Menschen wie beispielsweise Bill Gates oder Mark Zuckerberg einfach hundert oder tausend Mal produktiver seien als gewöhnliche Menschen und deshalb auch so viel mehr verdienen.

«Es wäre dumm zu leugnen, dass einige Menschen in der Tat viel produktiver sind als andere.»
Paul Krugman

Zweitens: Die Superreichen haben in der Regel bloss Glück, sie befinden sich zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Drittens: Die Superreichen können mit ihrer Macht das System manipulieren.

Führt mehr Ungleichheit zu mehr Wohlstand?

Krugman stellt fest, dass alle drei Begründungen teilweise zutreffen. «Es wäre dumm zu leugnen, dass einige Menschen in der Tat viel produktiver sind als andere. Es wäre aber ebenso dumm zu leugnen, dass Erfolg im Geschäft nicht auch mit Glück zu tun hat.» Auch der Machtfaktor spielt eine entscheidende Rolle.  

Die entscheidende Frage ist jedoch nicht, ob Ungleichheit moralisch vertretbar sei, sondern, was sie für Auswirkungen auf die Volkswirtschaft hat. Hier ist die Antwort klar: «Historisch gesehen ist die amerikanische Wirtschaft am schnellsten in den 1950er und 1960er Jahren gewachsen. Damals gab es auch am meisten technischen Fortschritt, obwohl die Steuersätze für die höchsten Einkommen viel höher waren und es viel weniger Ungleichheit gab.»

Ein hungerndes Kind in Niger. Die Bevölkerung auf dem schwarzen Kontinent wird sich in den nächsten 35 Jahren verdoppeln.&nbsp;<br data-editable="remove">
Ein hungerndes Kind in Niger. Die Bevölkerung auf dem schwarzen Kontinent wird sich in den nächsten 35 Jahren verdoppeln. 
Bild: EPA

Die skandinavischen Länder als Beispiel

Das gilt heute noch. Trotz hoher Steuern und relativ tiefer Ungleichheit gehören die skandinavischen Länder zu den wohlhabendsten und haben die glücklichsten Bewohner der Welt. Die Gleichung: «Mehr Ungleichheit bedeutet mehr Wohlstand» für alle ist daher Unfug.  

Mehr noch, global gesehen ist diese Gleichung sehr gefährlich. Afrika ist der ärmste Kontinent, und ausgerechnet in Afrika wird sich die Bevölkerung in den nächsten 35 Jahren verdoppeln. Ein Viertel der Menschheit wird dann auf dem schwarzen Kontinent leben. Sollte es nicht gelingen, diesen Menschen einen gerechten Teil des globalen BIP zukommen zu lassen, dann ist das, was wir bereits heute an Flüchtlingswellen erleben, bloss ein laues Lüftchen.

[dhr, 22.01.2017] Geld, Banken, Weltwirtschaft

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