Wirtschaft
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CS zahlt Riesen-Boni trotz Milliardenverlust – die Manager freut's, den Rest nicht

Die Credit Suisse hat eine der schlechtesten Eigenkapitalquoten in Europa. Und doch: Nach dem zweiten Verlustjahr in Folge schüttet die Bank weiterhin Boni und Dividenden aus. In Milliardenhöhe.

Beat Schmid / schweiz am Sonntag



ARCHIV - ZUM VERLUST VON 2.44 MRD FRANKEN DER CREDIT SUISSE IM GESCHAEFTSJAHR 2016, STELLEN WIR IHNEN AM DIENSTAG, DEM 14. FEBRUAR 2017, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Das Credit Suisse Gebaeude, aufgenommen am Mittwoch, 10. Februar 2016 in Zuerich Oerlikon. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Milliarden fliessen von der CS ab - in die Taschen der Aktionäre und Manager. Bild: KEYSTONE

Ein Artikel von Schweiz am Sonntag

Bankmanager und Aktionäre freuen sich. Trotz Milliardenverlust schüttet die Credit Suisse Dividenden und Boni in Milliardenhöhe aus. Allein der Bonustopf für 2016 dürfte rund 2,1 Milliarden Franken umfassen. Er wird zwar gegenüber dem Vorjahr schrumpfen, ist aber weiterhin üppig ausgestattet (die genaue Höhe wird in ein paar Wochen bekannt). Die Aktionäre wiederum erhalten pro Aktie 70 Rappen Dividende. Bei zwei Milliarden Aktien im Umlauf kostet das die Bank unter dem Strich 1,4 Milliarden Franken. Zusammen macht dies rund 3,5 Milliarden Franken. Geld, das von der Bank abfliesst.

«Es gibt kein Naturrecht, dass Banker einen Bonus erhalten»

Die Bank hat im angelaufenen Jahr einen Verlust von 2,4 Milliarden Franken eingefahren (nach 2,9 im Vorjahr). Das bedeutet, dass die Credit Suisse für die Ausschüttung von Boni und Dividenden auf das Eigenkapital zurückgreifen muss. Damit schwächt sie ihr ohnehin dünnes Eigenkapitalpolster zusätzlich. Der Schweizer Finanzexperte Adriano Lucatelli kritisiert die Geschäftspolitik der Grossbank. «Traditionell waren Schweizer Banken sehr solide kapitalisiert. Ihre dicken Eigenkapitaldecken standen für Stabilität und Solidität. Damit zogen die Banken Kundengelder aus der ganzen Welt an», sagt Lucatelli, Dozent für politische Ökonomie an der Universität Zürich und Mitbegründer des Finanzunternehmens Descartes Finance.

«Die Bankiers waren einst stolz darauf, ein AAA-Rating zu besitzen», sagt Lucatelli weiter. Heute sind die Grossbanken weit von einem Toprating entfernt. Die Credit Suisse kommt auf ein BBB+. Sie weist eine Verschuldungsquote (Leverage Ratio) von 3,3 Prozent aus. Das bedeutet, dass die Bank auf gut 3 Franken Eigenkapital 97 Franken Fremdkapital aufweist, wie zum Beispiel Spareinlagen. Es braucht nicht viel, und das Eigenkapital ist weggeschmolzen.

«Für Kunden und Bürger ist das nicht nachvollziehbar. Es muss ein neues Denken Einzug halten»

«Wie knapp die Banken kapitalisiert sind, zeigt sich auch daran, dass die gleichen Banken von ihren Kunden mindestens 20 Prozent Eigenkapital für die Finanzierung eines Hauses verlangen. Die Banken dagegen finden, dass ein aufsichtsrechtliches Kernkapital von 3 Prozent ausreiche», sagt der Experte. «Warum nicht wieder zurück zur alten Zeit?» Wenn ein Kunde viel Geld bei einer Bank anlege, dann schaut er darauf, wie viel Eigenkapital sie habe. Sei das Polster dick, gelte sie als sicher. Drei Prozent Kernkapital für eine Grossbank «ist einfach nicht ausreichend».

Auch in den USA läuft derzeit eine Debatte über die Höhe des Eigenkapitals. So warnt der Chef der US-Notenbank Fed in Minneapolis im «Wall Street Journal» davor, die Regeln zu lockern, wie dies etliche Banken-CEOs fordern und von Donald Trump erhoffen. Er befürchtet, dass die Banken die lockeren Regeln nutzen, um Dividenden auszuzahlen und Aktien zurückzukaufen. Damit der Steuerzahlen nicht mehr für Verluste aufkommen muss, fordert er eine Eigenkapitalquote von 23,5 Prozent. Wie Fed-Analysen ergeben haben, hätten die Banken ein solch dickes Kapitalpolster gebraucht, um die Verluste der grossen Rezession zu decken.

«CS sollte darauf verzichten»

Die CS macht es wie die grossen US-Investmentbanken. Statt ihre Eigenkapitalquote zu verbessern, schüttet die Credit Suisse lieber Milliarden an Manager und Aktionäre aus. «Es ist nicht vermittelbar, dass man Dividenden und Boni auszahlt, wenn man Verluste einfährt», sagt Lucatelli, der zu Beginn seiner Karriere bei der CS arbeitete. «Die CS sollte auf die Ausschüttung einer Dividende und Bonuszahlungen verzichten.» Die Credit Suisse gehört mit der Deutschen Bank zu den am schlechtesten kapitalisierten Banken Europas. Aktuell ist die CS sogar noch schlechter kapitalisiert als die Deutsche Bank. «Das passt nicht zur Schweiz», sagt Lucatelli. «Für Kunden und Bürger ist das nicht nachvollziehbar. Es muss ein neues Denken Einzug halten», fordert er.

Für den Uni-Dozenten ist klar: «Als langfristiges Ziel sollten die Banken eine Leverage Ratio von 10 Prozent anstreben.» Das würde auch bedeuten, dass die Grossbanken Bonuszahlungen und Dividendenausschüttungen in den nächsten Jahren aussetzen müssten. «Es gibt kein Naturrecht, dass Banker einen Bonus erhalten», sagt Lucatelli.

Dass die Banker davonlaufen würden, wenn sie keinen Bonus erhalten, glaubt Lucatelli hingegen nicht. «Wohin sollen sie denn auch gehen?» Die tiefen Zinsen und die Digitalisierung drücken bereits jetzt auf die Margen. Dieser Druck werde noch zunehmen, ist Lucatelli überzeugt, der mit Descartes Finance einen sogenannten Robo Advisor entwickelt, einen computerbasierten Kundenberater. «Die Banken werden schlicht nicht mehr genügend Geld verdienen, um hohe Boni ans Topmanagement ausschütten zu können.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • Agakami 21.02.2017 16:02
    Highlight Highlight Was ich immer noch nicht verstehe ist wie kann man stellen abbauen und trotzdem noch mit gutem gewissen solche Boni bezahlen?
    Es kann doch nicht sein das ein Mensch, der einen so hohen Lohn hat, noch einen Bonus bekommt, den diese Arbeiter nicht mal in Ihrem ganzen leben verdient hätten.
    2 0 Melden
  • Jokerf4ce 20.02.2017 08:30
    Highlight Highlight Haha jetzt geben die das schon offen zu?!
    Dann gibt es ja keine Zweifel mehr, aufs Schaffot mit den Manager?!
    3 0 Melden
  • Sapere Aude 19.02.2017 22:47
    Highlight Highlight Ein System mit Bonus ohne Malus kann nicht wirklich funktionieren, zumindest ist es nicht verantwortungsfördernd.
    35 1 Melden
    • sherpa 22.02.2017 15:34
      Highlight Highlight Dass es offenbar funktioniert, zeig die CS. Diese Manager haben noch immer nicht begriffen, weshalb sie als Abzocker tituliert werden und haben noch die Frechheit, bei der ganzen Schmierenkomädie auch noch Leute zu entlassen.
      1 0 Melden
  • Makatitom 19.02.2017 20:53
    Highlight Highlight Vielleicht wäre auch noch erwähnenswert, dass ein nicht wirklich kleiner Teil der Dividenden nach Saudi-Arabien geht
    29 1 Melden
  • amore 19.02.2017 18:54
    Highlight Highlight Ok. Bonu ja. Aber sie werden vorläufig mit den Bussen verrechnet.
    7 4 Melden
  • Raphael Stein 19.02.2017 18:44
    Highlight Highlight Ist vermutlich eine Frage der Zeit bis der Mob die Bank stürmt. Was in dieser Richtung hatten wir doch mal in Frankreich. Ist schon eine Weile her.
    41 2 Melden
  • Phrosch 19.02.2017 17:13
    Highlight Highlight Warum gibt es bei Verlust keinen Malus für die oberste Führungsetage? Boni sollten aus Erfolgen finanziert werden und bei Verlusten gar nicht möglich sein.
    81 2 Melden
    • Madison Pierce 19.02.2017 18:30
      Highlight Highlight Der aktuelle Verlust hängt mit Rechtsfällen aus der Zeit der Immobilienkrise zusammen. Die aktuelle Führung kann nichts für das Verhalten der Bank vor 8-10 Jahren.

      Richtig wäre, wenn die alte Führung die Boni zurückzahlen müsste, da der Gewinn, aufgrund dessen sie ausgezahlt wurden, auf illegalen Geschäften beruht.

      Das ist aber nicht vorgesehen und ein grosses Problem: es fördert kurzfristige Gewinne anstatt langfristiges Denken.
      41 4 Melden
    • Aged 19.02.2017 19:15
      Highlight Highlight @madison: "Die aktuelle Führung kann nichts für das Verhalten der Bank vor 8-10 Jahren." - soweit okay, allerdings würde das heutige Mgt genau gleich handeln wie damals.
      22 4 Melden
    • CASSIO 20.02.2017 06:34
      Highlight Highlight Aged, dies ist nicht bewiesen und stellt alle unter Generalverdacht. Aber auch ich bin der Meinung: wenn Bonus, dann auch Malus. Die CS hat seit 2007 massiv an Wert eingebüsst bzw Wert vernichtet. Verantwortlich dafür ist das kranke System, welches Mitarbeiter dieser Wertvernichtungsmaschinerie noch mit Boni belohnt, obwohl die Eigentümer dauernd Verluste schreiben.
      1 0 Melden
  • koks 19.02.2017 16:24
    Highlight Highlight lass mich raten: es sind genau diese gambler, die von der ustrIII selig profitiert hätten. unterstützt von unserer bürgerlichen 'elite'.
    46 11 Melden
    • Crecas 19.02.2017 16:42
      Highlight Highlight Nope. Die CS hätte leicht höhere Steuern bezahlen müssen.
      21 11 Melden
  • Majoras Maske 19.02.2017 16:19
    Highlight Highlight Das ist leider Gott gegeben, dass darf man nicht kritisieren.
    26 3 Melden
  • Typu 19.02.2017 15:11
    Highlight Highlight Stimmt. Ich habe zu meinem Erstaunen 10% mehr Bonus als letztes Jahr erhalten. Wieso weiss ich nicht.
    Aufruf: ich möchte so gerne die Branche wechseln. Bin kein Kundenberater. bakepies@gmail.com
    11 8 Melden
  • pamayer 19.02.2017 15:05
    Highlight Highlight Aber jetzt gross jammern, das die USR III nach hinten losgegangen ist.
    27 12 Melden
  • elivi 19.02.2017 14:29
    Highlight Highlight Wie hoch sind die eigenkapitlalquote der anderen schweizer banken? Is die CS weit weg von den anderen oder haben alle ne ähnlich tiefe zahl?
    25 3 Melden
    • Echo der Zeit 19.02.2017 14:54
      Highlight Highlight Die wollen alle - eine möglichst Tiefe eigenkapitlalquote - Die wollen alle - Gamen - und nicht Geld lagern - Gamen wollen sie!
      34 6 Melden
    • tux_ping 19.02.2017 15:01
      Highlight Highlight PostFinance hatte Mitte 2016 (letzter Halbjahresbericht) eine Leverage Ratio von 4.4%, die UBS Ende 2015 6.2% und die Raiffeisen-Gruppe Mitte 2016 6.7%.
      42 0 Melden
  • Echo der Zeit 19.02.2017 14:23
    Highlight Highlight Ja Ja, ist ja nichts Neues das sich diese Seriösen Ehrwürdigen Grossbanken - seit eh und je von ihren Managern Erpressen lässt - Die Eigenkapitalquote solcher Banken ist ein Witz - und ein schlag ins Gesicht von jedem Kleinunternehmer der Seriös wirtschaftet.
    105 1 Melden
    • koks 19.02.2017 16:27
      Highlight Highlight da war doch diese neoliberale avenir-suisse-lobbyistin, katja gentinetta, die im interview sagte:
      "Das Verständnis dafür, woher der eigene Lohn und überhaupt unser Wohlstand kommt, ist nicht überall vorhanden."
      Und genau diese neoliberalen schreierinnen verteidigen dann die mia-boni und dividenden an die gutbetuchten aktionäre.
      56 1 Melden
    • CASSIO 20.02.2017 06:40
      Highlight Highlight Koks, ich bezeichne mich als ultraliberalen. aber freiheit geht mit verantwortung einher, w. h. dass je mehr freiheiten wir haben, umso mehr verantwortung für die schwächsten übernehmen müssen. jeder andere liberale, der diese gleichung nicht verstanden hat, ist kein liberaler, sondern ein dummschwätzer.
      3 0 Melden

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