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Interview

US-Republikaner in der Schweiz: «Obama ist kein Amerikaner und heisst auch nicht Obama»



Sollte es am 8. November knapp werden, könnten die Briefstimmen von Ausland-Amerikanern Zünglein an der Waage spielen. Einer von ihnen ist James Foley, der in Genf lebt und sich bei den Republikanern engagiert. Im Interview erklärt er, warum er Hillary Clinton verachtet, was ihm an Trump gefällt und warum er trotzdem einem anderen die Stimme gegeben hat.

Wer gewinnt am 8. November?
James Foley: Wenn die Wahlbeteiligung hoch ausfällt, wird wahrscheinlich Donald Trump gewinnen. Wenn nicht, eher Hillary Clinton.

Viele Republikaner haben Mühe mit ihrem Kandidaten. Wie ist die Stimmung unter den Republikanern in der Schweiz?
Die Stimmung hier ist einfach ausgedrückt: Jeder, nur nicht Hillary!

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bild via srf

Zur Person

James Foley (49) ist Mitglied und Sprecher von Republican Overseas Switzerland, der Schweizer Zweigstelle der US-Republikaner. Er lebt seit 2013 in Genf und arbeitet in der Autoindustrie. Foley ist verheiratet und hat ein Kind. Geboren und aufgewachsen ist er in New Orleans. Er spricht fliessend Deutsch und Französisch und kommentiert den US-Wahlkampf in verschiedenen Schweizer Medien.

Nicht gerade ein Kompliment für Trump. Was können Sie Positives über ihn sagen?
Im Gegensatz zu Hillary, die sich nur durch faule Tricks gegen Bernie Sanders durchsetzen konnte, hat Trump die Vorwahlen ehrlich gewonnen. Er hat 16 andere Kandidaten mit mehr politischer Erfahrung und grösseren Wahlkampfbudgets besiegt. Wie hat er das gemacht? Er spricht über Dinge, die den Leuten auf der Seele brennen, darunter auch Demokraten und sogar einige Vertreter von Minoritäten wie Schwarze und Latinos. Die Klugen unter ihnen wissen, dass sie von den Demokraten seit den 1960er-Jahren benutzt werden.

Trumps Hauptzielgruppe ist aber die weisse Arbeiterschaft, die von den traditionellen Parteien enttäuscht ist. Glauben Sie wirklich, er bringt ihnen wie versprochen die Industrie-Jobs zurück?
Das ist Politiker-Sprache. Was er tun kann, ist Handelsabkommen unter die Lupe nehmen, zum Beispiel die Transpacific Partnership (TPP), die Obama unbedingt will. Auch Hillary war für dieses Abkommen, jetzt ist sie dagegen. Man weiss nie, wofür sie steht. Sie ist eine Lügnerin und ändert ihre Meinung jedes Mal, wenn sie am Fernsehen auftritt ...

… nochmal zu Trump ...
Trump kann Anpassungen an diesen Abkommen vornehmen, vorausgesetzt der Kongress folgt ihm. Er hat nie gesagt, er sei gegen Freihandel. Er ist gegen Freihandel, wenn die USA nicht davon profitieren. Des Weiteren kann er die Unternehmenssteuern senken und so amerikanisches Kapital zurück ins Land holen, um es dort zu investieren, statt im Ausland. Das ist doch der Grund, warum Unternehmen überhaupt abgewandert sind, weil die Arbeitskosten und die Steuerlast so hoch sind.

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James Foley (rechts) mit der US-Botschafterin in Bern, Suzi LeVine (Mitte). bild via facebook.com/RepublicansOverseasSwitzerland

Gibt es etwas, das Ihnen an Trump missfällt?
(überlegt) Er ist der offizielle Kandidat, aber ich habe ihn nicht gewählt. Ich habe meine Stimme brieflich für Gary Johnson abgegeben.

Warum?
Ich habe schon 2012 für ihn gestimmt. Er hat als Gouverneur von New Mexico einen guten Job gemacht. Er vertritt libertäre Positionen, auch und gerade in Steuerfragen. Er sagt, der Staat solle sich aus den Angelegenheiten der Bürger wo immer möglich heraushalten. Das denke ich auch. Der amerikanische Staat ist zu gross, zu mächtig und zu teuer. Wir Amerikaner müssen von dieser europäischen Vorstellung wegkommen, dass der Staat für alles verantwortlich ist. Das ist er nicht. Er soll die Grenzen schützen und die Post verteilen.

Das verstehe ich nicht. Sie sagen «jeder ausser Hillary», aber mit Ihrer Stimme für Gary Johnson schaden Sie eher Trump und helfen ihr indirekt. Passt das zusammen?
Nein, es ist eine Protestwahl. Sicherlich gegen Hillary, aber nicht zwingend gegen Trump. Angenommen Jeb Bush wäre der Kandidat, ich würde trotzdem für Johnson stimmen. Mein Protest richtet sich gegen das Zweiparteiensystem in meiner Heimat. Es gibt keinen Unterschied zwischen Republikanern und Demokraten in den USA, sie sind wie zwei Flügel desselben Vogels. Beide wollen einen grossen, mächtigen, üppig finanzierten Staat.

«Wenn jemand wie Obama Präsident sein kann, dann mache ich mir wegen Johnson oder Trump keine Sorgen.»

James Foley

Johnson ist chancenlos.
Ich finde, eine Stimme für einen Drittkandidaten ist eine bessere Investition in die Zukunft des Landes. Wenn es gelingt, das Parteien-Duopol zu brechen und vielleicht irgendwann eine Koalitionsregierung wie in Europa zu forcieren, würde ich das sehr begrüssen.

Sie sprechen fliessend Deutsch und Französisch und Ihre Frau stammt aus Polen. Stört es Sie mit diesem internationalen Hintergrund nicht, dass Gary Johnson von Aussenpolitik keinen blassen Schimmer hat?
Das stört mich weniger. Da er ohnehin keine Chance hat, können ihm diese Fauxpas auch nicht schaden. Man könnte Trump übrigens denselben Vorwurf machen, aber ich finde das nicht so entscheidend, Präsidenten haben unzählige Berater, die über alles Bescheid wissen. Und überhaupt: Wenn jemand wie Obama Präsident sein kann, dann mache ich mir wegen Johnson oder Trump keine Sorgen.

Wie meinen Sie das?
Obama hatte noch nie einen richtigen Job, er war ein Community Organizer in Chicago. Er ist nicht einmal Amerikaner und sein Name ist auch nicht Obama, sondern Soetoro, weil er vom zweiten Ehemann seiner Mutter adoptiert wurde. Alles an ihm ist Schwindel!

Sie glauben nicht, dass Obama auf Hawaii geboren wurde?
Das glaube ich keine Sekunde. Donald Trump hatte völlig recht, das zu thematisieren. Wo ist Obamas Geburtsurkunde? Diesem PDF, das er veröffentlicht hat, sieht man doch an, dass es gefälscht ist. Aber egal, mein Punkt ist: Wenn Obama Präsident sein kann, dann können das auch Johnson und Trump. Der Präsident ist letztlich ohnehin nur ein Aushängeschild.

«Wir waren einmal ein grosses Land, zu dem andere aufgeschaut haben. Heute ist es nur noch korrupt.»

James Foley

Warum dann überhaupt einen wählen?
Einverstanden, aber so ist unser System nun einmal ausgelegt.

Trügt mich mein Eindruck, oder sind Sie eher pessimistisch, was die Zukunft der USA anbelangt?
Nein, der Eindruck stimmt. Wir waren einmal ein grosses Land, zu dem andere aufgeschaut haben. Heute ist es nur noch korrupt. Die beiden grossen Parteien haben Amerika ruiniert. Darum begeistert mich jemand wie Trump, weil er wirklich von aussen kommt. Und aus demselben Grund hassen ihn sowohl demokratische als auch republikanische Parteigrössen. Sie fühlen sich bedroht, weil er sie nicht braucht.

Sie und viele andere Amerikaner wünschen sich nichts mehr als Veränderung. Denken Sie nie daran, dass Veränderung auch heissen könnte, dass es noch schlimmer wird?
Woher wollen Sie wissen, dass es schlimmer wird?

Ich weiss es nicht, aber mir scheint, viele Trump-Anhänger gehen automatisch davon aus, dass es mit einem politischen Outsider besser werden muss.
Schauen Sie, wir hatten 17 republikanische Kandidaten zu Beginn der Vorwahlen. Einer nach dem anderen wurde ausgesiebt, sei es, weil ihnen das Geld ausging, sie in den Debatten schlecht abschnitten, keine Unterstützung aus der Partei bekamen und so weiter. Der Prozess dauert sehr lange und gibt den Leuten die Möglichkeit, sich die Kandidaten und ihr Programm genau anzusehen. Am Ende dieses Prozesses kam Trump heraus. Die Leute wollen ihn wirklich.

Woher kommt eigentlich dieser fast religiös anmutende Hass der Republikaner auf Hillary Clinton?
Ich würde es nicht Hass nennen, sie ist ausserordentlich unbeliebt. Sie steht seit 25 Jahren in der Politik und viele Leute, die mit ihr zusammengearbeitet haben, beschreiben sie als furchtbare Person. Eben ist ein Buch eines ehemaligen Secret-Service-Mitarbeiters herausgekommen, der das bestätigt. Sowohl als Senatorin als auch als Aussenministerin hat sie bewiesen, dass sie käuflich ist. Sie ist korrupt und das perfekte Beispiel für alles, was in den USA schief läuft.

Hat es aus Ihrer Sicht etwas Beelendendes, dass Ihre Landsleute nun zwischen diesen beiden Kandidaten wählen müssen?
Eines Tages musste es so kommen, und dieser Tag ist jetzt: Ein Vertreter des korrupten politischen Establishments gegen einen völligen Outsider, der sich eine der beiden grossen Parteien gekrallt hat. Er wählte die republikanische Partei, weil er sah, wie zerrissen und wie schwach sie war. Beelendend? Nein, ich würde eher sagen, unausweichlich.

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