Schweiz
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ARCHIVBILD ZUR BEKANNTGABE DES SALAERS 2016 VON CREDIT SUISSE CEO TIDJANE THIAM, AM FREITAG, 24. MAERZ 2017 - Tidjane Thiam, CEO Credit Suisse, informs the shareholders about a capital increase during an extraordinary general assembly in Bern, Switzerland, Thursday, November 19, 2015. (KEYSTONE/Dominic Steinmann)

Tidjane Thiam baut in der Schweiz ab und in Asien aus. Bild: KEYSTONE

Schleichender Abbau: Wo die Credit Suisse beim Personal spart

Die Schweizer Grossbank kommt nicht aus den Negativschlagzeilen: In der Schweiz gehen bei der Credit Suisse immer mehr Stellen verloren. Im Gegenzug profitieren Polen und Asien.

Beat Schmid / Schweiz am Wochenende



Bei der Credit Suisse in Basel werden Jobs abgebaut. Nachdem bereits letztes Jahr Stellen verschwanden, geht der Abbau auch 2017 weiter. Dabei komme es immer wieder zu Entlassungen, sagt ein Mitarbeiter der Niederlassung. So wie in Basel dürfte es in etlichen grösseren Standorten der Grossbank aussehen.

Auch im Herzen der Bank, im Uetlihof, zeigt sich ein ähnliches Bild. Dort, am Fusse des Zürcher Hausbergs, werden «ganz im Stillen Jobs abgebaut», sagt ein langjähriger Mitarbeiter zur «Schweiz am Wochenende». Wann und wie viele Stellen abgebaut würden, wisse niemand genau. Der Abbauprozess sei selbst für Vorgesetzte weitgehend intransparent. Die Bank gehe so vor, damit sie sich mit den Verbänden nicht an einen Tisch setzen müsse, mutmasst der Angestellte.

Wie sehr die Schweizer Belegschaft Federn lassen muss, kann man im kürzlich publizierten Geschäftsbericht nachlesen. So verschwanden in der Schweizer Einheit, der sogenannten Swiss Universal Bank, im Jahr 2016 offiziell 260 Stellen. Die Unit beschäftigt insgesamt 13'150 Angestellte auf Vollzeitbasis. In Realität dürften noch weit mehr Stellen verschwunden sein, da externe Mitarbeiter, sogenannte Contractors, nicht unter die offizielle Statistik fallen.

Credit Suisse hat in Polen 289 offene Stellen

Es zeigt sich auch, dass nicht nur Spezialisten in den nachgelagerten operationellen Bereichen betroffen sind von Stellenstreichungen, sondern zunehmend auch Bankberater mit Kundenkontakt. Die Zahl der Schweizer Kundenberater im Solde der CS schrumpfte in einem Jahr von 2060 auf 1970. Anteilsmässig trennte sich die Bank von mehr Kundenberatern als von übrigem Personal. Laut einem Sprecher seien diese Reduktionen Teil des bereits angekündigten Abbauplans von 1600 Stellen in der Schweiz. Man versuche, das Personal vor allem durch natürliche Abgänge zu reduzieren, heisst es weiter. Oft müssen Bankberater gehen, weil sie mit ihren Kunden eine zu geringe Rendite erwirtschaften.

Während die Grossbank in der Schweiz abbaut, entstehen im Ausland laufend neue Jobs. Zum Beispiel in Polen, wo die Grossbank bereits über 4000 Beschäftigte zählt. Gemäss der hauseigenen Stellensuchplattform hat die Bank im osteuropäischen Land derzeit 289 offene Stellen, davon allein 104 im Bereich Informatik. Damit zählt der Standort Polen fast so viele offene Stellen wie die Schweiz, wo derzeit 300 Jobs ausgeschrieben sind, nur gerade 40 im Bereich Informatik.

Credit Suisse logo is pictured on their office in Warsaw Poland, March 15, 2017. REUTERS/Kacper Pempel

Sitz der Credit Suisse in Warschau. Bild: KACPER PEMPEL/REUTERS

Wachstum in Asien kostet viel Geld

Viele vakante Stellen gibt es auch in Asien, wo die CS-Belegschaft ebenfalls stark wächst. Wie mehrfach angekündigt, sieht Konzernchef Tidjane Thiam im asiatischen Raum die grössten Wachstumschancen. Dabei lässt er einiges springen: Gemäss Geschäftsbericht stiegen die Personalausgaben im Bereich Privatebanking um 25 Prozent oder 130 Millionen auf 652 Millionen Franken. Die Zahl der Kundenberater stieg dagegen lediglich um zehn Prozent auf knapp 640.

Der Anstieg der Personalkosten in der asiatischen Privatebanking-Einheit sei «vor allem auf höhere Gehaltskosten» zurückzuführen, wie es im CS-Geschäftsbericht heisst. Durch das starke Wachstum wird Asien immer wichtiger im Bankkonzern. Mittlerweile beschäftigt die Region etwa halb so viel Mitarbeiter wie die Schweizer Einheit. Doch bei der Rentabilität hinken die Aktivitäten im Osten denjenigen in der Schweiz deutlich hinterher. Die Schweizer erzielen einen Vorsteuergewinn von 2 Milliarden Franken, während es in Asien dreimal weniger war.

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    Alle Leser-Kommentare
  • meliert 14.04.2017 08:18
    Highlight Highlight deshalb meide ich CS und UBS (vorher SBG) schon seit 30 Jahren!
  • DrMabuse 02.04.2017 18:26
    Highlight Highlight Würde mal sagen die CS kunden unterstützen diese Politik. Es muss niemand bei der CS kunde sein. Es gibt auch kleiner Banken in der Schweiz.
  • Platonismo 02.04.2017 14:41
    Highlight Highlight Die CS sollte das Suisse schon längst aus dem Namen streichen müssen.
  • Leidergeil 02.04.2017 14:06
    Highlight Highlight Immer mehr druck bei der arbeit... bald kommt ein neuer faktor hinzu (wenn er nicht schon da ist), nähmlich die angst um den eigenen job. In den nächsten jahren werden sich psychiater eine goldene nase verdienen. Und krankenkassen werden bluten... wenn die schweiz nicht bald was dagegen unternimmt wird das böse enden!
    • R. Schmid 02.04.2017 18:14
      Highlight Highlight Wir sollten halt die Banken als kriminelle Vereinigungen taxieren, sie ja auch sind.
  • DocM 02.04.2017 13:22
    Highlight Highlight Nicht nur die CS, auch die UBS, Zurich, Swiss Re etc. Bei allen Grosskonzernen das gleiche Bild.

    Andere z.B. Swisscom würden auch gerne stärker auslagern, werden aufgrund der staatlichen Aktienmehrheit noch daran gehindert. Somit werden die Polen, Tschechen, Russen und Inder über Beratungsfirmen eingeflogen.

    Unter dem Strich müssten alle diese Unternehmen dazu verpflichtet werden, je ausgelagertem Job entweder einen neuen zu generieren oder die Sozialabgaben auf unbestimmte Zeit zu entrichten.
  • Mandeville 02.04.2017 13:20
    Highlight Highlight Lasst uns doch nicht in Nationalismus verfallen. Geschaffene Stellen in Polen und Indien sind grossartig.
    • Tschedai 02.04.2017 13:43
      Highlight Highlight Ja, wenn die Polen und Inder Abgaben bezahlen, um die neuen Arbeitslosen hier zu finanzieren, dann schon.
    • Hoppla! 02.04.2017 17:26
      Highlight Highlight Wieso sollten sie?

      Der globale Gewinn einstreichen aber dann (nur) Schweizer Jobs wollen? Scheinheilig und egoistisch.

      Und unsere Arbeitslosenquote ist ja wirklich ein Problem. Doch. Auf jeden Fall.
    • Tschedai 02.04.2017 20:30
      Highlight Highlight Na hoppela... es gibt menschen, die denken, nicht bloss 1 Meter weit. Und auch: Den "globalen Gewinn" eingestrichen haben nicht wirklich die, die ihre Stelle an Polen und Inder verloren haben.

      Und eben: Unsere Arbeitslosenquote ist kein Problem. Im Moment. Der Trend zur Stellenauslagerung und Automatisierung hat auch erst vor 3 Jahren begonnen ein spürbares Ausmass zu nehmen und nimmt weiter zu.

      Also: Weiter als 1 Meter denken.
    Weitere Antworten anzeigen
  • dorfne 02.04.2017 13:18
    Highlight Highlight Irgendwann bleiben nur noch die CEO's, denen dann die ganze digitalisierte Bankenwelt um die Ohren fliegt, weil sie von IT keine Ahnung haben. Und ganz am Schluss wird der Homo Deus, als der sie sich wähnten von den Robotern auf den Kompost geworfen.
    • Tschedai 02.04.2017 13:44
      Highlight Highlight Vermutlich nicht.
  • pamayer 02.04.2017 13:10
    Highlight Highlight Und in Polen sind die Löhne tiefer.

    Und die Steuern? Wahrscheinlich irrelevant, da sowieso nicht in Polen versteuert wird.
    • Tschedai 02.04.2017 13:46
      Highlight Highlight Noch. Die Löhne in den Ostblock Ländern steigen an. Aber sobald sie aufgeholt haben, werden die Roboter übernehmen. Man sollte sich mal überlegen, wie man ein Grundeinkommen umsetzen kann und jene die gegen ein Grundeinkommen sind, sollten sich überlegen, wie man der Entwicklung halt auf andere Weise begegnen kann. Oder einfach nichts tun und dann jammern. Die Qual der Wahl.
    • DrMabuse 02.04.2017 18:28
      Highlight Highlight Es wäre an der zeit eine automaten- und outsourcing(ins Ausland) -steuer einzuführen.

Von Zimbabwe bis Taiwan: Der Schweizer Frauenstreik sorgt international für Reaktionen

In der ganzen Schweiz streiken zehntausende Frauen, um auf Frauenrechte und Gleichberechtigung aufmerksam zu machen. Die nationale Aktion findet auch im Ausland viel Beachtung und Unterstützung. So tweeten, posten und schreiben Menschen von Thailand bis Zimbabwe über den Schweizer Frauenstreik.

Wie international das Anliegen der Frauen in der Schweiz ist, zeigt diese Übersicht:

(leo)

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