Schweiz
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Das Logo des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums RAV in Sargans im Kanton St. Gallen, Schweiz, aufgenommen am 23. Juni 2009. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Der Gang zum RAV ist auch dem starken Franken geschuldet.
Bild: KEYSTONE

Der starke Franken kostet 20'000 Jobs

Am Dienstag publizierte das Seco die neusten Zahlen zur Arbeitslosigkeit. Die Zunahme der Arbeitslosenquote auf 3,8 Prozent hat auch mit dem Franken zu tun: Jeden Monat werden wegen des starken Frankens 1000 Menschen stellenlos. 

10.02.16, 05:00 10.02.16, 09:01

andreas schaffner / Aargauer Zeitung



Die Meldungen häufen sich. Der US-Industriekonzern GE will nach der Übernahme von Alstom in der Schweiz 1300 Stellen streichen. ABB hat im vergangenen Jahr die Belegschaft seiner Schweizer Ländergesellschaft um 290 Beschäftigte oder 4 Prozent verkleinert, und in diesem Jahr soll es so weitergehen. Die Grossbank Credit Suisse erhöht das Tempo der Sparmassnahmen und baut in der Schweiz 1600 Stellen ab. Und die Mitarbeiter der Versicherung Zurich erwarten morgen gebannt die Nachrichten aus der Konzernzentrale.

Der starke Schweizer Franken macht sich schleichend bemerkbar. Gemäss den gestern publizierten Januar-Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) waren Ende Januar 2016 163'644 Arbeitslose bei den regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) eingeschrieben. Das sind 5015 mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote in der Schweiz stieg damit von 3,7 Prozent im Dezember 2015 auf 3,8 Prozent im Januar.

1000 Arbeitslose pro Monat

Laut dem Seco-Chef Boris Zürcher sind zwar von den knapp über 5000 neu gemeldeten Personen rund 4000 saisonal bedingt arbeitslos geworden, rund 1000 Menschen wurden konjunkturell bedingt entlassen. Überspitzt gesagt hat jedoch die Aufwertung des Frankens durch die Aufhebung des Mindestkurses gegenüber dem Euro durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) vor über einem Jahr zur Folge, dass derzeit rund 1000 Menschen pro Monat arbeitslos werden. Für das Gesamtjahr rechnet das Seco mit einer Arbeitslosenquote von 3,6 Prozent.

Auch die Meldungen über Kurzarbeit in der Schweiz nehmen zu. Viele Bergbahnen etwa haben diesen Winter diese Massnahme schon ergriffen, da die Touristen aufgrund des Wechselkurses, der konjunkturellen Schwächen in ihren Herkunftsländern oder des mangelnden Schnees ausblieben.

«Die Frankenaufwertung wird gemäss unseren Schätzungen in der Schweiz etwa 20'000 Stellen kosten. Rund die Hälfte davon in der Maschinenindustrie, der Rest in der Gastronomie, dem Tourismus und im Detailhandel.»

Die Zahl der Betriebe, die Kurzarbeit angemeldet haben, stieg schon im letzten Jahr an — innerhalb eines Jahres von 389 auf 611. Die Zahlen aus dem Dezember 2015 und Januar 2016 fehlen noch. Doch die ausgefallenen Arbeitsstunden sind mit 374726 weit geringer als die über 4,5 Millionen im Jahr 2009. Das ist für Seco-Chef Zürcher ein klarer Hinweis, dass die Schweizer Unternehmen längerfristig mit einem starken Schweizer Franken rechnen. Für ihn ist klar, dass die vom starken Franken betroffenen Betriebe heute eher Mitarbeiter entlassen als einen Antrag auf Kurzarbeitentschädigung stellen.

Nicht alle Kantone sind gleich betroffen. Im Aargau ist die Arbeitslosenquote um 0,1 Prozentpunkte auf 3,5 gestiegen. In Zürich stieg die Zahl von 3,9 auf 4,0 Prozent. In Basel-Stadt stieg die Arbeitslosenquote um 0,2 Prozentpunkte auf 4,2 Prozent, in Baselland verharrte sie dagegen bei 3,1 Prozent. Mit 3,2 Prozent blieb die Quote in Solothurn konstant.

Arbeitgeber-Präsident warnt

Für Valentin Vogt, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbands (SAV), ist noch mehr zu erwarten: «Die Frankenaufwertung wird gemäss unseren Schätzungen in der Schweiz etwa 20000 Stellen kosten. Rund die Hälfte davon in der Maschinenindustrie, der Rest in der Gastronomie, dem Tourismus und im Detailhandel.» Bis heute seien effektiv rund 12000 Stellen abgebaut worden. Die restlichen Stellen würden mit grosser Wahrscheinlichkeit bis Mitte Jahr folgen.«Dieses Jahr wird vor allem die schwierige Konjunkturlage ihre Spuren hinterlassen.

In Europa haben sich die strukturellen Probleme verschärft, und in Asien hat vor allem China an Dynamik eingebüsst», erklärt Vogt die Situation. Einzig in den USA seien Anzeichen eines Aufschwungs erkennbar. In diesem garstigen Umfeld würden die Unternehmen auf weitere Kostensenkungen und Produktivitätsfortschritte fokussieren. Davon betroffen seien exportorientierte Unternehmen, aber auch Zulieferer.

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Schneider Alex 11.02.2016 07:03
    Highlight Mehr Vorsicht bei der Ansiedlung von Arbeitsplätzen für Zuwanderer!

    Die Deindustrialisierung der Schweiz ist schon lange im Gang. Man hat die zunehmenden Schwierigkeiten kommen sehen. Umso bedenklicher ist es, dass die Wirtschaftsförderer immer noch die Ansiedlung von strukturschwachen Arbeitsplätzen, die vorwiegend von Zuwanderern besetzt werden, unterstützen.
    Wenn die Unternehmen in der Schweiz eine Abgabe leisten müssten, wenn sie Zuwanderer anstellen - wie das Prof. R. Eichenberger vorschlägt - würden sie es sich zweimal überlegen, welche Unternehmensteile sie in der Schweiz ansiedeln.
    1 0 Melden
  • Sille 10.02.2016 13:46
    Highlight Man macht es sich sehr einfach... aber einen Sündenbock muss es für die Abbau-Spar und Auslagerungsmanie der Wirtschaft nun mal geben und die greift mit einem Lächeln zu.

    Zuwenig Stellen für zuviele Menschen welche immer noch in die Schweiz kommen. Temporär Anstellungen und Zeitverträge verdrängen Feststellen, eine Tatsache welche aber von den Verantwortlichen, der Politik mit Ignoranz goutiert wird. Aber uns gehts ja gut, die Schweiz und ihre Arbeitnehmer haben keine Probleme - oder etwa doch? Es wurde zulange zugewartet und jetzt erhalten wir langsam aber sicher die Quittung.. Danke Bern!!!
    5 3 Melden
  • NWO Schwanzus Longus 10.02.2016 09:11
    Highlight Es ist nicht der starke Franken, sondern das verhalten der Konzerne die massenhaft Arbeiter entlassen um zu sparen. Zudem werden Ausgesteuerte nie in der Statistik gezählt was die Zahlen verwässert.
    21 11 Melden
    • QQVI 10.02.2016 10:17
      Highlight Die Konzerne müssen wegen des starken Frankens sparen.
      8 12 Melden
    • Sille 10.02.2016 13:50
      Highlight Die Konzerne wollen die Aktionäre bei Laune halten und die Angestellten bezahlen den mehr als hohen Preis dafür.
      Die Mär wegen dem starken Franken ist nichts anderes als eine billige Ausrede und gibt den Firmen eine Begründung um einmal mehr den Abbau des Personals oder eine Auslagerung zu rechtfertigen. Schlussendlich sprechen die zu einer Mehrheit positiv veröffentlichten Zahlen ihre eigene Sprache...
      3 1 Melden
  • Midnight 10.02.2016 07:43
    Highlight Halte ich für ein Gerücht, dass dies in der reichen Schweiz dem starken Franken geschuldet ist. Wenn der Gewinn im vergleich zum Vorjahr nur geringfügig kleiner auszufallen droht, werden zur Kompensation gerne mal grosszügig Stellen gestrichen oder kurzerhand nach China und Osteuropa verlagert. Habe ich selbst schon erlebt, bei einem Unternehmen, welches drei Jahre hintereinander Rekordgewinne verkündete! Vielleicht sollte man eine Steuer für gestrichene Stellen einführen, um damit einen Teil der ALV zu finanzieren!
    36 9 Melden
  • _kokolorix 10.02.2016 06:32
    Highlight das zeigt einmal mehr wie zynisch und rücksichtslos die unternehmer geworden sind. solange die aufträge von vorher noch laufen werden die angestellten in sicherheit gewiegt, dann sofort entsorgt um die gewinne und damit die boni und dividenden auf hohem niveau zu halten. die möglichkeit einmal ein jahr keinen gewinn oder sogar verluste zu machen, aber den leuten ihr auskommen zu lassen wird nicht einmal in betracht gezogen
    49 8 Melden
    • Urmel 10.02.2016 07:26
      Highlight (reiner) Kapitalismus olé!

      :-(
      26 8 Melden
  • kettcar #lina4weindoch 10.02.2016 06:25
    Highlight Naja, ich denke es geht in erster Linie darum, die fetten Gewinne zu halten. Da wirft mal lieber ein paar Menschenressourcen raus, bevor es an den Boni geht.
    41 7 Melden

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Matthias Dantone, 32, Co-Gründer und CEO des ETH-Spin-offs Fashwell. Dantone hält einen Doktortitel in Computer-Vision und hat mit seinem Team Algorithmen entwickelt, die Outfits auf Fotos und Screenshots erkennen sowie Kaufvorschläge liefern. Damit landete das Startup 2017 auf Platz 30 des Top 100 Swiss Startup Awards. In der Firma arbeiten Machine-Learning-Ingenieure sowie Fashion- und E-Commerce-Experten.

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