DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
George Soros: Die Kassandra der Investoren warnt vor einem Absturz der Weltwirtschaft.<br data-editable="remove">
George Soros: Die Kassandra der Investoren warnt vor einem Absturz der Weltwirtschaft.
Bild: Manuel Balce Ceneta/AP/KEYSTONE

George Soros hat bereits gewarnt: Kommt der 3. Schock für die Weltwirtschaft?

An den Börsen ist ein Crash in Raten im Gang, der Erdölpreis rutscht immer weiter in den Keller – und was in China los ist, weiss niemand so recht. Die Angst geht um.
14.01.2016, 15:5514.01.2016, 16:18

«Das erinnert mich an die Krise von 2008», erklärte der Financier George Soros nach den ersten Schockwellen des von China ausgelösten Börsenbebens. Sein Wort hat Gewicht, hat er doch mit seinem sicheren Gespür für die Finanzmärkte Milliarden verdient.

Doch Mitte dieser Woche schien der Spuk vorbei zu sein. Die Kurse an den Börsen von Shanghai und Shenzhen zogen wieder an, die Trader atmeten auf – bis die US-Börsen ihren Handel aufnahmen und mehr als zwei Prozent abstürzten.

«Man spürt, wie langsam richtig Angst aufkommt.»
Jim Paulsen, Wells Capital Management

Die Börse ist miserabel ins neue Jahr gestartet. Rund zehn Prozent verloren die Kurse im Durchschnitt. Damit ist der Tatbestand einer «Korrektur» bereits erfüllt. Bei einem Minus von 20 Prozent spricht man von einem «Bärenrally» – und weit davon entfernt sind wir nicht mehr.

«Man spürt, wie langsam richtig Angst aufkommt», erklärte Jim Paulsen von Wells Capital Management gegenüber der «Financial Times».

Giftiger Cocktail

Der rabenschwarze Auftakt ins neue Jahr kam für die meisten unerwartet. Billiges Öl und erste Anzeichen eines Aufschwungs der europäischen Wirtschaft sorgten für verhalten optimistische Prognosen. Jetzt zeigt sich stattdessen, dass ein giftiger Cocktail die Stimmung versaut.

Die Zutaten dieses Cocktails sind: Enttäuschende Wirtschaftsdaten aus China, verbunden mit Kapitalflucht und Abwertung des Renminbi; weiterhin fallende Ölpreise; Unsicherheiten auf den Obligationenmärkten; eine stagnierende Weltwirtschaft und schrumpfende Unternehmensgewinne.

Immer noch sehr nervös: Chinas Börsen.<br data-editable="remove">
Immer noch sehr nervös: Chinas Börsen.
Bild: HOW HWEE YOUNG/EPA/KEYSTONE

Im Zentrum steht nach wie vor China. Alle wissen, dass Peking einen Strukturwandel der Wirtschaft – weniger Export, mehr Binnenmarkt und Dienstleistungen – anstrebt, aber niemand weiss, wie dies gelingen soll.

Den chinesischen Daten traut niemand so recht, und die Kompetenz der Funktionäre der KP China ist nicht über jeden Zweifel erhaben. Die verordneten «Abkühlphasen» im Börsenhandel waren ein Flop, und die Tatsache, dass wer kann, sein Geld aus China abzieht, schafft ebenfalls kein Vertrauen.  

Die grosse Angst vor einem Währungskrieg

Am meisten gefürchtet wird jedoch ein Währungskrieg in Asien. China hat den Renminbi an den Dollar gekoppelt. Der Greenback hat jedoch in den letzten Monat kräftig zugelegt und damit indirekt auch für einen stärkeren Renminbi gesorgt. Die chinesische Zentralbank hat darauf reagiert und ihre Währung abgewertet.

Obwohl sie glaubhaft versichert hat, damit keinen Währungskrieg vom Zaun brechen zu wollen, habt sich die Lage bisher nicht beruhigt. Kein Wunder: Ein Währungskrieg in Asien ist ungefähr das Letzte, was eine Wirtschaft, die sich ohnehin schon am Rande einer Deflation befindet, derzeit brauchen kann.

Ölkrieg zwischen Saudis und dem Iran

Für unterdurchschnittliche Inflation sorgen bereits die Rohstoffpreise. Vor allem der Ölpreis befindet sich im freien Fall und hat diese Woche erstmals seit langem kurzzeitig die Grenze von 30 Dollar pro Fass unterschritten. Die renommierte US-Investmentbank Morgan Stanley rechnet bereits mit einem Ölpreis von 20 Dollar pro Fass, andere Experten gar mit 10 Dollar.  

Der Ölpreiszerfall ist das Resultat eines Kampfes um Marktanteile. Es herrscht bereits eine Ölschwemme auf den Märkten und dies wird sich noch verschlimmern, wenn der Iran sein Öl wieder ungehindert exportieren kann. Der Erzfeind Saudi-Arabien will sich jedoch nicht die Butter vom Brot nehmen lassen und denkt nicht daran, seine Produktion zu drosseln. Gleichzeitig hoffen die Saudis, damit auch die Fracking-Konkurrenz aus den USA wieder aus dem Markt zu drängen.

Aneinander gekettet: Der Dollar und der Renminbi.<br data-editable="remove">
Aneinander gekettet: Der Dollar und der Renminbi.
Bild: © Stringer China / Reuters/REUTERS

Der starke Dollar schliesslich schlägt ebenfalls auf die Stimmung. Er hemmt die amerikanischen Exporte und lässt die Gewinne der multinationalen Konzerne schrumpfen. Bereits sind erste Stimmen zu hören, die von einer drohenden Rezession in den USA warnen.

Kommt es zu einer Wiederholung des Crash auf Raten?

Die von der US-Notenbank (Fed) eingeleitete Zinswende heizt diese Ängste zusätzlich an, und sorgt auch dafür, dass die ohnehin schon prekäre Lage in den Schwellenländern noch prekärer wird. Viele Unternehmen in Ländern wie Brasilien haben sich in Dollar verschuldet in befinden sich nun in ernsthaften Schwierigkeiten.  

Liegt George Soros mit seinen düsteren Prognosen also einmal mehr richtig? Das kann zumindest nicht ausgeschlossen werden. Verschiedene Experten befürchten bereits eine Wiederholung von 2001/02. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase ging zuerst den Techno-Börsen und dann allen anderen langsam die Luft aus.  

Es könnte auch ganz anders kommen...

Glücklicherweise könnte es auch ganz anders kommen. Wirtschaft hat auch viel mit Psychologie zu tun. Wird erkannt, dass der tiefe Ölpreis letztlich ein riesiges Geschenk an den Westen und an China ist, und verzichtet die Fed auf weitere Zinsschritte, dann könnte sich rasch wieder der Optimismus durchsetzen. Dann wären die Verluste der letzten Woche rasch wieder aufgefangen und alles wäre wieder gut.

Aber verlasst Euch nicht drauf!

[dhr, 22.01.2017] Geld, Banken, Weltwirtschaft

Alle Storys anzeigen
Du hast watson gern?
Sag das doch deinen Freunden!
Mit Whatsapp empfehlen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Liveticker

«Nur ganz wenige Gründe, nicht mit mRNA zu impfen» ++ 1451 neue Fälle

Die neuesten Meldungen zum Coronavirus – lokal und global.

Artikel lesen
Link zum Artikel